Mukden ist Sitz des Generalgouverneurs (Vizekönigsj der Mandschurei, der zugleich Gouverneur der Provinz Fengtien ist, und eines Bannergeneralleutnants. Starke Garnison moderner Truppen. Rings um Mukden fanden Ende Februar und Anfang März 1905 die blutigen Kämpfe statt, in denen die Russen durch die Japaner zum Rückzuge nach dem Norden gezwungen wurden. Die äußere Stadt ist von einem 18 km langen Lehmwall, die innere von einer starken Mauer, mit je 8 Toren, umgeben. In der Nähe des japanischen Bahnhofs eine der vier Eckpagoden der Stadt von indischem Charakter, —Die größte Sehenswürdigkeit ist der *Kaiserpalast; er liegt in der innern Stadt, in der Nähe des Astor House Hotels. Der letzte Kaiser, der ihn zeitweilig noch bewohnt hat, war Chienlung (1736-96). Der Palast ist in den Jahren 1907-09 wieder vollständig neu aufgebaut worden. Im Thronsaal steht noch der alte, in Holz geschnitzte Thron. In einem besondern Gebäude wird die Chronik des kaiserlichen Hauses aufbewahrt, die aber unzugänglich ist; gezeigt werden einzelne Stücke aus dem kaiserlichen Schatz: Gewänder, Helme, Waffen des Kaisers Chienlung, Stickereien, Gemälde, Porzellane, Nephritsachen u. a., ferner in einer besondern Abteilung eine große Menge Porzellan des kaiserlichen Haushalts. Einlaßpässe sind durch die Konsulate zu besorgen. Östlich schließt sich an den Palast ein Pavillon, in dem die Kaiser Audienz erteilten, mit den zugehörigen Gebäuden an.

Ausflüge: Nach dem nördlichen Kaisergrab Peiling, etwa 6 km nördl. der Stadt, mit Droschke oder Rikscha, Einlaßpässe durch die Konsulate. Das Grab liegt in einem Walde, der hinter der Anlage schöne Nadelholz- und Eichenbestände hat. Durch die ziemlich verfallene äußere Tierallee zu dem meist verschlossenen Südtor, das mit seinen lebhaften Farben in der grünen Umgebung sehr malerisch wirkt. Man fährt nach l. um die Umfassungsmauer herum zum Westeingang, durch den man den von Strandkiefern gebildeten düstern *Grabhain betritt, in die innere, mit Platten belegte Tierallee, die an dem Südtor (s. oben) beginnt und von steinernen Säulen und Tierfiguren, Himmelshunden, Pferden, Kamelen und Elefanten, eingefaßt wird. Den Abschluß der Allee bildet ein Gebäude mit schöner Kassettendecke, das eine riesige, aus einem Kalkmarmorblock gehauene Schildkröte enthält, die auf ihrem Rücken einen zweiten Monolithen trägt,in den die Lebensgeschichte des hier ruhenden Kaisers Taitsung (gest. 1643), des Vaters des ersten chinesischen Kaisers aus der Mandschudynastie, in Mandschurisch, Mongolisch und Chinesisch eingehauen ist. —Durch ein von einem turmartigen Aufbau gekröntes Tor in den innern Hof, der von einer hohen, breiten Steinmauer mit Ecktürmen umgeben ist. Die Dächer sämtlicher Gebäude sind aus den gelben Ziegeln kaiserlicher Bauten hergestellt. R. und l. auf dem innern Hof einige Gebäude für Mitglieder des kaiserlichen Hauses. In der Mitte auf erhöhter Terrasse, zu der eine Drachentreppe führt, die Ahnenhalle mit den Tafeln Taitsungs und seiner Familie.
Dahinter vor dem Eingang zum eigentlichen Grabe steht die sogen. Geistermauer mit aus Stein gefertigtem Opfergeräten; dann durch einen Gang durch die Mauer des innern Hofes zu dem vermauerten Eingang des Grabhügels. Man steigt nun auf die Mauer und gelangt zu einer Halle mit kassettierter Decke, die einen Stein mit dem Namen Taitsungs in den oben erwähnten drei Sprachen enthält.— Nach N. hat man den mit einem Rundgang versehenen Grabhügel vor sich; er ist von einem verkrüppelten Baum gekrönt, der eine alte Familienlegende des kaiserlichen Hauses versinnbildlicht; im Hintergrund eine künstliche, mit Bäumen bepflanzte Erdhügelkette, die den Einfluß der bösen Geister des Nordens abhalten soll.—Auf der Mauer geht man dann zum Eingang des innern Hofes zurück.
Das Ostgrab Tungling in der Nähe des Dorfes Tungling ist von Mukden etwa 18 km entfernt und nur sehr beschwerlich zu Pferde oder mit chinesischer Karre zu erreichen. Die Anlage ist ähnlich wie die des »Peiling«, nur wirkt die ganze Umgebung malerischer durch die Lage auf natürlichen Hügeln und durch die Nähe des Hunho (Fluß). Begraben ist dort der Vater Taitsungs, Tientsung (gest. 1636).

