Saal reiht sich an Saal, Zimmer an Zimmer, überall Goldmalerei, überall vergoldete Beschläge, denen meistens noch die drei Asarumblätter, das Wappen der Tokugawa-Shōgune, eingraviert sind. Die Decken sind alle kassettiert und aus dem dunkeln schönen Holze der Kryptomerien gefügt.« Die Gemälde stammen meist von Kanō Tan-yū und seinen Schülern. Der 1. Palast ist der größte, neben dem obern Saal ist ein Jungpinienzimmer und ein Lotoszimmer.—Im 2. Palast bilden große Pinien und wilde Tiere den Schmuck.—Im 3. Palast ist die Empfangshalle Ohiroma, wo auf dem toko (erhöhtem Fußboden) der Shōgun die Daimyō empfing. Die Ramma der Halle ist hervorragend. Daneben liegt das Sagopalmenzimmer. —Der 4. Palast ist der prächtigste; in der erhöhten »Schwarzen Halle«, Kuroshoin, fanden große Empfänge statt.—Der 5. Palast am Nordende war die Wohnung des Shōguns. Hauptraum ist die »Weiße Halle«, Shiroshoin, mit Landschaften von Kanō Sadanobu; daneben liegen vier ähnliche Zimmer, in deren einem das berühmte Bild »die schlafenden Finken« ist.—Der prächtige Garten hat schöne Kaskaden.—Der Hauptwachtturm Hommaru liegt westl. von der Mauer Ninomaru: in seiner Nähe ist der Palast der Prinzessin Katsura-no-miya. Vgl. die Angaben über Japanische Kunst, S. [340].

Man fahre nun südl. zur Anlage des Tempels Honkokuji (AB 5), der als Hauptsitz der Hokke-oder Nichirensekte im 14. Jahrh. von Kamakura hierher verlegt wurde; in der Haupthalle ein Schrein mit dem heiligen Kanon der Sekte, von ihrem Gründer Nichiren geschrieben, auf dem Altar Buddha und andre Götter; im Tempelpark der Schrein des tapfern Kriegshelden Katō Kiyomasa, daneben die Gräber seiner Frau und seiner Tochter. Im Kloster am Nordende die uralte Bibliothek Kyōzō mit sämtlichen heiligen Schriften des Buddhismus (Issaikyō). Hauptschatz des Tempels ist ein mythologisches Bild, Mandara, mit Mandarinenten (oshidori), dessen Brokatfassung von einem Kleid der berühmten chinesischen Favoritin Yōki Hi stammen soll.—Südl. gegenüber liegt der prachtvolle Doppeltempel *Nishi-Hongwanji (d. h. Westlicher H.) (AB 5), der, 1272 von der Tochter des Stifters Shinran-Shōnin der Shin-oder Montosekte erbaut, einen Stadtteil mit schönen Anlagen für sich bildet; die Haupthalle Hondō enthält im Hauptschrein ein Bild des Buddha Amida, daneben Inschriften mit den Namen des Kaisers und seines kaiserlichen Vaters. In der Tempelhalle Daishidō, 1645 erbaut, ist ein Bild des Kenshin-Daishi (diesen Titel erhielt Shinran-Shōnin nach seinem Tode), daneben hängen die Bilder aller Erbäbte des Tempels. In der großen Halle (mit 300 Matten) Ohiroma hält der Abt (jetzt Graf Otani) Empfänge. Die einflußreiche Shinsekte strebt vor allem den Zusammenschluß aller Buddhisten in China, der Mongolei und Tibet, Hinterindien etc. unter japanischer Führung an und entfaltet zu diesem Zweck eine umfangreiche Missionstätigkeit. Sehenswert ist der Naturpark Tekisui-en in der SO.