Wladiwostok (»Beherrscherin des Ostens«, früher Port May) wurde 1860 gegründet, war 1868-1901 Freihafen und hat 90162 Einw. (davon über ein Drittel Chinesen, Japaner und Koreaner). Die Stadt liegt auf 43° 7' nördl. Br. (etwas südlicher als Florenz) auf der Halbinsel zwischen der Ussuribucht und der Amurbucht in malerischer Landschaft, deren natürliche Bergumwallung sehr stark befestigt ist (1500 Geschütze, die auf 80 km verteilt sind), da die Stadt der einzige gute Seehafen und Flottenstützpunkt Rußlands in Ostasien ist, denn überall weiter nördl. bis zur entlegenen Amurmündung ist die Küste durch das mauerähnliche Sichotaalingebirge vom Binnenlande völlig abgeschlossen und fast hafenlos. Nur hier am Südende der russischen Küstenprovinz ist der Küstengebirgsbogen unterbrochen und öffnet sich das Land mit einer buchtenreichen Küste (Riasküste) frei zum Meer. Leider ist der Hafen von Wladiwostok 4 Monate durch Eis gesperrt; als Kriegs-und Handelshafen ist er gut ausgerüstet. Längs der Nordküste des Goldenen Horns zieht sich die Hauptstraße Swetlanskaja; die Häuser sind meist aus Stein, nur zum Teil noch aus Holz gebaut. Die Neubauten zeigen modernern Renaissancestil, z. B. das Admiralitätsgebäude, der Palast des Gouverneurs, das Geschäftshaus von Kunst & Albers und das reichhaltige Museum (Di. Fr. So. 10-4 Uhr geöffnet). An der Südseite der Swetlanskaja liegt in hübschem Garten das Haus des Chefs der Marinestation, weiter östl. der Marineklub, mit Bootslandungsbrücken am Hafen. In der Hauptstraße die Uspenskij-Kathedrale. Das Institut für Ostasiatische Sprachen liegt an der Puschkinskaja; ebenda die deutsch-lutherische Kirche. Bei den Landungsbrücken am Hafen steht das Denkmal des Admirals Newelskoi, der die Amurmündung am 13. Aug. 1850 auf eigne Faust besetzte, mit der Inschrift: »Wo die russische Flagge weht, da soll sie nie wieder sinken« (Ausspruch des Zaren Nikolaus I.). Gegenüber dem Warenhaus der in ganz Ostasien bekannten deutschen Firma Kunst & Albers an der Swetlanskaja liegt ein schönes Wohnhaus für den Leiter des Geschäfts, mit großem Speisezimmer für die Angestellten des Geschäfts, mit Billards etc. In der Marinevorstadt das Marinehospital, daneben die großen Trockendocks und Werftanlagen der Marine.—Die Gewerbtätigkeit beschränkt sich auf Holzschneidemühlen, Ziegeleien, Maschinenwerkstätten, Brauereien. Der deutsche Einfuhrhandel ist sehr beträchtlich, es verkehren mehr deutsche als englische Schiffe im Hafen; ausgeführt werden Felle, Sauerkraut, Seekohl, Bauholz, Salzfische, Lebertran.—Das Goldene Horn ist etwa von Mitte Dezember bis Mitte April zugefroren, doch halten Eisbrecher eine Fahrrinne frei; aber außerhalb des Hafens behindern dann oft große Treibeismassen die Schiffahrt. Die Witterung entspricht etwa der von St. Petersburg, trotzdem Wladiwostok auf etwa derselben geographischen Breite wie Florenz liegt; Luftwärme im Januar-15° C, im Jahresmittel 4,3° C; im Sommer kommen etwa +30° C, im Winter etwa-30° C vor.—Rundgang. Man fahre durch die Swetlanskaja und besteige dann die steile Anhöhe oberhalb des Observatoriums, von wo prächtiger *Fernblick über das Goldene Horn, Stadt und Hafen; man sieht bis zur Insel Askold, die im SO. auftaucht. Dann besuche man den Wochenmarkt an der Amurbucht, am Westende der Swetlanskaja, und mache mit kleinem Hafendampfer eine Hafenrundfahrt (zweimal tägl., Fahrzeit etwa 21/2 St.), die bis zur Insel Kasakewitsch führt; auch lohnt eine Fahrt mit Dampfer oder Segelboot bei gutem Wetter nach der Insel Askold, wo die sibirischen Maralhirsche gehegt und gefüttert werden und Goldbergwerke im Betrieb sind.—Die Umgegend bietet Gelegenheit zu Fahrten in die landschaftlich sehr schönen Berge und Wälder; vor der Stadt ist eine gemütliche deutsche Brauerei.