Die Südmandschurische Bahn führt dicht hinter Mukden auf 736 m langer Brücke über den Hunho, Nebenfluß des Liauho nach (199 M) Suchiatun [von hier Zweigbahn über Chienchinchai nach (34 M) Fushun am Hunho, wo die großen Kohlengruben der Südmandschurischen Bahn mit modernen Einrichtungen bis zu 5000 t täglich Kohlen fördern; 1/4 St. vom Bahnhof, jenseit des Hunho, liegt die alte Stadt Fushun]. Weiterhin über den Shaho, an dessen l. Ufer (205 M von Changchun) Shaho, kleine, aus dem japanisch-russischen Krieg bekannte Stadt. [Von hier Ausflug zu Fuß ostwärts 3 St. am Shaho entlang zum Besuch der Schlachtfelder vorbei am Nowgorod-und Putilow-Hügel bis an den Fuß des Taschan (Turm-oder Pagodenberg genannt), dort fahre man von Station der Kleinbahn Mukden-Antung nach Mukden zurück.] Die Bahn führt weiter über (216 M) Yentai, dessen Kohlengruben, 10 km vom Ort, von der Bahngesellschaft ausgebeutet werden, nach (230 M) Liaoyang (Bahnwirtschaft), ältester Stadt der Mandschurei mit 55000 Einw. und schönem *Lama-Turm, erbaut im 3. Jahrh. n. Chr.; 1372 wurde die Stadt mit Mauern umgeben; berühmte Branntweinbrennerei (Samschu); Hauptquartier der japanischen Bahntruppen. In der Schlacht bei Liaoyang, 30. Aug. bis 4. Sept. 1905, führte Kuropatkin seinen berühmten Rückzug aus.— Weiter über Haicheng nach (256 M) Tangkangtzu (Stadt mit heißen Quellen; Gold Spring Hotel).

Ausflug (sehr lohnend) von Tangkangtzu etwa 16 km östl. von der Bahn zum Kloster *Chienshan (Tschienschan) mit etwa 60 sehr alten buddhistischen Tempeln auf felsigen Hügeln in sehr malerischer Landschaft; besonders sehenswert ist die Tempelanlage der Drachenquelle (Lungtschuankuan) und der Tempel der Mildtätigkeit (Wuliangkuan), beide mitten in Waldeseinsamkeit. Schon der Kaiser Taisung (627-649) der Tang-Dynastie soll die Naturschönheit des Tschienschan bewundert haben.

Weiter nach (288 M) Tashihchiao (Daschitschau; Bahnwirtschaft). Hier Zweigbahn r. nach (131/2 M) Yingkou (S. [328]), nur bis ans l. Ufer des Liao, dort übersetzen (bei Eisgang im Winter zuweilen unmöglich) zum Anschluß an die Nordchinesische Bahn.

Die Bahn führt über (306 M) Kaiping (Kaitschou), Stadt mit wichtigem Handel in Puppen der wilden Seidenraupe und Seide, tritt nahe an die Küste des Liaotunggolfs und läuft am Westabhang der Gebirge der Liaotunghalbinsel entlang über (326 M) Hsiungyuehcheng (ganz guter japanischer Gasthof; heiße Quellen im Flußbett des Hsiungyueh), weiter, die Halbinsel schräg durchquerend, über (359 M) Teliszu (Niederlage des Generals Stackelberg 15. Juni 1904 gegen General Oku) und (371 M) Wafangtien (Bahnwirtschaft), zur unbedeutenden Hafenbucht (388 M) Pulantien (früher Port Adams) am Liaotunggolf, Grenzort des japanischen Südwestzipfels der Liaotunghalbinsel. —(414 M) Chinchou (Kintschou) an der gleichnamigen Bucht am Liaotunggolf, wo 26. Mai 1904 die erste Schlacht stattfand, die Port Arthur vom russischen Heer abschnitt, und weiter über den Isthmus, der zur Kwangtunghalbinsel führt, an der Bucht von Talienwan über (429 m) Choushuitzu, Zweigbahn nach Port Arthur (S. [327]), nach

(436 M) Dairen (früher Dalny), wichtigem japanischen Handelshafen auf 38° 56' nördl. Br. (wie Kalabrien), an der großen Bucht Talienwan (Dairenwan) der Koreabai, mit etwa 60000 Einw. (die Hälfte Chinesen). Der Platz ist wichtig als Endpunkt der Südmandschurischen Bahn und für den Postdampferverkehr nach China und Japan im unmittelbaren Anschluß an die Expreßzüge der Sibirischen Bahn. Vgl. beifolgenden [Plan].