Honolulu, Hauptstadt der Hawaii-Inseln, unter 21° 18' nördl. Br. und 157° 50' westl. L., an der Südküste der Insel Oahu, deren vorgelagerte Korallenriffe einen für die größten Schiffe brauchbaren Hafen bilden, liegt sehr schön, von Laub-und Fruchtwäldern umrahmt und von schön geformten Bergen überragt. Es ist Sitz der Regierung, eines anglikanischen und eines katholischen Bischofs, hat breite, mit Lava oder Korallenkalk belegte und mit Mangobäumen, Akazien, Mimosen, Palmen eingefaßte Straßen, einen 1882 vollendeten königlichen Palast, jetzt Regierungssitz (Kapitol), ein großes Parlamentsgebäude, viele Schulen, Waisenhaus, amerikanisches Missionsseminar, Wasserleitung, elektrische Straßenbeleuchtung, Feuerwehr, 7 Zeitungen und etwa 45000 Einw. (davon 10000 Weiße). Die Industrie (Eisengießerei, Maschinenwerkstätten, Schiffbau) und der sehr bedeutende Handel liegen in den Händen der Weißen. Honolulu ist eine wunderbar schöne Gartenstadt, einer der schönsten Punkte der Erde, und verdient unbedingt einen Besuch, wenn es auch eigentliche Sehenswürdigkeiten wenig gibt. Es ist zu einem Erholungsaufenthalt sehr geeignet und wegen seines milden, fast das ganze Jahr gleichbleibenden Klimas (Mitteltemperatur des Januar 21,2°, des August 25,3°, höchste im Jahr durchschnittlich eintretende Temperatur 30°, niedrigste 13° C; Niederschlagsmenge gering) ein besuchter Luftkurort für Lungenkranke. Die Vegetation weist alle Arten von Palmen auf, in langen Hecken blüht die»Königin der Nacht«und im Wasser zahllose Lotosblumen. Charakteristisch für Honolulu ist der Sonnenregen; bei schönstem Sonnenschein fällt feiner Wasserstaub, der wie Millionen Perlen glänzt.—Rundfahrt. Da Droschken teuer, benutze man die verschiedenen Linien der elektrischen Straßenbahn, um die weitläufig gebaute Stadt, deren Straßen meist reizende Gärten zeigen, kennen zu lernen. Vor dem alten Königspalast (einem einfach-stattlichen Verandenbau) steht ein Denkmal des Königs Kamehameha I., des Großen. Sehenswert ist das Polynesische Museum (Bernice Pauahi Bishop Museum) mit ethnographischer Sammlung, das ein vollständiges Bild der Kanakenkultur gewährt. Von da fahre man zum Kapiolanipark am Meeresstrand, in dessen Nähe das Strandhotel Moana liegt. Dann zu Fuß auf den etwa 150 m hohen Punch Bowl Hill, einen alten Vulkan, der guten Überblick über Stadt und Umgebung gewährt. Lohnende Ausflüge zu Pferd auf den 600 m hohen Mount Tantalus (oben prachtvolle *Aussicht) oder nach dem Vorort Kaimuki zwischen Bergen hinter Diamond Head.
Vor dem Kapiolanipark am Strand von Waikiki (die elektrische Bahn führt in 20 Min. [5 cts.] dahin) liegt das hochinteressante Aquarium, mit tropischer Meeresfauna.—Lohnend ist eine Rundfahrt (Wagen oder Auto) um den Diamond Head (230 m), einen alten Krater, auf dem der Leuchtturm und starke Befestigungswerke zum Schutz der Hafeneinfahrt liegen.—Den Abend verbringe man im Seebad von Waikiki (Moana Hotel).
Ausflüge: 1) Zur *Palischlucht mit Auto, Wagen oder zu Pferd, erfordert 1/2 Tag; man fährt im Nuuanutal etwa 11 km bergauf; das Tal ist reich an Farren und Bäumen (Bananen, Königspalmen); oben prachtvolle *Aussicht. Der Paß ist eine tiefe Felsschlucht, die dadurch eine traurige Berühmtheit erlangt hat, daß Kamehameha I. bei den Kämpfen um die Aufrichtung seiner Alleinherrschaft über die Inseln das Heer der Oahuleute über den Steilabsturz in den Tod jagte. Heute führt eine gute Straße zwischen den steilen, rötlichen, bis 900 m hohen Felswänden durch. Die Zunahme der Niederschlagshöhe vom Stadtgebiet zum Paß beträgt auf 9 km Entfernung nicht weniger als 2800 mm (von 850 mm auf 3650 mm). Auf der Nordostseite steil bergab zur Nordküste der Insel nach dem kleinen Fischerdorf und Hafen Kaneohe, 16 km von Honolulu, umgeben von Zuckerrohrpflanzungen am klippenreichen Strand.
