Tonbestimmung - Tongaarchipel.

weichungen nach der Obertonseite (#-Tonarten) erscheinen als eine Steigerung, als hellere, glänzendere, die nach der Untertonseite (b-Tonarten) als Abspannung, als dunklere, verschleierte; die erstere Wirkung ist eine dur-artige, die letztere eine moll-artige. Dazu kommt die Verschiedenheit der ästhetischen Wirkung der Dur-Tonarten und Moll-Tonarten selbst, welche in der Verschiedenheit der Prinzipien ihrer Konsonanz wurzelt; Dur klingt hell, Moll dunkel. Die Dur-Tonarten mit Kreuzen haben daher einen potenzierten Glanz, wie die Molltonarten mit Been potenziert dunkel sind; eigenartige Mischungen beider Wirkungen sind das Helldunkel der Dur-Tonarten mit Been und die fahle Beleuchtung der Molltonarten mit Kreuzen. Die Wirkung wächst mit der Zahl der Vorzeichen. Geringe Modifikationen erleidet der Charakter der Tonarten durch die größere oder geringere Schwierigkeit, mit der die einzelnen Tonarten von den Instrumenten hervorgebracht werden. Die Tonarten mit viel Vorzeichen klingen am besten beim Klavier; dagegen machen manche Tonarten den Instrumenten mit teilweise gebundener Intonation besondere Schwierigkeiten. Die Posaunen stehen in Es dur, haben daher eine natürliche Abneigung gegen #-Tonarten; umgekehrt stehen Flöte und Oboe in D dur, d. h. sie haben Abneigung gegen B-Tonarten. Auch die Streichinstrumente sind zufolge der Stimmung der leeren Saiten als in G-, resp. D- oder A dur stehend anzusehen, d. h. sie begegnen in den B-Tonarten größern Schwierigkeiten. Die Schwierigkeiten der Applikatur belasten in einer ganz ähnlichen Weise die Vorstellung wie die des Systems der Notenschrift, und Es dur erscheint daher den Posaunisten, D dur den Flötisten, Oboisten und Violinisten als eine besonders einfache Tonart.

Tonbestimmung, die mathematische Bestimmung der Tonhöhenverhältnisse, die Feststellung der relativen Schwingungszahlen oder Saitenlängen, welche den einzelnen musikalischen Intervallen zukommen. Der Schwingungsquotient ist der genaue mathematische Ausdruck des Verwandtschaftsverhältnisses zweier Töne, z. B. der Schwingungsquotient 9:8 für den großen Ganzton c:d; 10:9 für den kleinen Ganzton d:e; 16:15 für den großen Halbton e:f; 25:24 für den kleinen Halbton f:fis; 5:4 für die (reine) große Terz c:e; 6:5 für die kleine Terz c:es; 256:225 für die verminderte Terz dis:f; 64:81 für c:e als vierte Quinte aufgefaßt c (g d a) e (mit Ignorierung der Oktavversetzungen) etc. Eine Tabelle der wichtigsten denkbaren Tonwerte im Umfang einer Oktave, von e ausgehend und nach diesem die akustischen Werte der übrigen Töne bestimmend, findet sich in Riemanns "Musiklexikon" (3. Aufl., Leipz. 1887).

Tonbridge (spr. tönnbriddsch), s. Tunbridge.

Tonbuchstaben, s. Buchstabentonschrift.

Tondern (Tönder), Kreisstadt in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, an der Widaue, Knotenpunkt der Linien Elmshorn-Heide-Ribe der Schleswig-Holsteinischen Marsch- und Tingleff-T. der Preußischen Staatsbahn, hat eine schöne evang. Kirche, ein Schullehrerseminar, ein Amtsgericht, ein Hauptsteueramt, Bierbrauerei, Viehmärkte, Fettviehausfuhr und (1885) 3516 fast nur evang. Einwohner. 1639 fand man bei dem benachbarten Ort Galhus im Schlamm ein großes goldenes, mit Figuren verziertes Horn und 1734 ein zweites. Diese sogen. Tondernschen Hörner, welche 1802 aus der Kunstsammlung zu Kopenhagen entwendet wurden, waren Schau- und Luxusstücke. Die Runenschrift des einen Horns gehörte dem angelsächsischen Alphabet an und war, aus dem 6. Jahrh. stammend, die älteste bekannte.

Tondeur (spr. tongdör), Alexander, Bildhauer, geb. 1829 zu Berlin, besuchte seit 1848 die dortige Akademie und bildete sich dann unter Bläsers Leitung weiter aus. Nachdem er sich von 1852 bis 1854 in Wien aufgehalten, begab er sich auf ein Jahr nach Paris und 1856 nach Rom, wo eine verwundete Venus entstand, die von der Iris zum Olymp getragen wird, worauf eine Marmorgruppe der Mutterliebe folgte. 1858 begann er in Berlin eine ausgedehnte Thätigkeit namentlich in allegorischen und mythologischen Gestalten. Dieser Art sind eine Borussia als Brunnenfigur mit den vier Hauptflüssen Preußens, Frühling, Sommer und Herbst als dekorative weibliche Gewandfiguren, ein Triton in der Muschel und zwei der kolossalen Städtefiguren in der Berliner Börse, die Vasen zum Andenken an den dänischen und an den deutsch-österreichischen Krieg, eine Gruppe: Tag und Nacht, Pan, der eine Wasser schöpfende Nymphe überrascht, von feiner Empfindung und großer Sorgfalt der Ausführung (1867), die beiden Bronzestatuen Bülows und Blüchers am Postament der großen Kölner Reiterstatue Friedrich Wilhelms III. von Bläser, mehrere Büsten und zwei Restaurationen von Reliefs der pergamenischen Gigantomachie (s. Tafel "Bildhauerkunst III", Fig. 8, 9).

Tondruck, s. Lithographie, S. 837.

Tonelada, Schiffslast, Tonne, Stückmaß in Spanien und Spanisch-Amerika, à 20 Quintales = 920,186 kg; die neue Tonelada metrica = 1000 kg; in Portugal und Brasilien für trockne Waren à 54 Arroba, für Flüssigkeiten à 60 Almud; in Brasilien bei Schiffsfrachten s. v. w. englisch Ton; in Argentinien und Uruguay Getreidemaß, = 10,29 hl.

Tonfall, s. Kadenz.