—NB. Die Zeitungen in Schanghai enthalten tägliche Listen über die Fahrzeiten und Bestimmungshäfen aller Dampferlinien, auch für die chinesischen, japanischen, englischen und französischen Flußdampfer auf dem Yangtse und die Küstendampferlinien. Bevor man aber fremde Linien benutzt, erkundige man sich bei deutschen Firmen.
Eisenbahnen: 1) Nach Wusung (S. [246]).—2) Über Sutschou (Soochow) und Tschinkiang (Chinkiang) nach Nanking, durch an Seiden-, Reis-und Baumwollbau reiche Gegend; Schnellzug in 2 St. nach Sutschou, in 7 St. nach Nanking. Fahrgäste der Lloyddampfer nach und von Hankau dürfen die Strecke Schanghai-Nanking oder zurück mit der Bahn fahren.—3) Nach Hangtschou (Hangchow) s. S. [252].
Geld (s. S. [217]) empfiehlt sich nur so viel zu wechseln, wie man am Platze braucht, und zwar bei einer europäischen Bank.—Banken: Deutsch-Asiatische Bank, Bund 14 (Hauptgeschäft, mit Filialen in Berlin, Hamburg, Tsingtau, Calcutta, Hongkong, Tientsin, Peking, Singapore, Tsinanfu, Hankau, Yokohama und Kobe), Korresp. der Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; vermittelt Bankgeschäfte nach allen Plätzen der Erde. Man erbitte dort Auskunft über die Geldverhältnisse.—Hongkong & Shanghai Bank. Corp., Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft.—Chartered Bank of India, Australia & China, Korr. der Deutschen Bank in Berlin. —International Banking Corporation. —Sino Belgian Bank.—Imperial Bank of China.—Nederlandsche Handels Maatschappij.—Yokohama Specie Bank.
Sprache: Chinesisch, vgl. S. [218]; in Gasthöfen und im Handelsverkehr wird überall Englisch, oft auch Deutsch gesprochen.
Theater: Im Winter spielen zuweilen durchreisende europäische Gesellschaften oder Dilettanten (Deutscher Theaterverein sowie je eine englische und französische Gesellschaft) im Theatre Lyceum (nahe dem englischen Konsulat, Soochow Road).—American Cinematograph und Victoria Hall jeden Abend Spezialitätenvorstellung. Symphoniekonzerte der vorzüglichen städtischen Kapelle (deutscher Kapellmeister Prof. Buch) in der Stadthalle, Nanking Road, So. Nm. 41/2-6 Uhr, Eintritt frei, nur im November bis Juni, sehr besucht!—Chinesische Theater in Canton Road, Foochow Road, Hankow Road und am chinesischen Bund. —Teehäuser mit »Singsong Girls« (chinesische Sängerinnen) in der Foochow Road, sehr interessant.
Fremdenführer (nötig) im Gasthof zu erhalten oder am Eingange zur Chinesenstadt (Preis nach Vereinbarung, etwa 50 cents).
Reiseführer: C. Fink, Führer durch Nord-und Mittelchina (sehr zu empfehlen!); The Palace Hotel: Guide to Shanghai.
Konsulate: Deutsches Reich, Generalkonsul Wirkl. Legationsrat von Buri, Konsul Dr. Ney, vier Vizekonsuln, zwei Dolmetscher etc., Whangpoo Road 9 und 10, an der Einmündung des Soochow Creek, gegenüber Astor House. —Österreich-Ungarn, Generalkonsul Dr. Bernauer, Avenue Paul Brunat.
Klubs: Deutscher Klub Concordia (mit Lesezimmer und Bibliothek), am Bund, sehenswert.—Shanghai Club (international), am Bund (Pl. 13). In beiden sind für Mitglieder und eingeführte Herren sehr bequeme, modern eingerichtete Zimmer zum Wohnen zu mieten.—Shanghai Race Club; Masonic Club; Deutscher Gartenklub, Avenue Paul Brunat; englischer Country Club, Bubbling Well Road—alle mit eignen Klubhäusern.
Polizei: Central Police Station, Ecke Foochow Road und Honan Road.
Deutsche Ärzte: Dr. Krieg, Dr. v. Schab, Dr. Kurt Schultze, Dr. Gerngroß, Dr. Birt, sämtlich nahe dem deutschen Generalkonsulat und Astor House, außerdem Dr. Blumenstock, Dr. Liese. Zahnarzt: Dr. Mosberg, Kiukiang Road 2.—Apotheken: Pharmacie de l'Union (Inhaber Voelkel & Schröder, deutsch), Nanking Road 37.—Bubbling Well Dispensary (deutsch), Ecke Nanking Road und Lloyd Road.—Watson & Co.—Medical Hall, Llewellyn Co., Nanking Road 4.—Krankenhäuser: General Hospital, North Soochow Road.—Victoria; Nursing Home.
