Preise stündl. wenigstens 20 sen mit 1 Kuli, 40 sen mit 2 Kulis (vorher ausmachen); das Imperial Hôtel hat bestimmten gedruckten Tarif für Entfernungen. Zweckmäßig ist es, am Shimbashibahnhof eine Rikschafahrkarte mit Preisangabe für die betreffende Strecke zu nehmen und Kuli rufen zu lassen.—Straßenbahnen in zahlreichen Linien fast nach allen Punkten der Stadt (sehr zu empfehlen), von Shimbashi ohne Umsteigen nach Ueno, Asakusa, Shinagawa etc.; Fahrpreis überallhin 5 sen (Fahrscheinhefte mit Ermäßigung; man verlange vom Schaffner Umsteigebillett, nori-kae-gippu, wo erforderlich).
Eisenbahnen: Vom Shimbashibahnhof die Tōkaidōbahn nach Yokohama und Kyōto. Von der Gofuku-bashi-Station im Zentrum der Stadt (unweit Nippon Ginkō) die Ringbahn, die innerhalb der Stadt als Hochbahn läuft, nach der Karasumori-Station beim Shimbashibahnhof, von da durch die Vororte nach (26 km) Akabane an der Nordbahn und von da nach dem Ueno- Bahnhof.—Von der Yorozuyobashi-Station (Kanda, bei Suda-chō) die Stadtbahn nach Shinjiku (Anschluß an die Ringbahn), von da nach Kōfu.—Vom Ueno-Bahnhof die Nordbahn nach Nikkō und (735 km) Aomori sowie nach Mito (Ostküstenbahn) und Sendai.— Vom Ryōgoku-Bahnhof eine Linie nach Chiba, Ohara etc.; vom Asakusa-Bahnhof über Kanegafuchi nach Ashikaga und Isezaki (Tōbubahn).—Fahrpläne in den Hotels.—The East Asiatic Commercial Intelligence Institute of the South Manchuria Railway Company, in Tōkyō, Azabu-Mamiana Nr. 4, gibt Auskunft über die unter japanischer Verwaltung stehende Südmandschurische Bahn, vgl. S. [324].
Dampfer (klein und unbequem) tägl. nach Yokosuka, Uraga (S. [392]) und allen Plätzen im Golf von Tōkyō.
Banken: Yokohama Specie Bank (Korresp. der Deutschen Bank, der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig); Nippon Ginkō (»Bank von Japan«) und viele andre.
Theater: Kabukiza (Pl. 22), Kobiki-chō. —Meijiza, Hama-chō.—Hongō-za, Haruki-chō.—Tōkyō-za, Misaki-chō. —Shintomi-za, Shintomi-chō.—Ganz in europäischem Stil das Yūraku-za und das 1911 eröffnete moderne Theater Teikokuza, in der Yūraku-chō (Zentrum der Stadt, unweit Imperial Hôtel, gegenüber der Rückseite des Kaiserpalastes. Ringkampfspiele bei Ekō-in, Honjō, je 10 Tage im Frühling und Winter.—Teehäuser (mit Tanzaufführungen): Kōyō-kwan (Red Maple Club) im Shibapark, Einführung besorgt der Gasthofsbesitzer.—Nakamura-rō, in Ryōgoku.—(NB. Die großen Theater mit berühmten Schauspielern sind im Sommer geschlossen; in jedem Theater spielen entweder nur Männer oder [seltener] nur Frauen, man frage vorher.)
