Ausflüge: 1) Nach *Zikawei, einer großartigen Niederlassung der Jesuiten, 8 km östl. von Schanghai, mit elektrischer Bahn (einsteigen bei Melchers & Co.), Einspänner ($ 3) oder Rikscha auf ebener Straße; auf den Feldern vor der Stadt viele Gräber. Man fährt dann in einen Park und durch steinernen Torbogen in den Klostergarten mit Säulenhalle. Die große Anlage von Zikawei besteht aus vielen Gebäuden, darunter das Gebäude des Bischofs von Kiangnan, ein Seminar, Jesuitenkollegium, große Bibliothek, Museum und Wetterwarte, Waisenhaus für Chinesenmädchen mit Klosterschwesternschule (sehenswert; 1000 Personen im Kloster, 35 Nonnen; Stickereien, Klöppeleien werden gefertigt und billig verkauft), Kapelle und Karmeliterkloster, ein Waisenhaus für Chinesenknaben mit Druckerei, Maler-und Bildhauerschule; die hier zum Verkauf gestellten Schnitzereien sind sehr begehrt und preiswert. In der Wetterwarte (zum Besuch ist Erlaubnis vorher einzuholen) wirken die Jesuitenväter, insbesondere der berühmte Meteorolog P. Froc zum Besten der gesamten Schiffahrt in den ostasiatischen Gewässern; ihre Taifunwarnungen, die mit auf den Beobachtungen der Observatorien von Hongkong, Manila und neuerdings Tsingtau beruhen, sind wohl die sichersten Wettervorhersagen, die überhaupt irgendwo gemacht werden. Daher hat jeder Ostasienreisende alle Ursache, diese Tätigkeit zu bewundern und den gelehrten Vätern zu danken für die Fürsorge, die jedem Weltreisenden zugute kommt, da alle Schiffe sich nach den Sturmwarnungen von Zikawei richten. Hauptklimadaten für Zikawei nach 34jährigen Beobachtungen: Mitteltemperatur des Jahres 15°, des Januar 3,1°, des Juli 26,9°. Mittlere Jahresextreme 37,2° und-7,4°. Jährliche Niederschlagshöhe 1118 mm. Die Jesuitensternwarte in Zose liegt 20 km von Zikawei auf einem 100 m hohen Hügel. Vom Turm der Wetterwarte in Zikawei hat man gute Aussicht über die Umgegend.—Auf dem Weg nach Zikawei kommt man am Lihungtschang-Tempel vorbei, in dessen Garten ein Bronzedenkmal für den chinesischen Staatsmann Lihungtschang (in Europa angefertigt) steht. In der Nähe von Zikawei (Spaziergang 1/2 St. durch saubere Dörfer) liegt hinter einem dreistöckigen Torbau mit Drachenbildern die siebenstöckige Pagode Lischuangta in Longhua nahe dem Wusungufer (vom obersten Stock *Aussicht über die Flußebene; Besteigung aber zurzeit unmöglich, da die Treppen zerfallen sind). Von dort Rückfahrt mit Wagen (den man vorher hinbestellen muß) am Kiangnin-Arsenal vorbei (Besuchserlaubnis vorher einholen!). Diese Fahrt sowie der Gang von Zikawei nach Longhua sind sehr lohnend zur Zeit der Pfirsichblüte.
2) Hangtschou, tägl. mit der Bahn, Mittagsschnellzug (Speisewagen) ab Schanghai in 6 St.; oder mit Dampfbarkassen, hübsche Fahrt an malerischen Ortschaften vorbei und unter gewölbten Brücken hindurch, über den Vertragshafen Sutschou (einst eine Millionenstadt, aber in der Taipingrevolution schrecklich verwüstet) oder direkt nach Kiahsing, von da auf dem Kaiserkanal nach Hangtschou, Hauptstadt der Provinz Tschekiang, mit etwa 350000 Einw., dem Fremdhandel seit 1896 geöffnet.


