Vom Shimbashi-Bahnhof führt eine lange, enge Straße, anfangs Hikage-chō, dann Shimmei-mae genannt, mit vielen Läden, zum Haupttor (Daimon) des **Shibaparks (Shiba Kōenchi), an dem r. der Kwankōba, einer der besten Basare Tōkyōs (mit festen Preisen) liegt. Der Park hat prächtige uralte Kryptomerien und ist mit Bronze- und Steinlaternen geschmückt. Die sechs buddhistischen Shibatempel rechnen zu den Hauptwerken der japanischen Kunst; sie enthalten die Grabdenkmäler von sechs Shōgunen aus dem Tokugawageschlecht, sind reich ausgestattet mit Schnitzereien, Seidenstickereien, Stoffmalereien und Lackkunstsachen, besonders in Goldlack. (Man widme den Vormittag eines schönen Tages der Besichtigung.) Die Todesjahre der hier begrabenen Shōgune sind 1632 (Shōgun Hidetada), 1713 (Ienobu), 1716 (Ietsugu), 1761 (Ieshige), 1853 (Ieyoshi) und 1866 (Iemochi).—Unmittelbar gegenüber vom Basar (Kwankōba) liegt der Eingang zum Grabmal der Shōgune Ietsugu und Ieshige; ein prächtiges Tor (Ni-ten Mon) führt in einen Hof mit von Daimyōs gestifteten Steinlaternen, am ändern Ende ist das Tor der kaiserlichen Tafel (Choku-gaku Mon), mit Goldinschrift; Drachen umringeln das Tor, durch das man in den innern Tempelhof mit 212 Bronzelaternen gelangt, wo r. ein Glockenturm, l. eine Zisterne mit heiligem Wasser liegt. Ein drittes Tor (O Kara Mon) mit Galerien und einer Kolonnade schwarzer Pfeiler führt zum Tempeltor, das prächtige Schnitzereien (den auf-und absteigenden Drachen, Nobori-ryū und Kudari-ryū zeigt. Eintritt in die Tempelhalle (Schuhe ausziehen!) gegen Spende von 20 sen an den Wächter. Jede Halle ist dreiteilig: äußeres Oratorium (Haiden), Korridor (Ai-no-ma) und Allerheiligstes (Honden); alles reich in Gold und Farben. Der Altar besteht aus Goldlack und Bronze mit Figuren der Shōgune (die nie gezeigt werden) und Götterfiguren (Kwannon, Benten, Shi-Tennō). Überall als Ornament das Dreiblattwappen Kamo-aoi der Tokugawafamilie. —Dann gelangt man durch einen schönen Hof mit Bronzelaternen zu einer Steintreppe, die zu den pagodenähnlichen, einfachen Grabmälern führt. Die Särge sollen 6 m unter den Denkmälern liegen.—Man verläßt diesen Tempel durch das Tor Chokugaku Mon, gelangt dann r. durch eine Reihe Steinlaternen wieder an ein prächtig geschnitztes Tor, hinter dem ein ähnlicher Tempel mit den Grabmälern der Shōgune Ienobu, Ieyoshi und Iemochi liegt (wer Zeit hat, besichtige auch diese Anlage, da sie noch prächtigern Kunstschmuck zeigt).—Eine kleine Seitentür r. führt von da in den Hauptweg, in dem l. hinter dem alten großen Tore (Sammon) der Zōjōjitempel liegt; eine steile Treppe führt in den Oberstock des Tempels, worin Figuren von Shaka (= Buddha) mit Fugen und Monju in Gold, zu den Seiten buntfarbige Figuren der 16 Heiligen (Rakan) stehen. Die große Glocke r., Priesterwohnungen l. Die Haupthalle (Hondō) des Tempels ist leider am 3. März 1910 infolge fahrlässiger Brandstiftung darunter nächtigender Bettler ein Raub der Flammen geworden.—Der kleine Tempel dahinter, Gokoku-den, enthält die vom Shōgun Leyasu hochverehrte »Schwarze Statue« (Kuro-Honzon) des Amida (Amitiābha) von Eshin, eingeschlossen in Goldschrein.— Aus der Zōjōjianlage gelangt man durch eine Tür r. zum Totentempel Ten-ei-in, mit prächtig vergoldetem Allerheiligsten, worin die Schreine der Gemahlinnen und einer Genossin der Shōgune stehen.—Von diesem Tempel gelangt man zum *Tempel des Shōgun Hidetada, dessen Allerheiligstes mit feenhafter Pracht ausgeschmückt ist, ebenso wie die von Goldlack strotzende achteckige Halle *Hakkaku-dō, die das Grabmal Hidetadas enthält, in dessen Schrein aber nur ein Bild des Shōgun und seine Totentafel, während sein Leib unter dem Pflaster ruht.—Kehrt man nun zum Hauptweg zurück, so gelangt man r. bald zu einem großen Tor, das zum Tempel Ankoku-den führt, dessen Halle schöne Gemälde zeigt. Obwohl der Bauart nach buddhistisch, wird der Tempel als Shintōschrein betrachtet, was durch die Gohei (Papierstreifen, shintōistisches Emblem) gekennzeichnet wird. Am 17. jedes Monats wird hier der Shōgun Ieyasu als Shintōgott Tōshōgū verehrt; dann wird sein hölzernes Bildnis gezeigt.—Hinter dieser Tempelanlage erhebt sich der kleine Hügel *Maruyama, von dem schöne *Aussicht über die Tōkyōbucht.—Neben der geschlossenen Pagode am Abhang des Hügels steht das Standbild des Kartographen Inō Chūkei; von da geht man zum kleinen Tempel der Benten auf dem Inselchen des Lotosteiches und weiterhin zum *Red Maple Club (Kōyō-kwan), ein japanisches Teehaus und Restaurant, bekannt durch vorzügliches japanisches Essen und schöne Tanzaufführungen (auf Bestellung Kōyō-odori »Rotahorntanz«, 10-35 Yen). Auch der Shibapark ist am schönsten während der Kirschblüte.—Nicht weit vom Maple Club liegt der kleine Hügel *Atagoyama, zu dem eine steile »Männertreppe« (Otoko-zaka) und eine bequeme »Frauentreppe« (Onna-zaka) hinaufführen; oben steht das europäische Atago-Hotel (Tōkyō-Hotel) und ein *Aussichtsturm, von dem man den Fuji, das Hakonegebirge und die Tōkyōbucht überblickt.—In der Nähe liegt Ōkura's Kunstmuseum, das bedeutendste Privatmuseum Japans (Erlaubnis zum Eintritt erbitten).—Etwa 2 km südl. vom Red Maple Club, halbwegs nach Shinagawa hin, liegen auf dem Friedhof des buddhistischen Tempels Sengakuji die Gräber der 47 tapfern Rōnin (Shi-jū-sh'chi Shi), Nationalhelden Japans, die in echter Vasallentreue den Tod ihres Herrn rächten und dann das Todesurteil des Shōgun—Harakiri (Bauchaufschlitzen)—vor dem Grabe ihres Herrn im Jahre 1701 an sich vollzogen. Alljährlich wandern noch heute Tausende zu den Gräbern und ehren die Helden durch Verbrennen von Weihrauch und Abgabe ihrer Visitenkarten. Innerhalb des Tempeltors werden die Schwerter und Rüstungen der Rōnin gezeigt; die Gräber liegen an der r. Seite eines kleinen viereckigen Hofs. Im westl. Teil der Stadt liegt der ganz in europäischem Stil gebaute und ausgestattete Akasakapalast, die Residenz des Kronprinzen. In dem sich daran anschließenden herrlichen Landschaftsgarten wird im November, der Zeit der Kikublüte und des roten Ahorns, das kaiserliche Chrysanthemum-Gartenfest abgehalten. Daneben liegt der Aoyamapalast. —Weiter hinaus gegen W. gelangt man zum großen Paradeplatz (Aoyama Rempeijō) und den weitausgedehnten Aoyamafriedhöfen.