Buchhandlungen: Max Noeßler & Co., Nanking Road 38, deutsche, auch englische und französische Literatur. —Kelly & Walsh, Bund.—Öffentliche Bibliothek in der Stadthalle, Nanking Road.—Zeitungen: Ostasiatischer Lloyd (Chefredakteur C. Fink, Nanking Road 24a, Sprechzeit 9-12 Vm.), erscheint einmal wöchentlich, mit täglicher Ausgabe europäischer und asiatischer Depeschen. Täglich erscheinen: North China Daily News, Shanghai Times und Echo de Chine morgens. Shanghai Mercury und China Gazette abds.—- Fremde Wochenschriften: North China Herald u. a.; chinesische Zeitung: Hsieh-ho-pao etc.
Photographien: Mactavish & Lehmann, gegenüber Astor House; Burr Photo Co. und mehrere chinesische Firmen, von denen Ying Cheong & Co., Canton Road, als beste gilt (entwickeln Liebhaberaufnahmen).—Denniston & Sullivan (Amerikaner), Nanking Road.
Geschäftsadressen: Optiker, Uhrmacher und Juwelier: C. Ismer & Co. (deutsch); Hirsbrunner & Co., beide Nanking Road.—Schneidergeschäft: Wilck & Mielenhausen, Nanking Road 26.—Reiseausrüstung: Weeks & Co.; Hall & Holtz; Lane, Crawford & Co.; Whiteaway, Laidlow & Co., sämtlich Nanking Road.—Seidenhaus: Laou Kai Fook & Co., Ecke Kiukiang Road und Honan Road 8/9.—Silberwaren: Luen Wo, Nanking Road.—Japanwaren und Kuriositäten: Kuhn & Komor, Nanking Road 2, im Palace Hotel. —Holzschnitzereien: am Broadway. —Rohseide, Pongeen, Spitzen etc.: Industrial Mission Depot (Deutsch gesprochen), Nanking Road 21.—Grasleinensachen: Young La Woo, Broadway A, Nr. 1288.
Zeiteinteilung für Schanghai und für die Yangtsefahrt: Schanghai 2-4 Tage; Hangtschou 3 Tage; Schanghai-Nanking und zurück 2 Tage; Schanghai-Hankau und zurück 12 Tage.
Weltreisende tun gut, von Schanghai zunächst nach Tsingtau zu fahren, von da mit Bahn über Tsinanfu-Tientsin nach Peking, von da mit Bahn nach Hankau, zurück mit Yangtsedampfer bis Nanking, von da mit Bahn nach Schanghai, dann direkt nach Japan.
Geschichtliches. Der Hafen von Schanghai war schon im 10. Jahrh. wichtig und wurde unter den Mandschus 1292 Unterpräfektur (hien). Die Stadtmauern wurden 1522-66 erbaut. Im 17. Jahrh. gründeten die Jesuiten die Niederlassung Zikawei; der Minister Zi Kwangki, Freund des Jesuiten P. Ricci, hatte das Land geschenkt; als er mit Familie zum Christentum übertrat, wurden die Missionare vertrieben, und der Orden erhielt erst durch den Vertrag von Nanking seinen Besitz wieder. Im Opiumkrieg zerstörte die englische Flotte am 16. Juni 1842 die Wusungforts und nahm Schanghai. Durch den Vertrag von Nanking wurde Schanghai dem Fremdhandel geöffnet, und den sich ansiedelnden Engländern, Franzosen und Amerikanern wurde Landgebiet in Erbpacht zugewiesen, wofür dem Kaiser von China jährlicher Zins zu zahlen ist. Während des Taipingaufstandes, der das reiche Hinterland von Schanghai besonders hart betraf und großenteils entvölkerte, wurde die Stadt 1853 und 1861 von den Rebellen bedroht, aber durch englische und französische Truppen geschützt. Die Stadt entwickelte sich schon während des Aufstandes günstig, weil viele reiche chinesische Kaufleute in der Fremdenniederlassung Schutz fanden. Später wurden die 1843 begründete englische und die seit 1848 bestehende amerikanische Niederlassung zu einer Gemeinde (International Settlement) vereint; sie werden von einem Gemeinderat (Municipal council) geleitet, in dem die Engländer die Mehrheit haben, aber auch Deutsche und Amerikaner sitzen. Die seit 1847 bestehende französische Niederlassung (Concession française) bildet eine eigne Gemeinde. Während des Boxerkriegs waren starke englische, deutsche, französische, japanische und russische Truppen zum Schutze der reichen Handelsstadt gelandet.