Reisebureaus: T. Minami & Sons, Tourist Agency, Rogetsu-chō 3, Shibaku (Fernsprecher: Amt Shimbashi, Nr. 3370), besorgt Fahrkarten für alle Dampferlinien und Bahnen; stellt Reiseführer, besorgt Post, Telegramme, Bankgeschäfte, Gepäck; hält Reisehandbücher vorrätig, gibt »The Excursion Journal« heraus (beachtenswert!). —Welcome Society, Yūrakuchō Itchōme 1 (in der Tōkyō-Handelskammer; vgl. S. [345]).— »Guide-Book for Tourists of Japan« der Welcome Society, 5. Aufl. 1910 (gut).—The Musashino, Monatsschrift für Fremdenverkehr, herausgegeben vom Imperial Hôtel (ein Heft 10 sen).—Fremdenführer: G. Iguchi, Meguro Shinfuji 1; Liste andrer, auch Deutsch sprechender Führer im Hotel; vgl. auch S. [345].
Gesandtschaften: Deutsches Reich (Pl. 1), Botschafter Graf Rex.—Österreich-Ungarn (Pl. 2): Botschafter Freih. Call v. Rosenburg.—Schweiz: Gesandter de Salis.
Polizei in jedem Stadtviertel.
Arzt: Dr. Teusler im St. Luke's Hospital. —Die Professoren der medizinischen Fakultät der kaiserl. Universität sprechen sämtlich Deutsch und sind fast alle in Deutschland ausgebildet; darunter sind gute Spezialisten.
Buchhandlungen: Z. P. Maruya & Co. Ltd. (Maruzen Kabushiki Kaisha), Nihombashi, Tōri Sanchome.—Geiser u. Gilbert, deutsch, Kanda-ku, Kaji-chō 23.—Kyōbunkwan (Methodist Publishing House), Ginza Shichōme.—Nankōdō, Hongō, deutsche Bücher.—Hasegawa, Shitaya-ku, Kami-Nogishi 17 (jap. Kunstdrucksachen); für farbige Holzschnitte: Kobayashi, Asakusa Komakata. —Zeitungen: Japan Times (tägl.; jap.); Japan Advertiser (amerik.-engl.); vgl. auch Yokohama, S. [389].
Klubhaus der deutschen Gesellschaft für Natur-und Völkerkunde Ostasiens: Kanda, Imagawa-kōji Itchōme 8, unterm Kudanhügel. Daselbst sehr wertvolle Bibliothek über Ostasiatica.
Deutsche Stube mit Bücherei und Leseraum ist im Seminar für fremde Sprachen eingerichtet.
Photographen: Oka, Kojimachi, Dotei sambancho 8 (spricht Deutsch). —Maruki, Azabu.—Okamoto, Ginza, Sanchōme (nahe dem Shimbashibahnhof); auch Kakemonoverkauf und Dunkelkammer verfügbar.—Ogawa, Kyōbashi Hiyoshi-chō 13.—Photographische Artikel: Asanuma & Co., Honchō Nichōme.—Kimbei, Takekawa-chō, Ginza.
Geschäftsadressen: Basare (Kwan-kōba) mit festen Preisen an der Shimbashibrücke, im Shibapark, im Uenopark (Shōhin Chinretsu-jō) etc.— Europäische Lebensmittel: Kameya, Ginza Takekawa-chō.—Japanische Kunstsachen (Curio dealer): Ikeda, Owari-chō Nichōme 13; Jōkō, Kyōbashi Yomi-chō; Kōko-Dō, Nakabashi Izumichō, und viele andre in Naka-dōri (parallel zur Hauptstraße zwischen Kyōbashi und Nihombashi).—Elfenbeinschnitzereien: Maruki, Sukiya-chō Nihombashi 6; Toyama Shōten, Ginza, Nichōme, Kyōbashiku; Kaneda, Naka-dōri. —Cloisonné-Sachen: Ando, Motosukiya-chō Ginza; Namikawa & Co., 8 Shin-Yemoncho, Nihombashi; Ueda, 2 Saegi-chō, Kyōbashi.