Zweigbahn in 31/2 St. nach (74 w) Mescheninowka, wo man aussteigt, weil der Stadt Tomsk näher als der Bahnhof (82 w) von Tomsk.
Tomsk (148 m; Hôtel Rossija, empfohlen; Hôtel de l'Europe; Iswoschtschik bis 75 Kop.; Post und Tel.; Potschtamskaja; Russisch-Asiat. Bank), Hauptstadt des Deutschland an Größe gleichkommenden Gouvernements Tomsk mit ca. 100000 Einw., am r. Steilufer des Tom, die einzige Universitätsstadt Sibiriens (etwa 600 Studenten), mit tüchtigen, vielfach in Deutschland ausgebildeten Lehrkräften, verschiedenen Museen, technologischem Institut und andern modernen Fachschulen; Bischofssitz mit 20 russ. Kirchen. Die Stadt ist mit amerikanischer Regelmäßigkeit gebaut, hat einige große Geschäftshäuser (darunter mehrere deutsche), jedoch großenteils dorfartiges Aussehen. Lebhafter Flußverkehr. Im nahen Kolywanschen Erzgebirge am Ob, 368 m ü. M., ein Steinschleifwerk für Porphyr, Jaspis, Marmor.

Von Tajga (s. oben) weiter durch mit Urwald (russisch»Tajgá«) bedecktes kohlenreiches (aber noch nicht ausgebeutetes) Hügelland über (3745 w) Mariinsk (Bahnwirtschaft) nach (3933 w) Atschinsk (Bahnwirtschaft), Stadt mit 7000 Einw., die nördlichste von der Sibirischen Eisenbahn erreichte Stelle (in der Breitenlage des mittlern Jütlands), am Tschulym und an der Poststraße, die südl. nach (330 w) Minussinsk (Gasthof; Mittelpunkt des Getreidegebiets und Minenbezirks des südl. Gouvernements Jenisseisk) führt.

Das Hügelland geht in Gebirgsland, die Ausläufer des Sajanischen Gebirges, über, die Fahrt wird malerischer. Die niedrige (ca. 315 m hohe) Wasserscheide zwischen Ob und Jenissei überschreitet man erst ganz kurz vor letzterm Fluß bei der Station Katscha und erreicht bald darauf

(4100 w) Kraßnojarsk (d. h.»Rote Klippe«; 160 m; Bahnwirtschaft; Hôtel Rossija; Métropole, Familienhotel, Deutsch gesprochen; Iswoschtschik zur Stadt 40 Kop.; Internationales Telegraphenamt für Telegramme in europäischer (nicht russischer) Sprache; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt des Gouvernements Jenisseisk am l., rotgefärbten Steilufer des Jenissei mit 30500 Einw., technische Eisenbahnschule, Stadtpark mit Wirtschaft, Museum; lutherische Kirche. Wichtiger Flußhafen für die Dampferfahrt auf dem Jenissei. Die Stadt (halbwegs zwischen Moskau und Wladiwostok) war früher großenteils mit Verbrechern besiedelt. In der Datsche Tarakanowka hat der Besitzer Judin eine Bibliothek von 100000 Bänden, insbesondere Literatur über Sibirien.

Der Jenissei, mit 4750 km Länge der größte Strom Sibiriens, entsteht in der nordwestlichen Mongolei und fließt als Ulukhem nw. zur russischen Grenze, wo er, das Sajanische Gebirge in Katarakten und Stromschnellen durchbrechend, sich nordwärts zum Eismeer wendet. Bei Kraßnojarsk ist der Jenissei durchschnittlich vom Mai bis Mitte November eisfrei. Schiffbar ist der fischreiche Strom, und mit Barken, Segelschiffen und Dampfern bis zur Mündung befahren, von Minussinsk an auf 2966 km. Die bedeutendsten Städte am Jenissei sind: Minussinsk, Kraßnojarsk, Turuchansk u. Dudinsk; der nördlichste dauernd bewohnte Ort ist Krestowsk, r. an der Mündung.

Von Kraßnojarsk führt eine prächtige, 925 m lange Brücke mit sechs Bogen über den Jenissei und dann durch moskitoreiche Gegend über (4327 w) Kansk (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 8000 Einw. und Goldwäschereien, am Kan, und über diesen Fluß auf 255 m langer Brücke nach (4353 w) Ilanskaja (Bahnwirtschaft) und (4434 w) Kljutschinskaja (388 m), dann über die goldführende Birjussa nach (4633 w) Nishne-Udinsk (413 m; Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 6000 Einw., mitten in den Ausläufern des Sajanischen Gebirges, an der Uda.—Nun steigt die Bahn durch fruchtbares Land, von fleißigen buddhistischen Burjäten bevölkert, nach (4743 w) Tulun (498 m; Bahnwirtschaft), dem höchsten Punkte der Strecke Tscheljabinsk-Irkutsk. —Hinter (4873 w) Sima auf 468 m langer Brücke über die Oka und dann durch schwarzgrünen Tannenwald mit *Ausblick r. nach S. auf die schneebedeckten Berge des Sajanischen Gebirges (Grenzgebirge zwischen Sibirien und der Mongolei), über (5012 w) Polowina (538 m; Bahnwirtschaft; Kohlengebiet) ins Tal der Angara, des Ausflusses des Baikalsees, und talauf, vorbei am (r.) Wosneßenskij-Mönchskloster (1672 gegründet), nach