Man versäume nicht, durch die Hauptgeschäftsstraße Ginza zu fahren, die etwas nördl. vom Shimbashi-Bahnhof bis zur Brücke Kyōbashi führt, und durch ähnliche breite Straßen über die neugebaute massive Nihombashi (r. davon die Yedobashi, woselbst das Hauptpostamt) zur Suda-chō (wichtiger Kreuzungspunkt der elektrischen Bahnen) und weiter bis zum Uenopark und Uenobahnhof fortgesetzt wird; die Geschäftsstraße Naka-dōri mit vielen Altläden läuft der Fortsetzung der Ginza parallel. In der Nähe das Handelsmuseum des Handels-und Ackerbauministeriums (Kōbiki-chō; geöffnet vom 8. Jan. bis 24. Dez., außer an Tagen nach nationalen Festtagen, von 9-4 Uhr, 10. Juli bis 10. Sept. von 8-2 Uhr; Eintritt frei). Morgens ist auch der Fischmarkt in Nihombashi (Pl. 9) sehenswert; von da östl. gelangt man zur größten Brücke Tōkyōs, Ryōgokubashi, die über den Sumidagawa zum buddhistischen Tempel Ekō-in führt; hier das Amphitheater Kokugi-kwan, wo im Januar und Mai große Ringwettkämpfe stattfinden. Etwa 1,5 km nördl. davon liegt der Shintōtempel Kameido (ein Temman-gū, d. h. Schrein des vergöttlichten Sugawara-no-Michizane) mit sehr schönem Park, besonders sehenswert Ende April, wenn die Glyzinien (Wistarias, japanisch Fuji) blühen; im Teich werden Karpfen und Schildkröten gefüttert. In der Nähe der Pflaumengarten von Kameido (Ume-yashiki), Anfang März viel besucht. Nicht weit davon beginnt die Kirschenallee von Mukōjima (S. [400]).—Von der Azumabrücke stromaufwärts erreicht man mit Rikscha in 40 Min. Horikiri, sehenswert zur Zeit der Irisblüte.—Bei Ōji (zweite Station vom Uenobahnhof, 15 Min. Fahrt) der Taki-no-gawa mit herrlichen roten Ahornbäumen (November). —Im W. von Tōkyō: Ōkubo (30 Min. mit Bahn von Iidamachi-Station) zur Zeit der Azaleenblüte; Koganei (11/2 St. von Iidamachi-Station), herrliche Kirschblütenalleen, etwa eine Woche später als Uenopark zu besuchen.—Im SW. Meguro (an der Ringbahn) mit Fudōtempei, angenehm im Sommer.—Im S. Ōmori, zweite Bahnstation von Shimbashi, 15 Min., mit bekanntem Pflaumengarten, Hakkei-en, von wo schöne Aussicht über die Tōkyōbucht; von da etwa 1,5 km nach Ikegami, einem der schönsten Punkte in der Umgebung Tōkyōs. Im Kloster Hommon-ji daselbst starb 1282 der buddhistische Heilige Nichiren; großes Volksfest zu Ehren des Heiligen am 12. und 13. Okt. (Teehäuser Tamba-ya und Akebono-rō).—Wer buddhistisches Leben näher kennen lernen will, mache einen Ausflug nach Narita (etwa 21/2 St. mit der Sōbubahn vom Bahnhof Ryōgoku-bashi) zum Fudōtempei Shinshōji (Gasthof Wakamatsu-ya).