—Porzellan: Mikawaya, Owari-chō, Itchōme; Kōno, 18 Shiba Tamachi, Shichōme (für Satsuma). —Bronzewaren: Mikawaya, Sotokanda, Hatago-chō Itchōme; Miyao, 1 Nihombashi, Hon-Shirokane-chō.— Silberwaren: Miyamoto Shoko, Kyōbashi, Yazaemon-chō 2.—Gemälde, Kakmonos, Farbenholzschnitte etc.: Suwa, Tatami-chō 2, nahe Kyōbashi; Shimbi Shein, Shinsakawa-chō 13.—Lacksachen: Kuhei Hayashi, Nihombashi, Muromachi; Kuroeya, Tōri Itchōme.— Bambusarbeiten: Fujimura, Kojimachi Itchōme.—Seidenstoffe: Iida, Takashimaya, 1 Nishikonya-chō, Kyōbashiku; Mitsukoshi, Nihombashi, Suruga-chō; Shirokiya, an der Nihombashibrücke; Mizushima, Honchō Itchōme; Hattori, nahe Imperial Hôtel; Nishimura u. a.—Alte Seidenstickereien: Shimizu, 1 Inabachō, Higashi-Naka-dōri; Iwamoto Denshichi, Naka-dōri; Morita, Nihombashi Sanai-chō 8.— Fächer: Haibara, 1 Nihombashi, Tōri Itchōme.—Spielsachen: Jikkendana (Ausstellung am 3. März, Mädchenfest, und 5. Mai, Knabenfest).
Zeiteinteilung: 1. Tag: Shōkonshatempel, Uenopark nebst Museum, Asakusa-Kwannontempel.—2. Tag: Shibapark, Red Maple Club und Gräber der 47 Rōnin.—3. Tag: Geschäftsstraßen, Atagoyama, Mukōjima und Yoshiwara. (Das altberühmte ist aber im Frühjahr 1911 durch Brand vollständig vernichtet worden. Man richte sich nach der Jahreszeit, wegen der Blüten-und Tempelfeste.)
Festlichkeiten: Von den vielen Tempel-und Volksfesten sind die sehenswertesten: am 17. u. 18. jedes Monats Kwannonfest im Asakusatempel; 9. April Feuergang (Hiwatari) im Ontake-jinja, Imagawa-kōji, Kanda; 17. April: Tōshōgūfest im Shiba-und Uenopark; 18. April: Sanja Matsurifest in Asakusa; etwa 20. April: *Sakura- (Kirschblüten-)Fest im Kaiserpark (Einladungen bewirkt die Botschaft, Anzug: Gehrock und Zylinder oder Uniform, Damen elegante Promenadentoilette); 6.-8. Mai: Shōkonsha-Fest mit Rennen und Ringkämpfen etc. in Kudan; 3.-14. Juni: Tennō Matsurifest in Shinagawa, Yotsuya, Asakusa; Mitte Juli (oder Anfang August): Kawa-birakifest, Eröffnung des Sumida-gawa, in Ryōgoku; 9. u. 10. Juli: Shiman Rokusen Nichifest im Asakusatempel; 15. Sept. Kanda Myōjin in Kanda; 17. Sept.: Feuergang (Hiwatari) im Ontaketempel; 11.-20. Sept.: Shimmei Matsuri im Shibapark; 12. u. 13. Okt.: O Eshikifest in Ikegami und Hori-no-uchi. Anfang November: Chrysanthemumfest im Aoyamapalast des Kronprinzen (nur auf Einladung); 3. Nov: Geburtstag des Kaisers, Parade auf dem Rempeiba; 22.-28. Nov.: O kō Mairi und im November Tori no Machi beim Asakusatempel.—Messen (ichi) am 17. und 18. Dez. im Asakusatempelbezirk, am 22. und 23. in Shiba; Näheres gibt die »Japan Times« bekannt.
