Literatur.

Neu erschienene Werke.

4) Studien an den Grabstätten alter Geschlechter der Steiermark und Kärntens von Leopold von Beckh-Widmanstetter. 218 Seiten mit 4 Stammbäumen, 2 Ahnentafeln und 4 Tafeln mit photolithographischen Abbildungen von alten Grabdenkmalen. Berlin 1877–78 (als Separatabdruck der Vierteljahresschrift des „Herold“) in Commission bei Karl Wohlfarth in Graz.

Das vorliegende Buch bildet zum Theile einen Anschluß an die im „Anzeiger“ 1872, Nr. 7 besprochene Abhandlung desselben Verfassers: Ulrich’s v. Liechtenstein, des Minnesängers, Grabmal auf der Frauenburg. Darum mag dasselbe, so wie jene, billigerweise an dieser Stelle kurze Erwähnung finden. Indem der Verfasser das Leben der Familien in Parallele zu dem der Einzelngeschöpfe als jenem feststehendem Gesetze der Natur unterworfen hinstellt, welches allen Wesen eine Periode des Keimens, der Blüthe und des Verfalls zutheilt, — erschließt er uns in dieser Beleuchtung an der Hand der Grabdenkmale ein durch viele merkwürdige Verknüpfungen und wichtige historische Thatsachen gehobenes Lebensgemälde von 4 Familien der Steiermark und Kärntens, die allesammt, wenn auch in verschiedener Richtung und zu verschiedenen Zeiten, einen beneideten Höhepunkt des Ruhmes oder auch wirthschaftlichen Ranges erlangten. Von diesen Familien standen die ersten drei: I. Liechtenstein zu Murau, II. Teuffenbach zu Teuffenbach, III. Neuman von Wasserleonburg, miteinander in Verwandtschaft, auch gehörten sie ihrem Ursprunge nach sämmtlich dem westlichen Winkel des obersteierischen Murgebietes an. Die IV. Abtheilung ist dem berühmten steierischen Hause der Fürsten zu Eggenberg, Herzoge zu Krumau, gewidmet.

Wir bemerken, daß der bisher dunkle Ausgang der Nachkommenschaft des ritterlichen Minnesängers Ulrich v. Liechtenstein, soweit dies noch möglich war, vom Verfasser nun aufgeklärt wurde: daß derselbe es war, welcher die Sammlung und Erhaltung der in der Kirche zu Teuffenbach zerklüftet und verstreut der Verkümmerung preisgegebenen Grabdenkmale des gleichnamigen Geschlechtes bewirkte, so daß nun das kleine Kirchlein 17 gut conservierte Grabdenkmale dieser einst mächtigen Familie birgt; daß der der Familie Neuman gewidmete Theil durch die sechsmalige Verehelichung der reichen Erbtochter Anna Neuman mit Cavalieren ausgezeichnetsten Ranges, die interessantesten persönlichen Berührungen erschließt, und daß ähnliche Verhältnisse auch in der dem Fürstenhause Eggenberge gewidmeten ausführlichen Darstellung sich abheben.

Die Grab- und sonstigen Denkmäler der genannten Familien, soweit sich solche noch vorfinden, sind ausführlich beschrieben, die in künstlerischer oder historischer Beziehung beachtenswertheren in gelungenen Abbildungen beigegeben.

5) Wappen des österreichischen Herrscherhauses. Von den Originalmodeln im Besitze der kunsthistorischen Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses abgedruckt und herausgegeben mit Genehmigung Seiner Excellenz des Herrn Grafen Franz Folliot de Crenneville, Feldzeugmeister, Oberstkämmerer Sr. Majestät des Kaisers etc. etc. Eleph. 1. Wien, 1878. 4 Stn. u. 29 Tafeln.

Zu den aus der Vorzeit uns aufbewahrten Schätzen, welche besonderer Beachtung werth sind, gehören auch die Originalstöcke, von denen einstens die uns so sehr erfreuenden Holzschnitte abgedruckt worden sind. Die Zahl dieser Denkmale ist sehr groß und die meisten Kupferstichsammlungen besitzen ansehnliche Vorräthe, die es erlauben, heute wieder neue Auflagen davon zu veranstalten. Daß im Besitze eines Fürstenhauses, wie das österreichische Kaiserhaus, welches während mancher Jahrhunderte in der Förderung jeder Kunst den andern vorangieng, vieles derart vorhanden ist, liegt auf der Hand. Erfreulich ist es aber, daß diese Stöcke auch zur Veranstaltung neuer Auflagen thatsächlich benutzt werden. So sind ja, um etwas zu nennen, die Holzschnitte zum Weißkunig, jene zu Dürers Ehrenpforte erst durch die schon vor manchen Jahrzehnten veranstalteten neuen Abdrücke verbreitet worden. Eine Serie, welche zwar an Bedeutung den genannten nicht vollständig ebenbürtig ist, welche aber durch ihre Darstellung gerade heute ein ganz ungewöhnliches Interesse erregen muß, ist die in dem oben angeführten Werke dem Publikum übergebene, durch deren Veröffentlichung Graf Crenneville zu den vielen Verdiensten um die Kunstpflege ein neues sich erworben hat.

Es fanden sich 34 Stücke, 2 Eckstücke und 4 Leisten in großem Maßstabe, die (die Eckstücke doppelt abgedruckt) einen Rahmen geben, in welchen eine 54 cm. breite, 63,5 cm. hohe Tafel mit rhombischem Ausschnitte paßt, in den wiederum die andern Stöcke mit Wappenfiguren eingesetzt werden können. Im Stile an Jost Ammanns Weise erinnernd, sind die Zeichnungen in energischen Konturen ausgeführt, so daß leicht eine Kolorierung derselben hinzutreten konnte. Es sind auf den 26 rhombischen Tafeln die Wappen von Böhmen, Burgau, Burgund, Castilien, Cilly, Dalmatien, Deutscher Orden, Elsaß, Görz, Granada, Kärnthen, Krain, Kyburg, Mähren, Oesterreich ob der Enns, Oesterreich unter der Enns, Pfyrt, Portenau, Schwaben, Serbien, Sicilien, Slavonien, Steiermark, Tirol, Ungarn und der windischen Mark dargestellt. Diese großen Stöcke sind hier vortrefflich abgedruckt. Es mögen, wie der beigegebene Text aus Dr. Ilg’s sachkundiger Feder sagt, vielleicht ursprünglich deren noch mehrere gewesen sein, da kaum der österreichische Bindenschild und der habsburgische Löwe gefehlt haben dürften. Leider kann uns der Verfasser über die Herkunft nichts melden, als daß sie wol auf Bestellung des Erzherzogs Maximilian III. zwischen 1602 und 1618 gefertigt sind, und wol als Tapetenmodel dienten, dic, auf Leinwand gedruckt, bestimmt waren, etwa den Fries eines Saales zu bilden, während er die Annahme zurückweist, daß sie zur Herstellung von Emblemen auf Fackeln, Lanzenschäften, Katafalken und Tribünen gedient hätten. Uns will es indessen bedünken, als ob zur blos einmaligen Herstellung eines Saalfrieses kaum die Technik des Modeldruckes gewählt worden wäre, daß die Stöcke doch vielleicht in vielen Exemplaren abgedruckt, verwendet werden sollten, so oft man sie brauchte, daß die damit bedruckten Tücher die Brüstungen von Tribünen schmückten, vielleicht auch die Model, auf Seide gedruckt, Fahnen liefern sollten.   A. E.