Von hier führt die alte Poststraße (nebst Telegraph) im Selengatal weiter aufwärts nach Troizkossawsk und (185 w) Kjachta (732 m), russische Grenzstadt und von 1689-1860 einziger russischer Grenzhandelsplatz, über den der Karawanentee aus der nur 200 m südlicheren chinesischen Grenzstadt Maimatschin geführt wurde. Die Poststraße, jetzt wenig benutzt, führt weiter über Urga (1290 m) durch die Wüste Gobi und über Kalgan (S. [296]) nach Peking. Eine Bahn längs der Poststraße nach Kalgan ist geplant.
In romantischer Landschaft steigt die Bahn nun im Tale der Uda, dann südöstl. abbiegend weiter bis (5701 w) Petrowski sawod (803 m; Bahnwirtschaft), vorbei an Mongolen-und Burjätendörfern, dann im malerischen Tale des Chilok zu den sanftsteigenden Höhen des Jablonoi oder Apfelgebirges über (5840 w) Chilok (805 m; Bahnwirtschaft) und durchläuft hinter (5993 w) Sochondo (944 m) einen Tunnel, der am Westende die Inschrift: »Zum Atlantischen Ozean«, am Ostende: »Zum Großen Ozean« trägt, da der Bergkamm die Wasserscheide bildet zwischen dem Nördlichen Eismeer und dem Stillen Ozean (Jenissei und Amur). Nun senkt sich die Bahn über (6016 w) Jablonowaja (846 m; Bahnwirtschaft) durch das enge Ingodatal nach
(6086 w) Tschita (656 m; Bahnwirtschaft; Hôtel Métropole; Iswoschtschik zur Stadt 50 Kop.; Russisch-Asiatische Bank), 1851 gegründete Hauptstadt Transbaikaliens mit 55500 Einw., Maschinenwerkstätten und *Museum; die hübsche Umgebung erinnert an Heidelberg. —Dann fährt man über den Fluß Tschita auf 160 m langer Brücke und im Ingodatal abwärts über (6142 w) Makkawejewo (Bahnwirtschaft) nach (6180 w) Karimskaja (605m; Bahnwirtschaft), Bahnknotenpunkt.
Amurfahrt Strjetensk-Chabarowsk (2116 w). Von Karimskaja führt eine ältere Bahnlinie im Ingoda-und Schilkatal abwärts über (183 w) Nertschinsk (Bahnwirtschaft), das jetzt bedeutungslose, früher aber durch seine Blei-und Silberbergwerke berühmte, als Sträflingsort berüchtigte Städtchen, nach (266 w) Strjetensk (Bahnwirtschaft; Gasthof Dalnij Wostok; Mikulitsch, beide nahe der Dampferlandestelle; Iswoschtschik 1 Rub.; Banken: Sibirische Bank; Russisch-Asiatische Bank), Stadt mit 10000 Einw., am l. Ufer der Schilka. Von Strjetensk laufen Postdampfer auf der untern Schilka und dem Amur von Mai bis September alle 5 Tage in 6 Tagen bis Blagowjeschtschensk (Grand Hôtel; Banken: Kunst & Albers; Sibirische Bank; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt der Provinz Amur mit 57500 Einw., am l. Ufer des Amur an der Sejamündung; von dort mit größern, bequemen Dampfern in 5 Tagen bis Chabarowsk (S. [333]). Die Fahrt stromauf von Chabarowsk bis Strjetensk dauert etwa 12-13 Tage und ist nicht zu empfehlen. Der Amur entsteht aus dem Zusammenfluß der Schilka mit dem Argun beim Fort Ustj Strjelka; er bildet streckenweise die Grenze gegen China und mündet nach 4480 km langem Lauf unterhalb Nikolajewsk, gegenüber dem Nordende der Insel Sachalin. Geplant ist der Bau einer Amurbahn von Strjetensk nach Chabarowsk.