-Ecke der Tempelanlage; über ihrem Teich erhebt sich der dreistöckige »Pavillon der treibenden Wolken«Hiunkaku mit schönem Bild des Berges Fuji im Oberstock.—Östl. liegt die Tempelanlage *Higashi-Hong-wanji (B 5), deren Riesenbauten mit geschweiften Doppeldächern schon bei der Ankunft am Bahnhof auffallen; die Haupthalle ist der größte Tempel Japans, 64 m lang, 58 m breit und 38 m hoch und ruht auf 96 mächtigen Holzsäulen von 0,5 m Durchmesser. Die innere Halle, Sakunai (d. h. »innerhalb der Absteckung«), ist nur für die Priester und Betende hohen Ranges, das Volk muß außerhalb des Geländers, im Gwaijin, bleiben. Im innersten Allerheiligsten, Naijin, ist eine kleine geschnitzte Figur des Kenshin-Daishi in einem goldenen Schrein; der Altar zeigt Bilder der Erbäbte. Hondō, die kleinere Tempelhalle, hat eine geschnitzte Amidafigur auf dem Mittelaltar. Der Tempel ist seit dem ersten Bau von 1602 viermal vom Feuer zerstört, aber stets schöner aufgebaut worden; zum letzten Bau wurde von frommen Frauen Haar zu mehreren Tauen gestiftet, mit denen die mächtigen Balken hochgezogen wurden; eins dieser Taue aus Frauenhaaren, das im Tempel gezeigt wird, ist 110 m lang und hat 40 cm Umfang! Östl. vom Haupteingang zur Tempelanlage liegt der hübsche Park Shōsei-en, meist Kikokutei (C 5) genannt, umgeben von einer Kikokuhecke.—Nun fahre man über die südlichste Kamogawabrücke zum Kwannontempel *Sanjūsangendō (CD 6), »Halle der 33 Ken oder Zwischenräume«(zwischen den Pfeilern der langgestreckten Halle, Länge 121 m, Breite 17,5 m), erbaut 1132 vom abgedankten Mikado Goshirakawa in seinem Palastviertel mit 1001 Statuen der 1000äugigen und 1000händigen Kwannon. Der erste Tempel verbrannte 1248 und wurde 1266 vom Mikado Kameyama wieder erbaut und 1662 vom Shōgun Ietsuna erneuert. In Reih' und Glied (elf Reihen hintereinander) stehen jetzt gut ausgerichtet auf schräg ansteigendem Podium in der düstern Halle tausend 5 Fuß hohe vergoldete Statuen der sogen. elfgesichtigen 1000händigen Kwannon; zählt man die kleinen Götzen in den Heiligenschreinen, auf Stirn und Händen der großen mit, so soll man auf 33333 Bilder kommen. Die 5 m hohe sitzende Mittelfigur stellt ebenfalls die 1000händige Kwannon dar; um sie herum steht ihr Gefolge von 28 Untergöttern (Bushū). Früher trieben die Samurai Bogenschießsport in der langen Halle; ihre Treffertafeln hängen noch im Tempeleingang. —Neben diesem seltsamen Tempel liegt das *Kaiserliche Museum (Teikoku Kyōto Hakubutsukwan; CD 5), ein moderner Bau von 1895, mit sehr alten historischen Kunstschätzen, tägl. geöffnet von 8-4 Uhr im Winter, 71/2-51/2 im Sommer, außer am 10., 20. und Letzten jeden Monats und 20. Dez. bis 1. Jan.; im Vorraum alte buddhistische Figuren und Masken, im nächsten Raum hölzerne und bronzene Statuen; l. vom Eingang Stickereien und Verschiedenes; r. vom Eingang alte Lacksachen, Porzellan; in den andern Räumen: kaiserliche Gewänder, Sänften, der Mikadothron Michōdai, Musikinstrumente, Münzen, Priester-und Schauspielerroben, Teezeremoniegerätschaften, Rüstungen und Waffen, besonders Schwerter; alte Handschriften, Kakemonos und Wandschirme.—Westl. vor dem Museum liegt der runde, mit Steinmonument gekrönte Mimizuka, »Ohrenhügel«, wo Tausende von Koreanern abgeschnittene Ohren aus dem Feldzug von Hideyoshi (1592 u. ff.) ruhen. Östl. hinter dem Museum liegt der Shintōtempel Toyokuni-jinja (D 5), in dem der Geist des berühmten Taikō Toyotomi Hideyoshi verehrt wird (geb. 1535, unterwarf die rebellischen Provinzen, wurde Regent, eroberte Korea und starb 1598).—Nahebei liegt die Tempelanlage *Hōkōji (CD 5), 1586 von Hideyoshi gegründet, mit riesiger *Buddhabüste aus Holz, 13 m hoch, die Nase 2 m lang, eine geschmacklose, unvollendete Schnitzarbeit. Im Vorhof hängt eine *Riesenglocke; das Läuten mit Schwingklotz kostet 2 sen für jede Person.—Nördl. liegt die *Yasakapagode (D 5), fünfstöckig, 50 m hoch auf einer Anhöhe in schöner Landschaft am Ostende der Stadt (Aufstieg unbequem, oben *Aussicht auf die Stadt), 1618 erbaut mit sehr originellem Dach; sie diente früher als Wachtturm und enthält ein sehr altes Bild Shakas.—Etwas nördl. liegt der berühmte *Giontempel (D 4; richtiger Yasakajinja genannt), 869 gegründet, in dem Susano-o no Mikoto, der unbändige Bruder der Sonnengöttin Ama-terasu, verehrt wird. Dieser buddhistisch beeinflußte Shintōtempel ist der besuchteste von Kyōto, daher von vielen Verkaufsbuden umgeben; Tempelfeste am 1. und 15. jedes Monats, das große Gionfest am 17. und 24. Juli. Der Haupttempel, 1654 erbaut, hat in der SO.-Ecke eine Kagura-dō (Halle für die an Götterfesten aufgeführten Pantominen, den Tanz Kagura). Im Anbau am Westende, Ema-dō, hängen Weihbilder für die Götter. Im Tempelpark steht zwischen alten Bäumen ein großer heiliger Kirschbaum.—Das Stadtviertel in der Umgebung des Tempels, Gion Machi, ist voller Vergnügungshäuser, Teehäuser etc.—Nahe nö. vom Giontempel liegt der *Chion-in-Tempel (DE 4), eine der größten Tempelanlagen der Gegend, nördl. vom Maruyamapark, errichtet von der Jōdosekte, begründet 1211 von Enkō Daishi, und von Tokugawa Ieyasu und Iemitsu zur jetzigen Anlage ausgebaut. Die Haupthalle Hondō enthält im Mittelschrein ein geschnitztes Buddhabild; hinter ihr die Versammlungshalle Senjōjiki (»Halle der 1000 Matten«); östl. davon das Kloster Hōjō, durch einen prächtigen Garten in zwei Teile geteilt; seine Zimmer sind nach den sie schmückenden Meisterbildern der Kanōschule (Storch, Kranich, Pflaume, Chrysanthemum etc.) benannt. Die Gänge, uguisu-bari (Nachtigallfluren), geben beim Gehen melodische Geräusche. Seishidō ist der ursprüngliche Chion-in-Tempel, Soshi-byō das Grab des Gründers; im Kwachōbunko sind die Tempelschätze aufbewahrt. Im Gongendō sind Bilder von Shōgunen. Der Glockenturm enthält die 1633 gegossene größte *Glocke Japans, 5,5 m hoch, 3 m Durchmesser, 30 cm dick und 7400 kg schwer. Das Haupttor Sammon des Tempels ist reich geschmückt; von seiner Galerie *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Der Tempelgarten ist voller Kirschbäume.—Nördl. vom Chion-in-Tempel liegt der kleine Shōren-in-Tempel (D 4), dessen Leiter früher stets ein Prinz als Haupt der Tendaisekte war; viele alte Schriftstücke von Mikados sind im Schatze des Tempels.—Nahebei liegt der Awatapalast (E 4), erbaut 879 und bis 1868 von einem kaiserlichen Prinzen als Abt bewohnt.—Nahe nördl. unterhalb des Miyakohotels liegt der Zoologische Garten (E 3), ferner ein stets geöffnetes Gewerbemuseum, Shōhin-shinretsujō (E 3; Malereien, Stickereien, Porzellan-, Bronze-und andre meist neue Kunstsachen mit Angabe des Preises und Verkäufers), die neue städtische Bibliothek und das Gebäude der jährlich im April und Mai geöffneten *Gewerbeausstellung (E 3). Zwischen beiden die Sporthalle des Sportklubs Bushū-Kwai (Präsident ein kaiserl. Prinz), wo Bogenschießen, Schwerterfechten, Jūjitsu geübt wird; Nachm. sehr belebt, Eintritt erlaubt; vom 4.-7. Mai dort große Wettkämpfe. Nahebei die große Anlage des Daikyoku-den oder Heian-jingū, eine getreue Nachbildung des Tempels im ersten Kaiserpalast zu Kyōto vor 1100 Jahren.—Weiter nördl. die Gebäude der Kaiserlichen Universität (D 2; mit vier Fakultäten: Medizin, Literatur, Rechts-und Ingenieurwesen) und andrer Schulen im alten Samuraiviertel Yoshida, dabei der niedrige Yoshidayama mit Shintōtempeln und prächtigem Rundblick.—Östl. davon liegt am Fuße des Daimonjiyama der Ginkaku-ji (E 1) am NO.-Ende der Stadt, 1479 als Landsitz vom abgedankten Shōgun Ashikaga Yoshimasa erbaut (dort entwickelte er das heute noch übliche Teezeremoniell, Cha-no-yu, zur höchsten Vollendung), nach seinem Tode 1490 in einen buddhistischen Tempel umgewandelt. Im alten Gebäude Tōkyū-dō ist der berühmteste Teezeremoniellraum Japans (nach dem Kanon 41/2 Matten groß); Wände und Schieber tragen berühmte Gemälde von Kanō Motonobu, Ōkyo, Sōami und Kanō Einō. Im Mittelraum Bilder der Kwannon und des Yoshimasa in Priestergewändern. Paneele von Buson und Taigadō in andern Räumen; prächtige Kakemonos, Kuriositäten und Zeremoniellteegerät in einem Pavillon. Daneben eine Buddhahalle.— Im südlichen Garten steht der feine Silberpavillon Ginkaku, eine Nachbildung des von Yoshimitsu (Großvater Yoshimasas) erbauten Kinkaku, in einem der schönsten Landschaftsgärten Japans mit Teich, Insel, Brücken, ausgewählten Pflanzen und Felsen.

Zwischen Ginkaku-ji und dem Miyakohotel liegen am östl. Bergrand die sehenswerten Tempelanlagen von Shishigatani, Eikwandō und Nanzenji; bei letzterm Keage, die schiefe Ebene zwischen dem obern und untern Kanal, wo Boote auf Schienen hinaufgezogen werden. Zwischen dem östl. Bergrand und dem Yoshidayama die schönen Anlagen der Tempel Kurodani (»dunkles Tal«, ein Kloster, im 12. Jahrh. von Hōnen Shōnin gegründet, mit der historischen Fichte Yoroikake no Matsu) und Shinnyodō (mit wertvollen Gemälden). Um den Yoshidayama viele Grabhügel früherer Kaiser (Misasagi).

Am Abhange des Higashi-yama (E 4, 5) liegt nahe südl. vom Awatapalast der reizende Maruyamapark (D 4) mit vielen Teehäusern und mehreren Tempeln.—Südl. liegt in malerischer Landschaft auf Pfahlunterbau am Berghang der größte Kwannontempel *Kiyomizudera (DE 5), 780 vom Priester Enchin gegründet; durch das rote Haupttor Niō-mon steigt man auf Treppen hinauf, beim obern Tor *Aussicht auf die Stadt. Zwei dreistöckige Pagoden und eine grüne große Glocke stehen neben dem Tor. Die Haupthalle, Hondō, steht auf hohem Holzpfeilergerüst; in ihrem Schrein ist das Bild der elfgesichtigen, 1000händigen und 1000äugigen Kwannon; eine breite Veranda, Butai, schwebt über dem Abhang. Östl. vom Haupttempel der schöne Park Nan-en oder Shin Takao mit Wasserfall zum Baden der Wallfahrer, an der Nordseite der Garten Hoku-en, beide mit vielen schönen Plätzen; die Straße zum Tempel enthält lauter Porzellanläden. —Etwa 3 km südl. liegt der Inaritempel (kaiserlicher Shintōtempel 2. Grades), mit der elektr. Straßenbahn bequem zu erreichen; um die ganze Anlage zu sehen, ist über 1 St. Weg durch Torii zu machen, doch kann man abkürzen. Der Tempel ist der Reisgottheit Inari geweiht, 711 gegründet und das Urbild aller andern Inaritempel des Landes, die, wie er, sämtlich rot gestrichen sind. Sein Park erstreckt sich über einen Hügel mit zahllosen Heiligtümern und einigen Fuchsbauten. Am innern Eingang zwei große steinerne Füchse (Diener und Boten Inaris). Vom Gipfel *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Die Tempelfeste im Februar und April sind sehr sehenswert.—Der Tōji-in oder Osttempel mit Pagode rührt noch aus der Zeit der Stadtgründung her.

Vor dem Nordende der Stadt liegt nicht weit vom Kaiserpark der alte Shintōtempel Shimogamo (Unterer Kamo, eigentlich Kamo-Mi-oya-jinja, »Schrein der Kamo-Ahnen«, CD 1), vom kaiserl. Haushalt unterhalten, eine vornehme Anlage, gegründet 677, mit prächtigem uralten Park, worin zwei heilige, durch einen Ast miteinander verwachsene Sakakibäume von Frauen viel besucht werden, um Ehefrieden zu erflehen.—Eine schöne Kiefernallee führt zu dem 3 km nördlichern Tempel Kamigamo (Oberer Kamo), der in der Kirschblüte viel besucht wird. Das große Aoifest wird am 15. Mai in Shimogamo und Kamigamo glänzend gefeiert.
Vor dem NW.-Ende der Stadt liegt dicht am Hanazonobahnhof der große Tempel Myōshinji (1 der Umgebungskarte) der Zensekte, früher Altenteil des Mikado Hanazono im 14. Jahrh. Die Tempelhallen enthalten wertvolle Wandschirme, Kakemonos, Lackbüchsen etc.; im Park stehen prächtige alte Kiefern, eine vom Jahre 1462.— In der Nähe der Kitano Temmangū (Tenjin), kaiserlicher Tempel (2 der Umgebungskarte), 947 gegründet, 1605 neugebaut, architektonisch schön mit heiligem Garten.—Gegenüber der sehr alte Shintōtempel Hirano-jinja (3 der Umgebungskarte), fünf Göttern geweiht, mit zur Kirschblütenzeit vielbesuchtem Park.—Nahe nördl. liegt in waldgrüner Umgebung der Goldene Pavillon, *Kinkakuji (eigentlich Rokuon-ji), 1397 vom abgedankten Shōgun Ashikaga Yoshimitsu erbaut als Buen retiro, dann buddhistischer Tempel der Zensekte, steht zum Teil im Wasser eines Sees in schönem Garten und hat eine dreistöckige Pagode mit vergoldeten Statuen von Amida, Kwannon und Seishi, von Unkei geschnitzt, in der Mitte des Unterstocks. Mönchsstatuen des Musōkokushi und Yoshimitsu auf den Seitenaltären. Im Mittelstock eine Kwannonfigur und vier Dämonenkönige. Der Oberstock war innen ganz vergoldet, wovon nur noch Spuren sichtbar. Reizender Blick vom Pavillon auf den Garten; der »Spiegelsee« (Kyōko) ist mit dichtem Gehölz umgeben. Man beachte die von den größten Meistern gemalten Schiebetüren, Faltschirme und Kakemono. Auf dem Hügel im nördlichen Garten steht ein Teezeremonienhäuschen vorbildlichen Stils, das Sekka-tei.