(5108 w) Irkutsk (445 m; Bahnwirtschaft; Grand Hôtel [Agentur der Internationalen Schlafwagengesellschaft]; Métropole; Iswoschtschik zur Stadt 75 Kop.; Internationales Telegraphenamt für Telegramme in europäischer [nicht russischer] Sprache; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements, unter 52° 17' nördl. Br. (etwas südlicher als Berlin), am l. Ufer der Angara, in die hier der Irkut mündet, mit 84000 Einw. Irkutsk hat sehr rauhes Klima (bei einem Sommer wie Paris steigt die Winterkälte nicht selten bis-37°, das Jahresmittel beträgt nur-0,4°), breite Straßen, 23 griechisch-katholische (darunter schöne Kathedrale der Mutter Gottes von Kasan), eine römisch-katholische und eine deutsch-lutherische Kirche, Gymnasium, 3 höhere Mädchenschulen, 2 Technische Schulen, 1 Seminar, 2 Militärschulen, Theater, 5 Zeitungen, Arbeits-und Findelhaus, Stadtkrankenhaus (mit deutschem Leiter, Dr. v. Bergmann) und bedeutenden Handel zwischen Ostasien und Rußland. Im Dezember Messe. Irkutsk, das eine Sektion der Russischen Geographischen Gesellschaft mit vielen Sammlungen besitzt, gilt als geistiger Mittelpunkt Sibiriens.—Der Ort wurde 1652 als Handelsposten durch Kosaken begründet, wuchs schnell, hat aber, seit die Verschiffungen von chinesischem Tee nach baltischen Häfen zunahmen, an Bedeutung verloren. Durch eine Feuersbrunst wurde Irkutsk 1879 fast zerstört, ist aber schöner wieder aufgebaut.—Die Stadt gilt als sehr unsicher. Vom Bahnhof hat man den besten Überblick über die Stadt, zu der eine große Schwimmbrücke führt.

In Irkutsk beginnt die Transbaikalbahn, daher Wagenwechsel (die Strecke Irkutsk-Mandschuria ist von der Russisch-chinesischen Bahngesellschaft an die Schlafwagengesellschaft für die Expreßzüge verpachtet; auf dieser Strecke sollen häufig alte schmutzige Wagen laufen, auch Verspätungen um mehr als 6 St. bis Wladiwostok nicht selten sein.) Die Bahn bleibt jenseit Irkutsk am r. Ufer der aus dem Baikalsee kommenden Angara und erreicht bei (5170 w) Baikal den Baikalsee.

Der Baikalsee (russ. Swjátoje More, mongol. Dalai Nor, »heiliges Meer«), der drittgrößte Binnen-und größte Gebirgssee Asiens, 476 m ü. M., 623 km lang, 15-82 km breit, hat 34180 (Sachsen u. Württemberg zusammen 34507) qkm Fläche. Der langgestreckte, durchschnittlich 250 m tiefe See besteht aus zwei Becken, deren südlichstes bis 1430 m tief ist, so daß der Grund des Sees bis gegen 1000 m unter den Meeresspiegel hinabreicht. Der Baikalsee ist durch Einbruch entstanden; er wird von schroffen, 1400 m hohen Felswänden umrahmt, im W. vom Baikalgebirge, im O. vom 1800 m hohen Bauntigebirge, die in vielen Vorgebirgen in den See vorspringen. Von den in den See mündenden Flüssen verläßt die schiffbare untere Angara den See am SW.-Ufer wieder. Das Wasser des Sees hat im Juli in 4 m Tiefe eine Temperatur von 5°. An Fischen ist der See sehr reich, namentlich an Herbstlachsen (Salmo omul), die durch Jenissei und Angara aus dem Eismeer heraufkommen, und von denen jährlich etwa 500000 Stück gefangen werden (daher der tatarische Name Baikul, d. h. Reicher See). Von größern Wassertieren findet man eine Seehundsart (Callocephalus), deren Auftreten, 1000 km von der nächsten Meeresküste entfernt, sehr merkwürdig, aber auch heute noch nicht endgültig geklärt ist. Man neigt zu der Annahme, daß der See, der auch sonst eine sehr eigenartige Fauna beherbergt, mit dem heutigen Eismeer nicht in früherer Verbindung gestanden hat, sondern daß die Seehunde den Lachsen bis hier herauf nachgegangen sind. Der tektonische Ursprung des Sees bekundet sich durch häufige Erdbeben, so 1861 u. 1862. Die Schiffahrt wird durch heftige Winde gefährdet, doch verkehren Dampfer während der achtmonatigen eisfreien Zeit; der lebhafteste Verkehr findet aber im Winter auf der 1-1,5 m starken Eisdecke statt.

Während früher die Reisenden mit Fährdampfern (im Winter mit Schlitten) nach Myssowaja am Südufer des Sees übergesetzt wurden, führt seit 1906 die Baikalgürtelbahn um das felsige Südufer des Sees; sie ist mit großen Schwierigkeiten und sehr hohen Kosten hergestellt; allein auf der 85 km langen Strecke vom Bahnhof Baikal bis nach Kultuk sind 32 Tunnel von zusammen 6 km Länge und 210 Kunstbauten (Brücken, Durchlässe, Überführungen) errichtet. Man fährt von Baikal über (5359 w) Tanchoi (auf allen Bahnhöfen besonders dieser Strecke hüte man sich vor Diebstählen!) nach (5413 w) Myssowaja (477 m), auch Myssowsk genannt; die Bahn bleibt noch bis (5458 w) Possolskaja in der Nähe des Baikalsees und steigt dann im Tale der Selenga nach (5567 w) Werchne-Udinsk (544 m; Bahnwirtschaft; Gasthof), Kreisstadt mit 8000 Einw., mit großer Garnison und wichtiger Teemesse.