Schanghai (d. h. »oberhalb des Meeres«), die wichtigste internationale Seehandelsstadt Ostasiens, verdankt ihre Bedeutung der Lage nächst der Mündung des Yangtse, der wichtigsten Wasserstraße Chinas. Da an den flachen Ufern der Mündungsstrecke des Riesenflusses selbst wegen der Schwankung in der Wasserführung des Stromes und des starken Unterschiedes von Ebbe und Flut keine Mündungsstadt entstehen konnte, so ist diese seitwärts 14 Seem. oberhalb der Mündung des Wusung-oder Huangpu-Flusses entstanden. Letzterer dient als einzige Ausmündung sämtlicher Kanäle und Flußläufe des flachen und tiefgelegenen, aber außerordentlich fruchtbaren und dichtbevölkerten Gebietes zwischen dem untersten Yangtse und der Hangtschoubucht, das sowohl nach dem Yangtse wie nach dem Meere zu eingedeicht ist. In den unter chinesischer Verwaltung stehenden Stadtteilen leben etwa 175000 Chinesen. In den beiden Fremdenniederlassungen wohnten 1910 zusammen 548137 Chinesen, ferner 15006 Nichtchinesen, darunter 4779 Briten, 3466 Japaner, 1088 Deutsche, 114 Österreicher und 76 Schweizer. Unmittelbar außerhalb der Fremdenniederlassungen haben sich noch etwa 5000 Japaner angesiedelt. Wirtschaftlich stehen Engländer, Deutsche und Amerikaner den andern Nationen weit voran. Die Stadt verfügt über ein gutbewaffnetes Freiwilligenkorps, eignes Polizeikorps und Feuerwehr. Die Straßen der Fremdenniederlassungen sind gut gepflegt, weitläufig und meist rechtwinklig zueinander angelegt. Am Flusse liegt eine breite Uferstraße, Bund, mit Bäumen und Rasenplätzen, wo die großen Dampferlinien eigne Landungsbrücken haben. An der Stadtseite des Bund erheben sich stattliche Gebäude: das Zollhaus am Eingang in die Hankow Road; ihm gegenüber die Deutsch-Asiatische Bank; nördl. davon der Prachtbau der Russisch-Chinesischen Bank, dann die Chartered Bank und die Yokohama Specie Bank; Ecke der Yinkee Road der Prachtbau des *Deutschen Klubs Concordia, 1906/07 im Renaissancestil erbaut, das schönste Klubhaus in Ostasien. Am Nordende des Bund liegt die Masonic Hall (Freimaurerhalle). Dazwischen südl. vom Zollamt liegen Geschäftshäuser europäischer Großkaufleute, die Hongkong & Shanghai Bank, das Telegraphenamt und der sehr schöne *Neubau des Shanghai Club im Barockstil (Pl. 13). Dahinter sowie nördl. und südl. vom Bund dehnen sich die Stadtteile der Fremdenniederlassungen aus, die sämtlich mit Kanalisierung und elektrischem Licht versehen sind. Die Stadt hat vorzügliche Schulen, darunter die 1911 errichtete deutsche Kaiser-Wilhelm-Schule an der Weihaiwei Road (Vorschule, Realgymnasium, höhere Mädchenschule), eine große englische Bürgerschule, Mittelschulen für Chinesen, eine deutsche Medizinschule (1907 von deutschem Kuratorium gegründet) zur wissenschaftlichen Ausbildung chinesischer Ärzte, große moderne Krankenhäuser für Europäer und Chinesen, unterhält Sportplätze am Beginn der Bubbling Well Road und im Hongkiu Park. Elektrische Straßenbahnen durchziehen die Hauptstraßen. Am Beginn der Bubbling Well Road liegt der Rennplatz, Eigentum des Shanghai Race Club. Im Stadtviertel Hongkiu ist eine deutsche evangelische Kirche. Im französischen Viertel ist die große katholische St. Josephskirche. Schanghai ist Sitz eines katholischen und eines anglikanischen Bischofs, eines englischen Gerichtshofs Supreme Court of China (zur Schlichtung von Streitsachen, in denen Engländer die Beklagten sind) sowie eines amerikanischen Obergerichts, des Statistischen Amts der chinesischen Seezollbehörde sowie einer Abteilung der Royal Asiatic Society.—Die Chinesenstadt liegt südl. vom französischen Viertel, ist mit Mauern umgeben und hat große Vorstädte, in denen am Wasser auch Warenlager (Godowns) europäischer Kaufleute liegen. Der Handelsverkehr ist sehr lebhaft, eingeführt werden Baumwollenstoffe, Opium, Petroleum, Kohlen, Maschinen u. a., ausgeführt besonders Seide, Tee, Borsten, Federn, Hanf, Moschus, Galläpfel, Strohgeflechte, Rhabarber, Wachs, Häute und Talg. Schanghai ist der wichtigste Umschlagsplatz für alle Erzeugnisse Chinas, weil es durch den Yangtsestrom mit vielen wichtigen Provinzen gute Verkehrsverbindung hat.