Ausflüge von Kyōto.
Vgl. Karte auf dem [Plan von Kyōto].
1) Über den Hiyei-zan zum Biwasee, lohnende Tagestour, etwas Mundvorrat mitnehmen. Vom Kyōtohotel (C 3) fährt man mit Rikscha über die *Sanjōbrücke (CD 3/4; hölzern mit Steinpfeilern in rein japanischem Stil), vorbei an der Universität und durch das Dorf Shirakawa (E 1/2) auf gutem Weg, etwa 6 km zum kaiserlichen Sommerschloß Shūgakuin-rikyū (nur mit Erlaubnisschein, wie Kaiserpalast, S. [371], zu besichtigen, der Schein gilt nur für die Schlösser, die auf ihm verzeichnet sind!), 1629 dem abgedankten Mikado Gomizunoo vom Tokugawa-Shōgunat angewiesen. In dem prächtigen Park liegen drei feine kleine Paläste, Ochaya (»erlauchte Teehäuser«, wegen ihres Baustils) genannt, jedes mit Garten für sich. Das mittlere ist am reichsten mit Kunstschätzen ausgestattet. Das oberste liegt nahe dem Drachenteich, Yokuryōchi, umgeben von einem Labyrinth von Inseln, Halbinseln, Klippen, Brücken, Gehölzen. In den reizenden Anlagen mit Treppen und Pavillons am Berghang sieht man den größern »männlichen« und den »weiblichen« Wasserfall, Odaki und Medaki. Eine Hofdame leitete die Anlage des Parks.—Nö. von den Sommerpalästen steigt man steil zu Fuß oder mit Tragstuhl mit zwei Kulis, etwa 4 km auf den Gipfel des *Hiyei-zan (580 m), wo prachtvolle *Aussicht auf den Biwasee und das Tal von Kyōto (oben sollte man frühstücken!).


Die Steinfigur auf dem Berggipfel stellt den ersten buddhistischen Abt von Hiyei-zan, Dengyo Daishi, dar (lebte um 800), der nach dem Kaiserpalast in Kyōto hinstarrt. Bei ungünstigem Wetter Unterkunft in einer Teehütte auf dem Abstieg nach Sakamoto; östl. vom Gipfel liegen die alten buddhistischen Klöster Kompon-chūdō und Kōdō, deren Mönche in den Bürgerkriegen des Mittelalters so mächtig waren, daß der Mikado Shirakawa den Ausspruch tat: »Nur dreierlei in meinem Reich kann ich nicht meistern: die Gewässer des Kamogawa, Glücksspiele und die Bergmönche!« In Kyōto zwangen die bewaffneten Mönche den Hofstaat, ihre Forderungen anzunehmen. Die alten Bergtempel sind nur noch zum Teil erhalten.—Auf dem Abstieg nach Sakamoto (5 km vom Hiyei-zan) trifft man auf die große Shintōtempelanlage Sannō (Hiyoshi), in stiller, romantischer Lage. Einige Minuten weiter erreicht man das Dorf Kami Sakamoto (Speisehaus Fuyō-en) und südl. davon am Biwasee das Dorf Shimo Sakamoto. Von da südl. weiter längs des Westufers des *Biwasees (Biwa-ko), von der Größe des Genfer Sees, etwa 100 m ü. M., ein Einbruchsbecken füllend, berühmt durch landschaftliche Schönheit. [Die japanische Poesie spricht von den acht Schönheiten von Ōmi (Ōmi Hak-kei) des Landes, worin der Biwasee liegt: Herbstmond vom Ishiyama gesehen; Abendschnee auf dem Hirayama; Abendrot zu Seta; Abendglocke von Miidera; von Yabase zurücksegelnde Boote; heller Himmel mit Brise in Awazu; Nachtregen in Karasaki; Wildgänseflug in Katata.] Kleine Dampfer verkehren auf dem Biwasee zwischen den Ortschaften.
