(Deutsch. Reichs-Anz., Nr. 285.)

151) Das Correspondenzblatt des Ges.-Ver. d. d. Gesch.- und Alterthumsver. führt in Nr. 11 Klage, daß die an der Stelle, wo 1233 Konrad von Marburg erschlagen wurde, errichtete Kapelle, die 1870 von Dehn-Rothfelser und Lotz als ein Werk des 14. Jahrhunderts besprochen wurde, nach dem III. Bnd. des hessischen Urkundenbuches zu schließen, abgebrochen sei, da dieses sagt: „Jetzt bezeichnet nur ein Denkstein den Ort, wo sie stand.“ Nun leider ist dies ja nichts so Merkwürdiges. Trotz aller Bewegung auf dem Gebiete der Alterthumswissenschaft, trotz aller Vereine und Commissionen hat unsere Zeit mehr mittelalterliche Bauten zerstört, als irgend eine frühere. Wie viele Kirchen, Kapellen, Stadtthore und Privathäuser haben wir abtragen sehen!

152) Der Breslauer Magistrat hat gestattet, die in dem Allerheiligenhospital von Alters her eingemauert gewesenen und im städtischen Bauhofe lagernden romanischen und späteren Sculpturen in die Sammlungen des Museums schlesischer Alterthümer aufzunehmen. Diese Stücke werden die Reihen der in dem östlichen Hofe des neuen Provinzialmuseums aufzustellenden Architekturfragmente und Steinsculpturen, welche vom 12. bis ins 18. Jahrhundert reichen, zu einem interessanten Ganzen vervollständigen. In der Mitte des Raumes wird ein großes romanisches Thor mit Tympanum entgegentreten, Basen und Capitäle gleichen Stiles die Hinterwände zieren; an die Wände rechts und links werden sich gothische Stücke lehnen, an der Eingangsseite Renaissancearbeiten, wie die sog. „Halbe Maria“ von der Nicolaistraße, Säulen aus dem Ringhause zur goldenen Krone und vom Schloß und dem Münderschen Hause zu Liegnitz zur Aufstellung gelangen.


Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.


Gedruckt bei U. E. Sebald in Nürnberg.


Anmerkungen zur Transkription: