Der sibirische Luxuszug (S. [302]) führt vom Hauptbahnhof (smaragdgrün in einer Art von Sezessionsstil) in Charbin-Neustadt östl. über (9 w) Hst. Alt-Charbin durch weite Strecken gut (vor allem mit Rüben) bebauten Ackerlandes über (58 w) Aschichö, mit Zuckerfabrik, dann an einem Marmorbruch vorbei, durch Sumpfstellen mit mannshohem Wollgras und durch von Fasanen bevölkerte Gehölze nach (153 w) Imjampo, beliebtem Sommeraufenthalt mit Datschen (Landhäusern), guter Brauerei und Jagdgelegenheit auf Hochwild, weiter über den Gebirgszug Tschangkwanhai nach (255 w) Chandaochezy (Bahnwirtschaft), Ort mit 10000 Einw.; dann auf 300 m langer Brücke über den Mutankiang (nicht weit südl. die chinesische Handelsstadt Ninguta mit etwa 20000 Einw.; T) und nun ansteigend in schroffen Tälern des in der Nähe der Bahn schon großenteils entwaldeten ostmandschurischen Mittelgebirges durch drei Tunnel bis 640 m ü. M., dann wieder hinab nach (402 w) Mulin (Bahnwirtschaft). Die Landschaft wird immer schöner, bis man, die Mandschurei verlassend, den russischen Grenzort (512 w) Pogranitschnaja (460 m; Bahnwirtschaft; russische Zollbesichtigung), Endpunkt der Ostchinesischen und Anfang der Ussuribahn, erreicht; letztere führt durch sechs Tunnel abwärts über die Grenzfestung (538 w) Grodekowo in grüner Ebene nach (628 w) Ketrizewo (Bahnwirtschaft), Knotenpunkt, wo l. die Bahn nach Chabarowsk abzweigt; in 2 w Abstand sieht man die Kuppeln der Kathedrale von Nikolsk-Ussuriisk (Gasthof Koslow; Russisch-Asiatische, Sibirische Handelsbank; Warenhaus von Kunst & Albers), Kreisstadt mit 23000 Einw. und stärkster Garnison des Amurgebiets, in sehr fruchtbarer Gegend, mit guter Jagd auf Wildschweine, Maralhirsche etc. Dann steigt die Bahn im Felsental des Suifun in dichtbewaldete Höhenzüge; an einer scharfen Biegung erster *Blick auf die Amurbucht; l. hinter Nadeschdinskaja liegen Kohlenbergwerke; dann führt die Bahn am Strande der Amurbucht entlang, l. an den Datschen (Landhäusern) der reichen Wladiwostoker vorbei und durch die Chinesenstadt zu dem ganz nahe dem Hafenkai gelegenen Hauptbahnhof von
(730 w) Wladiwostok (Bahnwirtschaft), am Japanischen Meer. Der Bahnhof trägt die Aufschrift: »Von St. Petersburg bis Wladiwostok 9876 Werst« (Entfernung von Moskau 8137 w).
Ankunft zur See. Die Postdampfer steuern die Insel Askold mit rotem Leuchtturm an, laufen dann auf den weißen Leuchtturm der Insel Skrypleff zu und steuern durch den Östlichen Bosporus zwischen Kasakewitsch (Russeninsel) und dem Murawiew-Vorgebirge hindurch, biegen dann r. in eine der Kieler Förde sehr ähnliche, durch viele Küstenbefestigungen geschützte Bucht, in deren innerstem, nach O. gekrümmtem Teil, dem Goldenen Horn, der gegen Wind und Seegang geschützte Hafen von Wladiwostok liegt. An seiner Westseite ist nahe am Bahnhof ein Kai mit Liegeplätzen für etwa acht Dampfer. Die Postdampfer der Freiwilligen Flotte haben eignen Kai. Dampfer, die keinen Platz am Kai bekommen, ankern nahe vor der Stadt, Ausschiffung der Reisenden erfolgt dann mit Booten an bequemen Landungsbrücken.
Gasthöfe: Hotel d'Allemagne (Deutsches Hotel), Mitte der Stadt, Ecke der Kitaiskaja-und Pekinskaja-Straße, modern eingerichtet, Pens. 8-9 Rubel, gelobt.—Grand Hôtel, am Bahnhof.— Goldenes Horn, Aleutskaja 45.—Zentralnaja, Swetlanskaja.—Restaurants: Deutsches Restaurant Müller, Swetlanskaja, gelobt.—Unterberger; Goldenes Horn; Swetlanka, sämtlich Swetlanskaja. —Cafés: Kokin.—Jegorow, Swetlanskaja.
Post u. Tel. an der Swetlanskaja. Telegraphenkabel nach Nagasaki.— Wagen: Iswoschtschik vom Bahnhof zur Stadt 25 Kop. (Gepäck 20 Kop.), einzelne Fahrt 25 Kop., in die Vorstadt 50 Kop.; stündl. 80 Kop. Nachts doppelte Taxe.—Eisenbahn über Charbin nach Europa (S. [309]): Expreßzüge: Mi. ab Wladiwostok der Transsibirien-Expreß in 91/2 Tagen bis Moskau, mit Anschluß an den Nordexpreß (S. [302]) Moskau-Berlin (Fahrzeit 37 St.); außerdem So. ab Wladiwostok ein Zug bis Irkutsk (Wagenwechsel) mit Anschluß nach Moskau und ein Zug Fr. ab Wladiwostok wie vorher, doch mit Anschluß nach St. Petersburg; sämtlich Züge der Internationalen Schlafwagengesellschaft; nach Chabarowsk, S. [323]; nach Dairen, S. [323]; nach Peking, S. [328].—Dampfer: Hamburg-Amerika Linie über Hongkong monatlich (Agentur: Kunst & Albers);— Nippon Yusen Kaisha nach Nagasaki, Korea, Port Arthur und Schanghai wöchentlich;—Russische Freiwillige Flotte Do. und Sa. in 2 Tagen nach Tsuruga (Japan);—Sa. über Nagasaki (2 Tage) nach Schanghai in 4 Tagen;— Osaka Shosen Kaisha Di. in 2 Tagen nach Tsuruga (Reichskursbuch 705).
Plan von Wladiwostok.
Banken: Kunst & Albers, Swetlanskaja, Korresp. der Deutschen Bank.— Russisch-Asiatische Bank, Aleutskaja, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.—Theater: 3 russische und 3 chinesische; Singspielhalle im »Goldenen Horn« u. a.—Agent der Internationalen Schlafwagengesellschaft: Marcerou & Schreter, Swetlanskaja 60. —Konsulate: Deutsches Reich, Swetlanskaja, Konsul Dr. Stobbe.—Deutscher Gesangverein (es leben viele Deutsche in angesehenen Stellungen in Wladiwostok).—Polizeiamt: Pekinskaja. —Zollamt: Swetlanskaja.— Städtisches Krankenhaus.—Warenhaus großen Stils von Kunst & Albers, liefert jegliche Reiseausrüstung u. a.