Von Tōkyō nach Nikko.

Eisenbahn, Abfahrt mit der Nordbahn (Nippon Tetsudō) vom Uenobahnhof, Fahrpreis I. 3,40 Yen, II. 2,04 Yen, Fahrzeit etwa 5 St. L. sitzen!—Man fährt über (10 km) Akabane, hier Anschluß der Ringbahn für Reisende, die, von Yokohama kommend, in Shinagawa in die Ringbahn (Suburban Railway) umgestiegen sind. Die Bahn folgt meist der alten Landstraße Ōshu Kaidō, deren alte Kiefern-und Zedernalleen man vom Zuge aus sieht; l. der Fuji, r. der stets dampfende Asama. Über (20 km) Urawa und (27 km) Ōmiya (Gasthof Takashimaya Banshorō, Ōmyia machi), mit schönem Shintōtempel Hikawa Jinja, gelangt man nach (54 km) Kurihashi, wo eine schöne eiserne Brücke über den Tonegawa führt. Dann über (61 km) Koga, einem alten Daimyōsitz, nach (77 km) Ōyama (Gasthof Izukura; Zweigbahnen nach Maebashi, S. [408], und nach Mito); und über (92 km) Ishibashi nach (106 km) Utsunomiya (Gasthof Shirokiya), alter Daimyōstadt mit großem Shintōtempel Nikkō Daimyōjin. Hier umsteigen (im Sommer auch ein durchgehender Zug) in die Zweigbahn nach Nikkō, die über (112 km) Togami und (120 km) Kanuma, dann mit Blick auf die Gebirge von Nikkō meist längs der alten Kaiserstraße Reiheishi Kaidō über (129 km) Fubasami, bergauf über (140 km) Imaichi nach (146 km) Hachiishi, dem Bahnhof von Nikkō führt.