Rundfahrt (mit Rikscha, Wagen oder Straßenbahn). Im Internationalen Viertel ist der Bund die besuchteste Promenade; mehrere Denkmäler stehen im nördl. Teil, eins für Sir Harry Parkes vor der Nanking Road, dann das *Iltisdenkmal (zum Andenken an die Besatzung des am 23. Juli 1896 vor Kap Schantung gestrandeten deutschen Kanonenboots) und in dem kleinen Park (Public Garden) am Nordende des Bund ein englisches Kriegerdenkmal (The ever victorious army) sowie ein Standbild von Margary; dort im Sommer Nm. oder abds. dreimal wöchentl. zuweilen Musik der 50 Mann starken Stadtkapelle (deutscher Kapellmeister, Prof. Buch).—Hauptgeschäftsstraße ist die Nanking Road mit sehenswerten Markthallen, in deren Verlängerung, Bubbling Well Road, der Rennplatz nebst andern Sportplätzen sowie eine Gartenwirtschaft (St. George's Farm) und ein europäischer Friedhof liegen.—Das Villenviertel im W. der Stadt ist neuerdings weit ausgebaut, eine Spazierfahrt durch die hübschen Alleen ist wegen des internationalen Treibens sehr interessant. —Im frühern Amerikanischen Viertel ist Broadway die Geschäftsstraße, an deren Ende Seide-und Baumwollwebereien liegen. Ein Teil von Hongkiu ist Villenviertel.—In das Französische Viertel gelangt man vom Südende des Bund auf einer Brücke über den Yangkingpang-Kanal, die Fortsetzung des Bund nach S. bildet der Quai de Wampoo, an dem dicht bei der Brücke ein Wettersignalturm steht, der die Wetterberichte und wichtigen Taifunwarnungen des vorzüglichen meteorologischen Observatoriums der Jesuiten im benachbarten Zikawei veröffentlicht; die Wetterkarten für das ostasiatische Gebiet hängen dort (täglich erneut) aus; außerdem Zeitball (Pl. 14) sowie Wetter-und Sturmwarnungssignale. Die ersten Gebäude am Quai de Wampoo sind die Banque de l'Indochine, das Geschäftshaus der deutschen Firma Melchers & Co. (Agenten des Nordd. Lloyd etc.), das Gebäude der Messageries Maritimes, das französische Konsulat und das Gebäude der französischen »Mission étrangère«. Dann gelangt man zum Quai de France, wo viele Lagerhäuser (Godowns) liegen. Hauptstraße der »Concession Française« ist die Rue du Consulat, in der das Rathaus (Hôtel de la Municipalité) mit dem Denkmal des Admirals Protet und das Hôtel des Colonies liegen. Durch die Rue du Consulat und die Avenue Paul Brunat führt die elektrische Straßenbahn nach Zikawei. Durch die neuen Stadtteile der Französischen Niederlassung führen elegante Villenstraßen, so die 11 km lange Avenue Paul Brunat, an der auch der Deutsche Gartenklub liegt. Zahlreiche Straßen vermitteln den Verkehr zwischen der Französischen und der Internationalen Niederlassung.—Die Chinesenstadt grenzt dicht an das Französische Viertel, ist mit Mauern umgeben und hat so enge (schmutzige) Straßen, daß man sie nur zu Fuß oder mit Sänfte besuchen kann (im Sommer wegen der übeln Ausdünstungen nicht zu empfehlen). Einige Tempel sind sehenswert, besonders die Kungfutsze-Pagode und der Tempel der Stadtgötter, in dessen Nähe das auf einem Teich erbaute alte Teehaus Husingting nebst Mandarinenklub steht; Marktplatz und Werkstätten, wo Schnitzereien hergestellt werden, besuche man im Vorbeigehen. Man nehme einen Führer, da es sehr schwierig ist, sich in den engen Gassen zurechtzufinden. Wenn man Kanton gesehen hat, kann man sich den Besuch der Chinesenstadt von Schanghai ersparen.