Etwa 2 km südl. vom Dorf Shimo Sakamoto steht beim Dorfe Karasaki eine tausendjährige heilige Riesenkiefer von 11 m Umfang und 88 m Ausdehnung der Zweige, doch nur 27 m Höhe. Hütte (Genji-no-ma) der Dichterin Murasaki Shikibu (lebte um das Jahr 1000) und Teehaus nahebei. Weiter längs des Seeufers 4 km nach Ōtsu (Gasthof: Hakkeikan, halbeurop.), größte Stadt am Biwasee, mit 39595 Einw., an der Tōkaidōstaatsbahn (1/2 St. Fahrt bis Kyōto), Bahnhof Baba am Ostende der Stadt. Auf einem Hügel westl. der Stadt steht der buddhistische Tempel *Miidera, 675 begründet und der Kwannon geweiht. Oberhalb davon ein Kriegerdenkmal (Obelisk) aus dem Satsuma-Aufstand 1877; dort *Aussicht über den See. Die Glocke im Tempelpark soll einst ein Riese auf den Hiyei-zan getragen haben.— Von Ōtsu führt der 1885-94 vom Baron Kitagaki erbaute, 11 km lange Biwaseekanal nach Kyōto durch einen 2436 m langen und zwei kürzere Tunnel. Die etwa 11/4stündige Bootsfahrt auf dem Kanal von Ōtsu nach Kyōto ist zu empfehlen; oder man fahre mit Rikscha (10 km) auf der alten Heerstraße Tōkaidō in 2 St., vorbei am Grabhügel des Kaisers Tenji, bewachsen mit Kiefern, mitten in Reisfeldern, dann südl. am Kanal entlang nach Kyōto zurück. Statt der Bergtour über den Hiyei-zan kann man auch mit Rikscha (2 Mann) nach (15 km) Miidera fahren, von da zur (4 km) Karasaki-Kiefer (s. oben), auf dem See mit Dampfer nach Ishiyamadera, mit schöner *Aussicht vom Tempelplatz auf hohem Felsabhang; dann mit Rikscha oder zu Fuß zum (5 km) Bahnhof Ishiyamadera und zurück mit Bahn.
2) Zu den Stromschnellen des Hōzugawa (früher meist Katsuragawa genannt). Man fahre mit Rikscha zum Bahnhof Nijō(A 3, 4) am Westende der Stadt, von da mit Eisenbahn durch sehr malerisches Gelände in etwa 3/4 St. nach Kameoka, dann in 10 Min. mit Rikscha zum Dorfe Hōzu, wo man ein Boot besonderer Bauart mit 4-5 Ruderern für 6,50 Yen (für 6 Pers.) mietet (Nm. für jeden Mann 50 sen mehr!). Über die Fahrt schreibt Julius Meurer: »Die Fahrt selbst ist hochinteressant, aber nicht ganz harmlos, denn der Wildbach ist reißend und sein Bett voller Felsblöcke und Steine, zwischen denen hindurchzusteuern nur der Kraft und Geschicklichkeit der japanischen Bootsführer, dieser gebornen Schiffer, möglich ist. Es soll bei diesen tollen Fahrten fast nie ein Unglück vorkommen. Landschaftlich ist die Fahrt entzückend, wir glaubten uns in unsre Alpen versetzt.«