Karte des Hawaii-Archipels.


Trägt sie doch auch die beiden einzigen heute noch tätigen Vulkane der Gruppe, den Mauna Loa (4168 m) und den Kilauea (1231 m).—Mit Hawaii betritt der Weltreisende noch einmal ein tropisches Land. Das Klima ist mild und angenehm; das ganze Jahr hindurch weht der Nordostpassat (vgl. S. [411]), der im Winter durch südliche (»kranke«) Winde geschwächt ist. Die Niederschlagsverhältnisse wechseln auf den Inseln sehr stark und oft auf ganz geringe Entfernungen. Die dem Passat zugewendeten Ostabhänge erhalten sehr viel Regen, und zwar am meisten im Winter. Dagegen sind die im Windschatten liegenden Inselteile, also vor allem die Süd-und Westseiten, im allgemeinen trocken, ja zum Teil wüstenhaft. So hat auch Honolulu selbst wenig Regen und seine Umgebung ist von Natur ziemlich kahl; dagegen wird die hinter der Stadt aufsteigende Gebirgswand durch den jeden Tag auftretenden Seewind genügend befeuchtet. Oberhalb einer von 600-1200 m wechselnden Höhe bis höchstens 2400 m aufwärts sind die Berge der hawaiischen Inseln meist in Wolken (»Passatwolken«) gehüllt, über diese Wolkenschicht ragen die großen Vulkane Hawaiis in die klare Luft hinaus. Soweit die Inseln gut befeuchtet sind, tragen sie ein üppiges Pflanzenkleid von tropischem Charakter und großer Eigenart; neun Zehntel aller vorkommenden Pflanzenarten sind endemisch. Auf die tropischen Niederungen, die an der Küste Kokospalmen, Pandanus etc. tragen, folgt von 300-2000 m die Waldzone, die am schönsten in ihrem mittlern Teil zwischen 700 und 1800 m ist, wo sie viele Baumfarne enthält. Andre bekannte Bestandteile des Waldes sind die Koa (Acacia Koa) und der fast ausgerottete Sandelholzbaum (Santalum album). Die im Regenschatten liegenden Teile der Inseln tragen eine sehr dürftige Vegetation, zum Teil sind sie fast wüstenartig.—Auch ein großer Teil der Tierwelt Hawaiis ist endemisch; dazu kommen polynesische und amerikanische Formen. Unter den Vögeln sind der berühmte, fast flügellose Moho ganz, der Mamo fast ganz ausgerottet; beide lieferten das Material zu den schönen gelben Federmänteln der Eingebornenhäuptlinge. Säugetiere waren auf den Inseln mit Ausnahme einer Fledermaus ursprünglich nicht vorhanden.—Die Bevölkerung der Inselgruppe wurde 1910 auf 191900 geschätzt, darunter 1/5 Eingeborne, 1/20 Mischlinge, 3/20 Chinesen, 2/5 Japaner, 1/5 Weiße. Die Chinesen und Japaner sind meist als Arbeiter im Lande; die hohe Zahl der Japaner bereitet der amerikanischen Regierung große Sorgen. Wegen des Überwiegens männlicher Chinesen und Japaner sind 2/3 der Gesamtbevölkerung männlichen, nur 1/3 weiblichen Geschlechts. Die eingeborne Bevölkerung, die 1779: 300000 Seelen gezählt haben soll und sich 1823 noch auf 142000 belief, nimmt schnell ab (1900 nur noch 30000) und wird in absehbarer Zeit wohl ganz ausgestorben sein. Die Hawaiier, meist Kanaken genannt, sind ein schönes polynesisches Volk, von dem nicht sicher bekannt ist, wann und von woher es nach dem entlegenen Archipel gelangt ist. Es hatte zurzeit der Ankunft der Weißen eine achtungswerte Kultur erreicht, verstand z. B. durch Anlage von Kanälen das Wasser aus den Bergen in die trocknen Ebenen zu leiten und diese ertragfähig zu machen. Die Kanaken bauen Taro, süße Kartoffeln, Yams, Zuckerrohr, Bananen, Kürbisse, früher auch den Papiermaulbeerbaum zur Herstellung des Rindenstoffes Tapa und die Kawapflanze (Piper methysticum) zur Bereitung des bei allen Polynesiern beliebten berauschenden Getränks. Außerordentlich geschickt sind sie als Schiffer und Fischer. Sie waren ein kriegerisches Volk und lieben heute noch Faust-und Ringkämpfe, Wettläufe, das Brandungsschwimmen, Musik, Gesang und Tanz. Sonst aber ist von ihren alten Sitten und Eigenarten nicht viel übrig; sie tragen europäische Kleidung und sind »zivilisiert«und»Christen«geworden. Der Schulbesuch ist obligatorisch; es bestanden 1908: 205 Schulen mit 694 Lehrern und 23445 Schülern. Man zählte 1908 etwa 200 Kirchen; ein anglikanischer und ein katholischer Bischof residieren in Honolulu. Wichtigste Erwerbszweige der auf den Inseln ansässigen Weißen sind Plantagenbau sowie Schaf-und Rindviehzucht. Etwa der 20. Teil der Inseln ist kulturfähig; der Lavaboden wird durch Verwitterung sehr fruchtbar; die fast ganz in deutschen Händen befindliche Insel Kauai zeichnet sich besonders aus.