Tōkyō (auch Tōkei, spr. tōkē, »Osthauptstadt«), Hauptstadt des japanischen Reiches und Residenz des Kaisers, früher Yedo genannt, am NW.-Ende der seichten Tōkyōbucht (Yedobucht; daher Yokohama die Hafenstadt von Tōkyō trotz dessen Lage am Meer) und am Südende der größten Ebene Hondos, an der Mündung des Sumidagawa, über den fünf große Brücken (Azuma-, Umaya-, Ryō-goku-bashu, Ōhashi, Eitai-bashi) führen, durchschnitten von Kanälen, Ausgangspunkt von Bahnen nach sechs Richtungen. Die Stadt, mit 2186079 Einw., wird von dem Sumidagawa in zwei Teile geschieden, einen kleinern östlichen, der bis zum Nakagawa reicht, und einen größern westlichen, den eine Mauer bis zum Fluß und zur Tōkyōbucht umgibt, und der den Palast des Kaisers (S. [397]) enthält. Diesen Stadtteil umschließt ringsum die eigentliche Stadt, zum größten Teil noch aus einstöckigen Holzhäusern bestehend, daher sehr ausgedehnt und oft durch Feuersbrünste heimgesucht. Die Geschäftshäuser in den Hauptstraßen bestehen daher gewöhnlich aus feuersichern Lehm-oder Backsteinspeichern, und auch die vornehmern Privatwohnungen sind meist mit solchen Dozō versehen (ähnlich im ganzen Lande). Unter den seltenen großartigern Gebäuden japanischer Bauart sind zu nennen einige prächtige buddhistische Tempel mit kunstvoller, vergoldeter Holzschnitzerei, Klöster, Grabdenkmäler der letzten Shōgune in Shiba und Ueno (S. [398]). Im westl. Teil der Stadt wohnen die Botschafter von Deutschland (Pl. 1), England (Pl. 3), Rußland etc., und hier steht unweit Shimbashi der Palast Hamagoten, der für fremde fürstliche Gäste des Kaisers bestimmt ist. Tōkyō ist Sitz der Regierung, des höchsten Gerichtshofs, des kaiserlichen Gardekorps und der ersten Division der Armee und der geistige Mittelpunkt des Reiches. Außer einer kaiserlichen Universität (Teikoku Daigaku, in Hongō gelegen) besitzt es mehrere stark besuchte Privatuniversitäten, ein Realgymnasium (Erste Kōtō-Gakkō), eine höhere Normalschule, Blinden-und Taubstummenanstalt, Handelsakademie, Gewerbeschule, Ackerbau-und Forstschule, Musikschule, zahlreiche Mittelschulen, Lehrerseminare etc., eine kaiserl. Akademie der Wissenschaften mit 60 vom Kaiser ernannten Mitgliedern, eine Kunstschule und ein Museum im Uenopark, eine öffentliche Bibliothek von 300000 Bänden, eine zweite von 30000 Bänden in europäischen Sprachen, Geographische Gesellschaft, 316 Zeitungen und Zeitschriften, darunter die »Transactions of the Asiatic Society of Japan«und die »Mitteilungen der deutschen Gesellschaft für Natur-und Völkerkunde Ostasiens«. Die sehr bedeutende Industrie erzeugt namentlich Seiden-und Lackwaren, Fayence, Porzellan, Email; es bestehen große Schiffswerften und Maschinenbauwerkstätten. Der Handel mit dem Inland ist sehr bedeutend, während der mit dem Ausland meist über Yokohama geht. Die Stadt ist seit 1869 dem Fremdenverkehr geöffnet.—Yedo ist aus einem Fischerdorf entstanden, bei dem 1456 Ōta Dōkwan ein großes Schloß baute; die Stadt blühte erst auf, als der erste Tokugawa Shōgun Ieyasu 1603 seine Residenz hierher verlegte.