Die Transbaikalbahn führt von Karimskaja über einen 885 m hohen Bergrücken nach (6229 w) Burjatskaja (Bahnwirtschaft), dann durch gewelltes, ödes Steppenland, den Nordzipfel der Mongolei, von Kosaken und Burjäten bewohnt, über (6274 w) Aga (Bahnwirtschaft) und an einem buddhistischen Burjätenkloster vorbei über (6319 w) Olowjannaja (Bahnwirtschaft) und (6412 w) Borsa und über die russisch-chinesische Grenze nach
(6532 w) Mandschuria (Mandschuli; 650 m; Bahnwirtschaft; Gasthof Zentralnaja, nahe dem Bahnhof), chinesischer Grenzstadt mit 12000 Einw. (in der Mehrzahl Russen); hier bei der Hinfahrt chinesische, bei der Rückfahrt russische Zolldurchsicht.—Mandschuria ist der Anfang der in russischen Händen befindlichen Ostchinesischen Bahn (Chinese Eastern Railway), deren Gebiet die Mandschurei bis zur russischen Grenzstation Pogranitschnaja (S. [320]), ferner die südliche Linie von Charbin bis Changchun (S. [324]) mit Zweigbahn nach Kirin umfaßt und deren Bahnhöfe gegen die häufigen Angriffe der Chunchusen-(chinesischen Räuber-) Banden von russischen Soldaten bewacht werden und zum Teil befestigt sind. Von hier an wird nach Charbiner Zeit gerechnet, die 6 St. 24 Min. vor gegen Petersburger und 7 St. 25 Min. vor gegen M.E.Z. ist. Die Bahn führt durch gleichmäßiges Steppenland (man sieht Pferdeherden, Kamelkarawanen) über (6708 w) Chailar (Hailar; Bahnwirtschaft) und (6785 w) Jakschi, Wachtposten, allmählich das Chingangebirge, den Grenzwall zwischen der Mongolei und der Mandschurei, hinan; bei (6872 w) Irekte (875 m) wird noch eine Lokomotive vorgespannt wegen der nun starken Steigung, durch enge Täler nach (6881 w) Chingan; 4 w weiter führt ein 3 km langer Tunnel, 961 m ü. M., durch den höchsten Gebirgskamm unter dem 1060 m hohen Dschedynpaß; dann geht es steil abwärts nach (6904 w) Buchedu (Pu-ha-to; 673 m; Bahnwirtschaft), im Tale des Jali. Bevor man die Steppe wieder erreicht, noch malerische Ausblicke auf die Berge bei Barim. Dann durch größere Dörfer bei Tschalantun über (7049 w) Nin-zy-schan (264 m) und über den Nonni nach (7155 w) Stat. Zizikar (Tsitsihar oder Buchoi; Bahnwirtschaft; Gasthof) selbst, die Hauptstadt der chinesischen Außenprovinz Holungkiang, mit 80000 Einw., liegt 25 w nördl. am Nonni und ist durch Kleinbahn mit der Station verbunden. [Hier soll das chinesisch-amerikanische Bahnprojekt von Aigun (vom r. Amurufer nahe Blagowjeschtschensk in der Mandschurei) nach Kintschou (S. [318], an der Bahnlinie Mukden-Tientsin) von N. nach S. die Mandschurei durchschneiden.]—Dann durch wildreiche, fast unbewohnte Steppe mit unbedeutenden Haltestellen, aber vor Charbin durch gut bebautes Land und schließlich auf 948 m langer Brücke mit 8 Bogen über den mächtigen, von zahlreichen Dampfern belebten (auf 1180 km Länge schiffbaren) Súngari nach
(7408 w) Charbin (Harbin; 152 m; gute Bahnwirtschaft; Grand Hôtel; Métropol Hôtel; Orient Hôtel, sämtlich in der Neustadt, die beiden ersten nahe dem Bahnhof; Hôtel Sibir; Hôtel de Commerce, in der Geschäftsstadt, Verpflegung überall gut, Unterkunft mäßig; Bankgeschäft von Kunst & Albers; Russisch-Asiatische Bank [Korrespondent der Deutschen Bank]; Agentur der Internationalen Schlafwagengesellschaft: im Grand Hôtel; Direktion der [russischen] Ostchinesischen Bahn [Präsident General Horváth], Zweigbureau der Südmandschurischen Bahn; chinesischer Zollkommissar [Watson]; deutscher Konsul: L. Heintze; Handelshäuser: Kunst & Albers; Tschurin & Co.; Samsonowitsch & Agéjeff; Kommissionsgeschäft: Comptoir belge d'importation et d'éxportation; Spediteur A. G. Roubinraut), internationale Handelsstadt in der chinesischen Mandschurei, am r. Ufer des Sungari, 1896 gegründet als Eisenbahnknotenpunkt, früher ein Dorf, jetzt eine Stadt von über 50000 Einw. (buntgemischte Bevölkerung, in der die Russen und Chinesen überwiegen). Die Stadtverwaltung liegt in den Händen der Ostchinesischen Bahn. Die vollkommen russischen Charakter tragende Stadt zerfällt in drei Teile: die Altstadt, sö. vom Bahnhof, die erste Niederlassung aus Lehmhäusern für den Bahnbau, wozu einige Handelshäuser und eine kleine Kirche kamen. Die moderne Neustadt (Nowoje Charbina), westl. vom Bahnhof, auf einer vor dem Fluß geschützten Hochfläche, noch in der Entwickelung; für die Eisenbahnverwaltung, P u. T, Hospitäler, Beamtenwohnungen, Gasthöfe etc. bestimmt. Die Straßen und die sanitären Verhältnisse sind noch sehr schlecht. In der Hafenstadt (Pristan) hinter der Eisenbahnbrücke am Fluß sind Fabriken und Werkstätten für die Eisenbahn, kaufmännische Niederlassungen, der Sitz der Polizei etc.; hier herrscht das meiste Leben. Östl. vom Pristan liegt das durch den Pestausbruch 1910 berüchtigte Chinesenviertel Fudsjadjan (Fudatien). Haupthandel und Ausfuhr in Ölbohnen. Im russisch-japanischen Krieg war Charbin Hauptstützpunkt der russischen Armee.—Dampfer verkehren auf dem Sungari von Charbin talwärts bis Chabarowsk (S. [323]) und bergwärts bis Kirin (S. [324]).
Von Charbin nach Wladiwostok.
Vgl. die Karte bei S. [301].