13. Von Schanghai nach Tsingtau, Tientsin und Peking.

Vgl. die Karten S. [215] und [275].

Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie »Admiral v. Tirpitz« und »Staatssekretär Kraetke« jeden So. ab Schanghai über (390 Seem.) Tsingtau und (550 Seem.) Dairen nach (690 Seem.) Tientsin, Fahrzeit 4 Tage; Rückfahrt von Tientsin jeden Sa. oder So.—Ferner Dampfer »Gouverneur Jaeschke« und »Sikiang« jeden Mi. von Schanghai über Tsingtau und (500 Seem.) Tschifu nach Tientsin, Fahrzeit 5 Tage; Rückfahrt von Tientsin jeden Mi. oder Do. Im Winter (Dezember-März) ist der Hafen von Tientsin durch Eis geschlossen, dann laufen die Dampfer nach Dairen oder Tschinwangtao (von da mit Bahn nach Tientsin). Fahrpreise: von Schanghai nach Tsingtau I. Kl. $ 33, II. 20, hin und zurück $ 50 und 30; nach Tschifu I. 35, II. 20, hin und zurück 55 und 33; nach Dairen I. 45, II. 27,50, hin und zurück 67,50 und 41,25; nach Tientsin I. Kl. $ 60, II. 33, hin und zurück $ 90 und 50. (Der Wert des mexikanischen Dollars schwankt nach dem Silberkurs, z. B. Anfang 1903 = 1,66 M., Anfang 1907 = 2,40 M., zurzeit 2,35 M.).


Eisenbahn von Tsingtau nach Peking s. S. [271]; der Landweg ist besonders im Winter zu empfehlen, wenn die Schiffahrt nach Tientsin durch Eis gesperrt ist.

Fahrt von Schanghai nach Wusung S. [246]; die Yangtsemündung wird durch das nördl. Fahrwasser verlassen, das nahe an der 60 m hohen Insel Schaweischan (mit Leuchtturm) vorbeiführt. Die niedrige Küste kommt bald aus Sicht, das Wasser bleibt aber gelb gefärbt, solange der Kurs die seichten Bänke nördl. vom Yangtse kreuzt. Nach etwa 30 St. taucht das Lauschangebirge (S. [270]) auf, dessen Ost-und Südseite fast unmittelbar aus dem Meere bis 700 m ansteigt; die Hauptkette hat über 1000 m Höhe, der höchste Punkt, der Lauting, 1130 m. Die Küste in der Umgebung der Kiautschoubucht ist kahl, ebenso sehen die vorgelagerten Inseln Tschalientau (Leuchtturm mit starkem Blitzfeuer) und Taikungtau aus. Später erkennt man die Einfahrt in die Kiautschoubucht zwischen dem Kap Jaeschke an der Südseite, hinter dem sich ein 166 m hoher Hügel erhebt, und der niedrigen Halbinsel Yunuisan an der Nordseite unmittelbar vor der felsigen Halbinsel, auf der die Stadt Tsingtau (S. [267]) liegt, deren stattliche europäische Häuser aus großer Entfernung zu erkennen sind.

Kiautschou. Das am 14. November 1897 besetzte, der Verwaltung des Reichsmarineamts (Gouverneur: Kapitän z. S. Meyer-Waldeck) unterstellte deutsche Schutzgebiet umfaßt die große Kiautschoubucht bis zur Hochwassergrenze, die darin liegenden Inseln Yintau und Huangtau und die den Eingang zur Bucht bildenden Halbinseln sowie einige kleinere Inselchen; das ganze landfeste Gebiet ist nur etwa 550 qkm groß (Staat Hamburg 415 qkm). Eine 50 km breite »neutrale Zone« umgibt es. Der wichtigste Teil des Schutzgebietes ist die nördl. Halbinsel, nahe deren Spitze die Stadt Tsingtau angelegt worden ist. Die Kiautschoubucht selbst ist zwar groß u. vor Stürmen ziemlich geschützt, aber kein guter Naturhafen, da sie großenteils ganz flach ist; nur der Eingang und die diesem naheliegenden Teile sind tiefer, der Handelshafen ist auf der Innenseite der Tsingtau-Halbinsel durch Errichtung eines großen halbkreisförmigen Steindammes und Molen künstlich geschaffen. Tsingtau ist in erster Linie der politische Stützpunkt Deutschlands in Ostasien; doch hat es auch alle Aussicht, ein wichtiger Handelshafen zu werden, obgleich ihm die Wasserwege nach dem Binnenlande, die Hongkong bez. Kanton und Schanghai groß gemacht haben, fehlen; dieser Mangel wird aber zum Teil durch die Schantungeisenbahn ersetzt, die für den Zugang zum nördl. Teil der Großen Ebene eine breite, hinter der Kiautschoubucht sich öffnende Senke im Gebirgslande von Schantung benutzen konnte, und durch die Eisfreiheit des Hafens ausgeglichen. Das schon obenerwähnte, für nordchinesische Verhältnisse angenehme Sommerklima hat Tsingtau rasch zu einem beliebten Seebad für die Europäer ganz Chinas werden lassen.
In den wenigen Jahren, die seit der deutschen Besitzergreifung verflossen sind, ist unter den Gouverneuren Rosendahl, Jaeschke und Truppel an Stelle des armseligen, verseuchten Fischerdörfchens Tsingtau eine gesunde, mit allen modernen Einrichtungen versehene Europäerstadt mit zahlreichen öffentlichen Gebäuden und neben ihr, in der Nähe des Hafens, das Chinesenviertel Tapautau emporgewachsen. Die kahlen Berghöhen der Umgebung beginnen unter der Pflege der deutschen Forstverwaltung sich zu begrünen, und ein reger »Bergverein« sorgt für die touristische Erschließung des Lauschan mit dem Mecklenburghaus (S. [270]).— Vgl. Gg. Wegener, Das Kiautschougebiet (in Hans Meyer, Das Deutsche Kolonialreich, Band II).