Rundfahrt. Vom Shimbashibahnhof, hinter dem nach der Seeseite der kaiserliche Sonderpalast Hama-Rikyū liegt, wo gegen Ende April jedes Jahres das kaiserliche Kirschblüten-Gartenfest abgehalten wird (Einladungen dazu, wie im November zum Chrysanthemumfest im Akasaka-Palast, vermitteln die Botschafter bei rechtzeitiger Meldung), fahre man mit Rikscha l. und nördl. in das Stadtviertel, in dem die Ministerien (in nüchternem, europäischen Stil erbaut) liegen; man fährt am Stadtgraben entlang bis zum Tōkyō-Klubhaus (Pl. 5), gegenüber dem Imperial Hôtel. Nahe beim Hotel der weite, erst in neuester Zeit angelegte Stadtpark Hibiya-Kōen mit Restaurants Matsumoto-rō und Sankyōtei, sowie der Hibiya Daijingū, eine Nachbildung des Großen Schreins von Ise. Auf einem Hügel liegt r. der Palast des Marquis Nabeshima, des frühern Daimyō von Hizen, lange Oberzeremonienmeister des kaiserlichen Hofes. Gegenüber auf bewaldeter Anhöhe steht der Sannōtempel.—Neben ihm beginnt das vornehmste Stadtviertel Nagata-chō, mit den Palästen der Prinzen Kitashirakawa und Arisugawa, den Gebäuden des Auswärtigen Amts, des Generalstabs (Pl. 6) und der fremden Gesandtschaften. Innerhalb dieses sogen. Daimyōviertels (Daimyō Kōji) liegt auf niedrigem Hügel, mit breitem Wassergraben und zyklopischen Mauern umgeben, das O-Shiro oder Schloß mit dem Kaiserpalast, das Schatzamt und andre Ministerien, Wohngebäude und prachtvolle Gärten, wo einst die frühern Daimyōs mit Gefolge residierten. Der Kaiserpalast (Zutritt nur bei Audienzen und Festlichkeiten durch Vermittelung der Botschaft, sonst dem Publikum unzugänglich), 1889 neu erbaut, hat viele Empfangsräume, meist durch Kristallglasschiebetüren getrennt, mit Seidentapeten und reichgemalten Holzdecken, viele Räume vornehm-einfach, andre, z. B. die Banketthalle, reich vergoldet. Die Möbel stammen zum Teil aus Deutschland. Der Park ist reich an Kirschbäumen.— Auf dem Platze gegenüber der Schloßbrücke Nijūbashi steht das 1900 errichtete Bronzestandbild des kaisertreuen Feldherrn Kusunoki Masashige (gest. 1336).—In der Nähe das 1910 errichtete Denkmal des Marquis Itō (berühmter Staatsmann und 1906 bis zu seiner Ermordung [1909] Generalgouverneur von Korea). In der Nähe die sehenswerte Regierungsdruckerei Insatsu Kyoku (Pl. 12) und mehrere Ministerien.—Nahe nördl. von der Nordbrücke, die zum Kaiserpalast führt, liegt der *Shōkonshatempel (»Schrein zur Einladung der abgeschiedenen Geister«, auch Yasu-kuni-jinja, »Schrein des friedlichen Landes«, genannt) auf dem flachen Kudanhügel, ein 1869 erbauter Shintōtempel reinen Stils, in welchem die Manen der im Restaurationsjahr 1868, in der Saga-Unruhe 1874 und in der Satsuma-Rebellion 1877 auf kaiserlicher Seite Gefallenen, sowie der im chinesisch-japanischen (1894/95) und russisch-japanischen (1904/05) Feldzuge gebliebenen Krieger von Staats wegen verehrt werden; vor ihm ein riesiger bronzener Torii; hinter ihm ein schöner Park. Gleich r. vom Tempel liegt das Waffenmuseum, *Yūshūkwan (geöffnet von 8-4 Uhr im Sommer, 9-3 Uhr im Winter, Eintritt 3 sen), mit sehenswerter Sammlung altjapanischer Waffen, besonders prächtiger Schwerter, Rüstungen, Schloßmodelle, und vielen Beutestücken aus dem chinesischen und dem russischen Kriege. Die den Rennplatz vor dem Tempel durchziehende Doppelreihe granitener Laternen wurde 1878 vom japanischen Adel gestiftet; hier steht auch die Bronzestatue des Patrioten Ōmura, das erste in Japan errichtete Denkmal (1892) dieser Art. Am Fuße des Hügels Kudanzaka steht der Ontakeschrein (Pl. 11), in dem der Feuergang am 9. April und 17. Sept. ausgeführt wird.