Von Wladiwostok nach Chabarowsk führt die Ussuribahn in etwa 16 St. über (102 w) Ketrizewo (S. [320]), von da nö. im Tale des Suifun, dann durch Steppenland und auf 255 m langer Brücke über den Ussuri nach (340 w) Murawjew-Amurskij (Bahnwirtschaft). Hinter der 255 m langen Imanbrücke bei (387 w) Iman (Bahnwirtschaft) tritt die Bahn in schöner Hügellandschaft dicht an die Grenze der Mandschurei und läuft im Tale des Ussuri r. über (498 w) Bikin (Bahnwirtschaft) durch Wald und über viele Brücken nach
(716 w) Chabarowsk (96 m; Bahnwirtschaft; Gasthöfe: Deutsches Hotel und Restaurant von Peter Moller, empfohlen; Hotel Chabarowsk; Rossija; Iswoschtschik zur Stadt 60 Kop.; Banken: Kunst & Albers; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt der Seeprovinz des russischen Amurgebiets, mit 25000 Einw. (1/4 Chinesen), am r. Steilufer des Amur, noch 800 km oberhalb seiner Mündung, zum Teil auf Felsterrassen erbaut. Nahe dem Palais des Generalgouverneurs liegt das *Museum der Russischen Geographischen Gesellschaft (Do. So. 12-4 Uhr); nahebei im Stadtgarten das Standbild des Grafen Murawjew-Amurskij. Die Stadt hat Kadettenschule, Eisenbahnschule und treibt wichtigen Pelzhandel (besonders Zobelfelle). Warenhaus: Kunst & Albers.
Postdampfer von Chabarowsk Mitte Mai bis Anfang Oktober (andre Dampfer unregelmäßig): a) in 4 Tagen auf dem Amur abwärts nach (940 w) Nikolajewsk (Gasthof; Warenhaus: Kunst & Albers), Seehafenstadt mit 8000 Einw., nahe der Mündung des Amur in den Amurgolf; b) auf dem Amur aufwärts über Blagowjeschtschensk nach Strjetensk, vgl. S. [317].

Von Charbin nach Dairen.

Vgl. die Karten bei S. [215] u. S. [271].

Von Charbin zweigt eine Linie der Ostchinesischen Bahn nach S. ab (von den Russen bis Port Arthur, S. [327], gebaut, jetzt nur bis Changchun noch russisch; die Südstrecke ist im Frieden von Portsmouth 1905 an Japan abgetreten und bildet jetzt das Hauptstück der Südmandschurischen Bahn. Von den sibirischen Expreßzügen (S. [316]) wird ein Wagen in Charbin abgezweigt und läuft durch bis Changchun; Durchreisende können in diesem Wagen in Charbin übernachten. Fahrzeit Charbin-Changchun 9 St., Changchun-Mukden 61/2 St., Mukden-Dairen 8 St. Über diese Strecke geht zurzeit der Hauptpersonenverkehr zwischen Europa und China (besonders nach Peking, Hankau, Schanghai, Tsingtau etc.), aber auch ein großer Teil des Verkehrs nach Japan (besonders nach Nagasaki). Über direkte Fahrkarten vgl. S. [302].

Vom Charbin-Hauptbahnhof (S. [318]) führt die Bahn durch fruchtbares Land mit Weizen-, Kartoffel-, Raps-und Maisfeldern; zahlreiche Wachttürme schützen die Bahnstrecke; bei (115 w) Dalatschao führt eine 735 m lange Brücke über den Sungari.—(152 w) Jaomönn (Bahnwirtschaft). Nahe hinter der russischen Grenzstation Kwangtschöngtse mit russischer Garnison erreicht man (222 w) Changchun (Tschangtschun; Yamato Hotel, komfortabel, Pens. 9-12 Yen, gegenüber Bahnhof, mit Büfett;—Yokohama Specie Bank;Russisch-Asiatische Bank), Knotenpunkt der Ostchinesischen, Südmandschurischen und Kirin-Changchun-Bahn. Von Charbin kommend hier umsteigen in den bereitstehenden Expreßzug der Südmandschurischen Bahn (I. Kl. vorzügliche Pullman-Wagen, II. Kl. entspricht der III. Kl. in europäischen Zügen). Zeitwechsel, südmandschurische Zeit ist 23 Min. später als Charbinzeit (S. [318]). Die alte Stadt mit 130000 Einw., 6 w südl. vom Bahnhof, mit lebhaftem Vieh-und Bohnenhandel. Changchun hat chinesische Garnison; die neue, von den Japanern am Bahnhof angelegte Stadt in europäischem Stil entwickelt sich schnell und hat japanische Garnison. [Zweigbahn östl. nach (120 w) Kirin, wichtigster Handelsstadt der Mandschurei für Holz, Bohnen, Tabak, mit 100000 Einw., von Mauern umgeben, am Sungari.]

Hinter Changchun treten l. die Vorberge der Ostmandschurischen Gebirge an die Bahn; bei (39 M = Miles von Changchun) Gungchuling steigt die Bahn bis 209 m ü. M., senkt sich aber wieder bei (145 M) Tiahling, Handelsstadt mit 50000 Einw., am Liauho, und erreicht

(189 M) Mukden (chines. Fengtien), alte Hauptstadt des frühern mandschurischen Reiches (mit etwa 175000 Einw.) und daher Stammsitz der bisher in China herrschenden Mandschudynastie, deren erste Kaiser hier noch zeitweise residierten.

Gasthöfe: Astor House Hotel, in der innern Stadt, deutsche Leitung, 10 Z., recht gelobt, gute Küche, Pens. $ 8.—Yamato Hotel, japanische Leitung, im japanischen Stationsgebäude, Pens. 9-12 Yen.
Wagen: Droschken, Rikschas, chinesische Karren.—Pferdebahn bis zur innern Mauer.
Eisenbahnen: Südmandschurische Bahn (japanisch) nach Changchun (und mit der Ostchinesischen Bahn weiter nach Charbin), nach Dairen und nach Antung (von wo weiter nach Söul, Fusan); Nordchinesische Bahn (chinesisch) nach Tientsin und Peking. Japanischer wie chinesischer Bahnhof liegen 5 km westl. von der Stadt entfernt.
Bank: Yokohama Specie Bank (Korrespondent der Deutschen Bank) in der innern Stadt.
Deutsches Konsulat, Konsul Dr. Heintges, Dolmetscher Dr. Siebert.