Englisches Konsulat. Große Seidenwebereien und Werkstätten für kostbare Goldstickereien. Die Stadt hat 10 Tore und 35 Li (= 20 km) Umfang. Seit 1650 besteht in der NW.-Ecke der Stadt ein befestigtes Mandschuviertel. Mitten in der Stadt der Stadthügel (City Hill) mit Tempeln und schöner Rundsicht. In der Nähe liegt der große, von Bergen eingerahmte Sihu (Westsee) mit Trümmern prächtiger Bauwerke; am See auf einem Hügel liegt die alte Pagode Paoschuta, auf dem See die Insel Kuschan mit Kiosken, Tempeln und Palast. (Marco Polo hat die ganze Anlage als eine der prächtigsten in China seinerzeit beschrieben.) Viele Tempel und Klöster sind in der Umgebung des Sees, darunter die sogen. Hinduklöster. Als der Mönch Odoric im 13. Jahrh. Hangtschou besuchte, wurden hier am Fuße des Berges zahlreiche Affen mit Menschengesichtern von den Priestern gefüttert, die die Seelen edler Menschen sein sollten.— Andre berühmte Tempelanlagen liegen im nahen Tienmuschan (»Gebirge der Himmelsaugen«).
3) *Flutbrandung (Bore) des Tsientangkiang, bei Voll-und Neumond, am sehenswertesten zur Tag- und Nachtgleiche (21. März, 23.-24. Sept.), eine großartige Naturerscheinung, die man am besten von der Pagode bei Haining beobachtet; man gelangt dahin von Hangtschou mit der Bahn bis Lining, von da auf bequemen Wegen mit Rikscha nach (20 km) Haining, am l. Ufer des Tsientangkiang, etwa 45 km unterhalb Hangtschou; dort besteige man die Pagode. Bei Haining tritt die Flutbrandung zwar fast mit jeder Flut ein, erreicht aber nur zur Springzeit (Voll-und Neumond) große Höhe und Geschwindigkeit; dann bildet sie eine 3-8 m hohe, steile Kaskade schäumenden Wassers in gerader, 2 km langer Linie quer über den Fluß; die gewaltige Wassermasse nähert sich mit Dampfergeschwindigkeit unter starkem Rauschen. Man beachte, daß das Phänomen zur Tag-und Nachtgleiche in Haining schon einige Stunden vor Voll-und Neumond eintritt.
4) Saddle Islands, eine malerische Gruppe von 25 Felseninseln und zahlreichen Klippen, ist die nördlichste Gruppe des großen Tschusan-Archipels, der beim Nimrodsund (S. [244]) beginnt und der großen Bai von Hangtschou vorgelagert ist; die größten Inseln sind North Saddle, South Saddle, East Saddle, die wie auch viele kleinere von fleißigen Fischern bewohnt sind. Bäume wachsen nur an einigen geschützten Stellen, sonst sieht man nur Gestrüpp zwischen den Felsen. Während der Fischzeit (April, Mai, Juni) beleben Tausende von Fischerdschunken aus Ningpo und Wentschou und unzählige Sampans die Inselgewässer. Gefangen wird besonders Tintenfisch in riesiger Menge; der Fang wird ausgeweidet und auf den Klippen in der Sonne getrocknet, aber nur bis Mitte Juni, dann ist der durch dieses Verfahren erzeugte Gestank vorbei.
North Saddle wird jetzt als Seebad und Sommerfrische besucht; Dampfer laufen in 7-8 St. von Schanghai dahin (Entfernung 84 Seem.). Der höchste Gipfel (238 m) von North Saddle ist bequem zu besteigen und gewährt prächtige *Aussicht über die Inselgruppe. Drei gute Buchten ermöglichen, in ruhigem Wasser mit Sampan zu landen; sehr malerisch ist die Südostbucht. Auf dem Nordende steht ein Leuchtturm (europäische Wärter). Die Insel bietet Erholungsbedürftigen beste Gelegenheit zum Seebaden, Fischen, Segeln, Klippenklettern. Der Bau eines Sanatoriums auf North Saddle ist geplant.—Wegen Dampfergelegenheit, Unterkunft und Verpflegung erkundige man sich in Schanghai beim Coast Inspector des Kaiserl. Chinesischen Seezollamts.
5) Sutschou (Soochow), an der Bahnlinie Schanghai-Nanking und am Kaiserkanal, Hauptstadt der Provinz Kiangsu, seit 1896 dem Fremdhandel geöffnet, mit 500000 Einw. (vor der Taipingrevolution 1 Mill.) und lebhaftem Seidenhandel. Von Sutschou Gelegenheit mit Boot und Sänfte zu Ausflügen in die Hügel der Umgebung; gerühmt werden die Hügel Fan-fen-san mit den Gräbern der Fan-Familie, der Goldhügel, der Tien-bing-san, der Ling-gan-san (südl. vom Fan-fen-san) mit berühmter alter Pagode und Ruinen alter Paläste der Könige Wu und Yueh;


ferner der Schang-fang-san (der Flutfluchthügel, wo das Volk des Königs Wu sich bei Überschwemmung gerettet haben soll), der berühmte Hung Schan, alle mit zahlreichen altchinesischen Bauwerken. Man benutze dabei die Karte »Country round Soochow«, von Thomas Ferguson, in Schanghai zu haben, und lese vorher »History of Soochow« von Dr. A. P. Parker (Schanghai).

Auf dem Yangtsekiang von Schanghai nach Hankau und Itschang.