—Nun über den äußern Graben zum Hōhei Kōshō (Arsenal, Gewehrfabrik) im Koishikawa-Distrikt. Zutritt nur mit Erlaubnis der Militärbehörden. Zum Arsenal gehört der schönste Landschaftsgarten Tōkyōs, der *Kōraku-en, einst Besitztum des Fürsten von Mito, im 17. Jahrh. von einem chinesischen Literaten, der beim Zusammenbruch der Ming-Dynastie in Japan Zuflucht fand, angelegt.—Nicht weit davon die Jūjitsu-Schule des Prof. Kanō; im N. des Distrikts der *Botanische Garten (Shokubutsu-en) der kaiserl. Universität, ebenfalls ein alter Daimyōpark mit schönen Landschaftsbildern (täglich bis 4 Uhr geöffnet; Pflanzenverkauf).—Im äußersten NW. des Koishikawa-Distrikts liegt der Buddhatempel Gokoku-ji mit Priesterseminar der Shingon-Sekte; der Hauptschatz des Tempels, ein ungeheures Kakemono von Kanō Yasunobu (Buddhas Eingang ins Nirvana), wird nur im April gezeigt. Dahinter die neuen Begräbnisplätze der kaiserlichen Familie (nicht zugänglich).—Östl. vom Botanischen Garten im Hongōdistrikt die kaiserliche Universität (Teikoku Daigaku), mit (Sept. 1909) 5699 Studenten, verteilt in sechs Fakultäten: Medizin, Rechts-und Staatswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften, Philosophie, Geschichte, Literatur, Agrikultur (letztere hat ihre weit ausgedehnten Grundstücke in der Vorstadt Komaba). Vorlesungen in japanischer Sprache, die fremden Professoren und Lektoren dozieren aber in deutscher (deutsche Literatur und deutsches Recht), englischer und französischer Sprache; ebenda die Universitätskliniken.—Nö. davon die Blumengärten von Dango-zaka (große Chrysanthemenausstellung im November). Darstellungen aus der japanischen Geschichte mit lebensgroßen Puppen in Chrysanthemumkleidern).—Von der Universität fährt man um den Lotosteich *Shinobazu no Ike herum zum südlichen Haupteingang in den *Uenopark, beliebten Ausflugsort, besonders während der Kirschblüte; vor dem Hügel führt r. eine Treppe auf eine Anhöhe, von der schöne Aussicht nach dem Asakusatempel hin und über die Stadt; l. ein kleiner buddhistischer Kwannontempel.—Dann zurück zum Hauptweg, der durch die berühmte *Kirschenallee führt; l. liegt der Lotosteich, auf dessen kleiner Halbinsel ein Heiligenschrein der Göttin Benten.—Etwas weiterhin das *Seiyōken-Hotel und Speisehaus mit schönem Blick über den Teich und die Universitätsbauten. Dicht neben dem Speisehaus ist ein Daibutsu, ein Bronzebuddha von 6,5 m Höhe aus dem Jahre 1660.— Weiterhin l. ein Tor mit Kugelspuren aus der Schlacht im Uenopark 1868; dahinter eine große Steinlaterne (eine der drei größten Japans) aus dem 17. Jahrh.—In der schönen Kryptomerienallee eine alte Pagode und am Ende einer Reihe von Steinlaternen der den Manen des Ieyasu geweihte Tōshōgū-Schrein. Das prachtvolle, geschnitzte und vergoldete Tor davor ist 1890 restauriert worden; das gleiche soll mit dem Tempel geschehen. Der Hauptweg führt zum *Ueno-Museum (Hakubutsukwan), geöffnet 8-5 Uhr im Sommer, 9-4 Uhr im Winter, geschlossen 25. Dez. bis 4. Jan. und alle Montage; Eintritt 5 sen.