Nikkō.

Vgl. den Plan S. [405].

Ankunft. Vom Bahnhof fährt man mit Rikscha durch das lange Dorf Hachiishi bergauf in etwa 20 Min. durch herrliche Baumalleen und die mit Läden dicht besetzte Dorfstraße, dann über den rauschenden Bergstrom Dayagawa, über den zwei Brücken führen, von denen aber die rote Mihashibrücke nur vom Kaiser benutzt werden darf, 4 km bis zum Fuße des Tempelbergs, wo das Nikkō Hotel liegt.
Gasthöfe: Kanaya Hotel, 15 Min. vom Bahnhof, in prächtiger Lage, vortrefflich, gute Küche; 80 Z., F. 1, Lunch 1,50, Dinn. 2, Supp. 1,25, Pens. von 6 Yen an; heiße und kalte Bäder, Telephon Nr. 1.—Nikkō Hotel, 20 Min. vom Bahnhof, am Fuß der Tempel in schöner Lage, gelobt; 57 Z., Pens. von 4,50 Yen an; Tel.-Adr.: »Arai Nikkō«.—Japanische Gasthöfe: Konishiya; Kamiyama.
Rikschas und für die Bergwege Sänften (kago), Tragstühle (Chairs) und Reitpferde nach fester Taxe zu haben. —Führer in den Hotels zu haben, tägl. 2 Yen, für Ausflüge 2,50 Yen; sie besorgen die Einlaßkarten für die Tempel (Eintritt 80 sen). Mitglieder des Hokō-kwai (Nikkō Preservation Society, 5 Yen Jahresbeitrag) haben stets freien Zutritt zu allen Tempeln. Die Grabdenkmäler der Shōgune sind von 8-4 Uhr offen, man muß beim Betreten der Hallen die Schuhe ausziehen.— Tempelfeste am 17. April, 1. und 2. Juni und 17. Sept.
Geschäftsadressen: Kunstsachen (Spezialität: Aquarellmalereien, Tischdecken, Landschaften etc.): Kobayashi Sasaya, Kobayashi Shōichiro, bei der roten Kaiserbrücke; Otake, Shōbikwan. Viele Läden mit Photos, Holzschnitzereien, Gemälden und Fellen.

Nikkō (610 m), Stadt mit 3500 Einw. in der Provinz Shimotsuke, ist ein berühmter Wallfahrtsort mit herrlichen Tempeln in reizender, vielbesuchter Umgebung am Abhänge des vulkanischen Gebirges Nikkōzan (Berge des Sonnenglanzes) oder Nikkogebirges, am Fuße des erloschenen Vulkans Nantaisan. Die Tempelstadt stammt aus dem 8. Jahrh. und wurde vom 2. Shōgun der Tokugawafamilie zur Grabstätte seines berühmten Vaters Ieyasu (gest. 1616) gewählt; 1651 wurde hier noch der 3. Shōgun, Iemitsu, begraben. Nikkō ist beliebter Sommeraufenthalt und zeigt Anfang November prächtige Laubfärbung der Ahornbäume. Ein japanisches Sprichwort sagt: Brauche nicht das Wort großartig, bevor Du Nikkō gesehen! (»Nikkō wo minai uchi wa, kekkō to iu na!«).

Rundgang. Man besucht zuerst den Palast (Hombō) des Abtes, meist Mangwanji (auch Rinnōji) genannt; l. an der Allee der Westseite dieser Anlage steht ein kleiner Palast Chōyōkwan, Sommeraufenthalt der kaiserlichen Prinzessinnen Tsune-no-Miya und Kaneno-Miya. In der Mangwanjianlage steht die »Halle der drei Buddhas« (Sambutsu-dō) mit großen vergoldeten Figuren des Lichtgottes Amida in der Mitte, r. die 1000händige Kwannon und l. die pferdeköpfige Kwannon. Dahinter im Landschaftsgarten die kupferne Pfeilersäule *Sōrintō, 1643 gegen den Einfluß böser Geister errichtet. Breite Stufen führen zu dem 1618 vom Daimyō von Chikuzen gestifteten granitenen Torii und zum *Ieyasutempel, vor dem l. eine 31 m hohe, fünfstöckige Pagode steht.