Gebaut wird namentlich Zuckerrohr auf 51 Zuckerplantagen mit 40500 Arbeitern; 1906 wurden 426000 Longtons Zucker ausgeführt. Das Zuckerrohr wird 2-11 m hoch und bis 8 cm dick. Da es auf der SW.-Seite von Oahu (wo Honolulu liegt) an Regen fehlt, so sind zahlreiche große Pumpwerke angelegt; die deutsche Firma Hackfeld treibt täglich 300000 hl Wasser 190 m hoch hinauf. An zweiter Stelle steht der Reisbau, von Chinesen, und der Kaffeebau, von Japanern betrieben; ferner werden Bananen und köstliche Ananas gezogen, und aus der Sisalagave wird sogen. Manilahanf hergestellt. Der Handel richtet sich vorwiegend nach den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Einfuhr besteht in Manufakten, Eßwaren, Bauholz, Maschinen, Tabak, Metallwaren, Spirituosen, Kali (aus Staßfurt), Ammoniak u. a.; die Ausfuhr in Zucker (1908 für 39,8 Mill. $), Kaffee, Reis, Bananen, Ananas, Häuten, Fellen, Wolle, Honig u. a. Fast der ganze Handel geht über Honolulu. Eisenbahnen bestehen auf Hawaii (ca. 150 km), Maui (25 km), Oahu (175 km) und Kauai (19 km), zusammen ca. 370 km, Telegraphen und Telephon finden sich auf den Hauptinseln, die jetzt auch durch drahtlose Telegraphie untereinander verbunden sind. Kabel nach den Vereinigten Staaten und nach Manila.
Geschichte. Die Inselgruppe wurde 1527 zuerst von strandenden Spaniern, dann 1555 von Juan Gaetano entdeckt; Cook suchte sie 1778 auf und benannte sie nach seinem Gönner, dem Grafen John Sandwich (Cook wurde auf Hawaii 14. Febr. 1779 erschlagen). Damals war die Gruppe unter drei Staaten verteilt, die nach langen Kriegen durch Kamehameha von Hawaii, den»Napoleon der Südsee«, 1795 zu Einem Staat vereinigt wurden. Kamehameha I., der Große (1781-1819), hob den Handel, ordnete die Verwaltung und bereitete die Einführung der christlichen Lehre vor, die unter seinem Sohn Kamehameha II. (1819-24) erfolgte. Die ersten (protestantischen) Missionare kamen 1820 von Amerika. Kamehameha III. (1824 bis 1854) gab dem Lande 1840 eine Konstitution. Mit Kamehameha V. starb 1872 der letzte männliche Nachkomme des ersten Kamehameha; man wählte zum Nachfolger Lunalilo, einen Enkel Kamehamehas I., und nach dessen Tod David Kalakaua (1874-91), unter dem das Reich zwar Fortschritte machte, sich aber auch große Schulden aufbürdete. Als er kinderlos starb, folgte ihm seine Schwester Liliuokalani. Ihr Versuch, die Verfassung abzuändern, hatte 1893 eine Revolution zur Folge: 17. Jan. wurde Hawaii zur Republik erklärt; doch bereits 1897 vollzog sich der von der amerikanischen Partei auf Hawaii längst erstrebte, von Japan vergeblich bekämpfte Anschluß an die Union (Flaggenheißung 1898), und seit 14. Juni 1900 ist Hawaii ein Territorium der Vereinigten Staaten, mit einer Volksvertretung, die aus einem Senat von 15 Mitgliedern und einem Repräsentantenhaus von 30 Mitgliedern besteht. Der Gouverneur, sein Sekretär und die Richter aller Gerichtshöfe werden vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt. Die Exkönigin erhielt 1903 von der Union eine Entschädigung zugebilligt. Hauptstadt und Regierungssitz sowie Haupthafen ist Honolulu auf Oahu; der einige Kilometer nw. davon gelegene Pearl Harbour ist zu einem wichtigen Stützpunkte für die Flotte der Vereinigten Staaten ausgebaut (s. S. [420]).