Im Eingang Riesentrommel, Palankine etc.; r. naturhistorische Sammlung (Tosahähne mit 4,4 m langen Schwanzfedern!), darüber im 1. Stock schöne Kakemono und Wandschirme. —L. vom Eingang historische Sammlung: 1. Zimmer: alte Handschriften und Drucke, Karten etc.; 2. Zimmer: Tempelgebrauchssachen (goldene tokko), auch sehr alte Handschriften und alte christliche Erinnerungen; 3. Zimmer: (Endraum) prähistorische Funde: Steinpfeilspitzen etc., Kupferglocken und-spiegel, Rüstungen, alte Topfwaren; im Nebenraum prähistorische maga-tama und kuda-tama (Schmucksachen).—Im Treppenhaus alte kaiserl. Staatskarren für Ochsengespann und Modell der Tenchi Maru (Staatsbarke der Shōgune); im Mittelraum alte kaiserliche Gewänder, Thronhimmel; l. in Nebenräumen Kunstsammlung: Kakemono, Makimono, Fächer, Masken, Bilder und Zeichnungen, Lack-, Bronze-und Porzellankunstsachen (schöne Stücke!).— Im Endraum Musikinstrumente, Zubehör für das Teezeremoniell und Spiele; dahinter Waffen, alte Büchsen, Miniaturpagoden (Hachiman-tō) u. a.
Der einzeln stehende schöne Neubau, l. vom Eingang, genannt Hyōkei-kwan, ist eine Stiftung des Volkes für den Kronprinzen zur Vermählung. Das Untergeschoß enthält eine hochinteressante Sammlung japanischer, chinesischer und koreanischer Töpfereien, das Obergeschoß häufig gewechselte wertvolle Malereien, besonders Kakemono und Faltschirme.
Vom Museum führt r. ein Weg zur Kunstschule (Bijutsu Gakkō), Eintritt nur auf Empfehlung gestattet. In der Nähe die staatliche Musikschule, die jährlich mehrmals größere europäische Konzerte veranstaltet, und an der auch europäische (meist deutsche) Musiklehrer wirken; eine Volksbibliothek und Lesehalle (Toshokwan) und die Gelehrtenakademie Gakushi Kwai-in sowie ein kleiner Zoologischer Garten (Dōbuts-en, Eintritt 4 sen).—Von der Lesehalle führt r. eine Allee zu den Shōgungräbern (Go Reiya): Haupttor geschlossen, l. führt eine Seitenpforte zum Priesterhaus, wo ein Priester gegen Spende in die prächtigen Tempelgebäude hineinführt, die reich an Malereien sind und hinter denen die Grabmäler von sechs Shōgunen der Tokugawafamilie (des 4., 5., 8., 10., 11. und 13. Shōguns) liegen.— Im Uenopark auch der Basar Shōhin Chinretsu-jō, mehrere Hallen für moderne Kunstausstellungen sowie der buddhistische Tempel Ryō Daishi (Jigen-dō).—Östl. vom Uenobahnhof liegt die große Tempelanlage Higashi Hongwanji (volkstümlich Monzeki) der buddhistischen Montosekte, 1657 erbaut, jetzt mit eisernem Netzwerk zum Schutz gegen Feuerbrandstücke aus der Umgebung; der Haupttempel ist innen und außen mit Schnitzereien reich geschmückt.—Etwas nö. davon steht der große buddhistische Tempel Sensōji, meist *Asakusa Kwannon genannt; die goldene Statuette der Gnadengöttin Kwannon im Tempel wurde nach der Legende im 6. Jahrh. an der Sumidagawamündung aufgefischt (die Statuette wird nie gezeigt, sie soll nur 5 cm groß sein; eine größere neuere Nachbildung steht vor dem Hauptaltar und wird am 23. Dez. gezeigt. Der Tempel ist sehr volkstümlich, mehr »Wurstelprater« als Heiligtum, stets stark besucht: vor dem Tempel Buden mit tauchenden Meerjungfern, Ziege mit fünf Beinen, Akrobaten, Momentphotographen, dressierten Affen, Zweikampfspielen, dann Verkaufsbuden mit Taubenfutter (die Tauben sind zahm wie auf dem Markusplatz in Venedig), Quacksalbermedizinen, Zuckerzeug, Spielsachen, Eßwaren aller Art etc. (Vorzügliche Gelegenheit, das Volksleben zu beobachten.) So. Nm. und am 17. und 18. jedes Monats ist der Tempel am stärksten besucht. Vor dem zweistöckigen Tempeltor sind Figuren der Tempelwächter (Ni-ō) hinter Holzgittern; l. ist ein Fudōschrein, und davor ein Jizōschrein mit Gebetsrad (goshō-guruma) ähnlich den tibetanischen, doch im Gebrauch verschieden. Im Tempelhofe steht r. auf einer Anhöhe die Asakusaglocke, deren Ton die Gottheit anruft. In der Haupthalle des Tempels sind so viele Laternen, Fahnen, Götzenbilder, chinesische Trommeln, daß man im Hintergrunde kaum die Figur der Kwannon entdecken kann; der Zugang zu deren *Hochaltar ist gegen Spende durch einen der Bonzen zu erreichen; auf der Rückseite des Hochaltars (Ura Kwannon) sind schöne Wandgemälde (selten!) auf Lackgrund. In der Ecke r. im Haupttempel ist die berühmte sitzende Figur des Helfers und Heilers aller Kranken, des Gottes Binzuru (als Verehrer des Weibes wird er meist außerhalb des Allerheiligsten aufgestellt).
L. von den Tempelgebäuden steht auf dem öffentlichen Platze, Asakusa Kōenchi, der zwölfstöckige, 67 m hohe Turm *Ryō-un-kaku (Pl. D 2), im Volksmund Jū-ni-kai (zwölf Stock) genannt, 1890 erbaut, von dem man großartige *Aussicht über die Stadt hat.— Etwa 1/2 km nördl. liegt das weltbekannte *Yoshiwara mit ganzen Straßen von zwei-und dreistöckigen »Mädchenhäusern«, nach der Straße mit Gittern, hinter denen man die Huldinnen in den verschiedensten altjapanischen Kostümen bewundern kann (auch für Damen sehenswert!). In dem Stadtteil herrscht vorzügliche Ordnung und Polizeiaufsicht. Yoshiwara, d. h. »Schilfgefilde«, ist der individuelle Name nur dieses Freudenviertels (generelle Bezeichnung yūkaku) in Tōkyō. Im Frühjahr 1911 ist das ganze Yoshiwara ein Raub der Flammen geworden. Es ist zwar neu im Entstehen begriffen, wird aber nie wieder die alte Pracht erreichen.—Am l. Ufer des Sumidagawa, gegenüber von Asakusa Kwannon, läuft die berühmte *Kirschbaumallee von Mukōjima etwa 2 km nordwärts; am Anfang der Satake Yashikigarten, ein Muster japanischer Landschaftsgärtnerei, ehemals einem Daimyō, jetzt der Dai Nihon-Bierbrauerei gehörig, ferner der »Garten der 100 Blumen« (sehenswert). Am Ende der Allee gutes europäisches Restaurant (Kwagetsu Kwadan); am Ufer des Flusses hübsche Teehäuser; dort Volksfest während der Kirschblüte.