2) Nach *Haleiwa mit der Oahu Railway morgens gegen 9 Uhr oder Nm. gegen 3 Uhr, Fahrzeit 21/2 St. rings um die Süd-und Westküste der Insel, stets dicht am Strand entlang, vorbei an grünen Tälern (mit Reisfeldern, Sisal-und Bananenpflanzungen) nach (56 M) Haleiwa (Haleiwa Hotel), reizend gelegenem feinen Strandhotel mit Seebad, Pens. $ 3-4, wöchentl. $ 21; für Ruhebedürftige zu längerm Aufenthalt sehr empfohlen. Rückweg mit Wagen (im Hotel zu haben) in 11/2 St. durch die größten Ananaspflanzungen der Erde im Mitteltal der Insel nach (18 M) Wahiawa, dann mit der Bahn in 1 St. nach Honolulu. Sehr lohnend ist der Ausflug nach Haleiwa mit Automobil, als Rundfahrt um die Insel (1 Tag erforderlich; 1-4 Pers. $ 50, jede Person mehr $ 5) auf guten Straßen, hin über die Palischlucht (s. unter 1), Lunch im Haleiwa Hotel, dann zurück über Wahiawa, Besichtigung des im Ausbau begriffenen, schon für große Kriegsschiffe benutzbaren Kriegshafens Pearl Harbour, wo große Trockendocks und Marinewerften im Bau sind; er gilt als Flottenstützpunkt gegen Japan.
3) Zur Insel Kauai fährt ein Dampfer in 16 St. von Honolulu Di. Nm. nach den Häfen Nawiliwili, Koloa, Eleele, Makaweli und Waimea (Fahrpreis $ 7); in letzterm landet man mit Eingebornenboot auf dem Strande (zuweilen nasse Fahrt). Dann Wagenfahrt durch das malerische Waimeatal, wo deutsche Zuckermühlen und Zuckerrohrpflanzungen.—Kauai, die nordwestlichste und älteste Insel der Hawaiigruppe, 48 km lang, 42 km breit, 1515 qkm groß, mit etwa 23000 Einw., darunter viele Deutsche, in deren Händen viele Pflanzungen sind. Kauai, das mit der von zahllosen Seevögeln bevölkerten Nachbarinsel Nihoa oder Niihau früher eine einzige Insel gebildet zu haben scheint, besteht aus Basalt, dessen Verwitterungsboden sehr fruchtbar ist; neuere vulkanische Erscheinungen fehlen. Die Insel hat herrliche Waldungen, üppigen Pflanzenwuchs (»Garteninsel«) und steigt in den breiten, mit sumpfigen Waldungen bedeckten Waialeale zu 2000 m auf. Die teilweise mit Korallenriffen besäumte Küste hat gute Häfen: im S. Waimea (Bay View Hotel; sehenswert Olokele Canyon, eine großartige Felsschlucht, das»russische Fort«über dem Hafen, der Manawaiopuna, ein Wasserfall bei Hanapepe etc.; in Lihue [Hotel Fairview] die Wailua-Fälle u. a.) und Koloa, im N. die Hanaleibucht (in Hanalai: Deverill's Hotel, Seebad, in sehr schöner Landschaft; Ausflug nach Wainiha, den Haena-Höhlen und nach Hanakapiai). Gebaut werden Zuckerrohr, Reis, Ananas, Bananen; auch Viehzucht. Eine gute Fahrstraße führt fast um die ganze, landschaftlich sehr schöne Insel. Wo kein Gasthaus, findet man meist gute Unterkunft bei den sehr gastfreien Bewohnern.
Seitentour: Honolulu-Hawaii.
Dampfer der»Inter Island Steam Navigation Co.«(Queen Street, nahe Fort Street) von Honolulu Di. Mitt. in 22 St. nach Hilo, an Mi. Vorm. 10 Uhr; Lunch im Hotel; Besuch des Wasserfalles.—Eisenbahn ab Hilo 21/4 Uhr Nm. nach Glenwood; von Glenwood Omnibus ab 4 Uhr Nm. zum Hotel Volkano House, Ankunft 7 Uhr abds.—- Zurück Fr. Vm. nach Glenwood und Hilo; Dampfer nach Honolulu an Sa. Vm.—Rundtour $ 42, dafür I. Klasse Dampfer, Bahn, Omnibus und 2 Nächte und 1 Tag im Hotel Volcano House.
Hawaii, die größte und südöstlichste der Hawaii-Inseln, ist 150 km lang, 120 km breit, 10398 qkm groß und hat 46843 Einw. Die NO.-Küste ist zwar den herrschenden Winden ausgesetzt, besitzt aber in der Hilobucht die beste Reede der Insel. Die Westküste hat leidlich gute Häfen bei Kealakeakua (wo Cook am 14. Febr. 1779 erschlagen wurde, jetzt dort ein Denkmal für ihn), Kailua und Kawaihae. Das völlig vulkanische Inselland steigt vom schmalen Küstensaum schnell zu einer Lavahochebene an, aus der sich fünf vulkanische Bergmassen erheben. Zwei dieser Vulkane können als ganz erloschen gelten: der 1678 m hohe Kohala im N., von dem nur noch Ruinen vorhanden sind, und die höchste Erhebung der Insel, der 4200 m hohe Mauna Kea. Der im W. liegende Hualalei hat 1801 seinen letzten Ausbruch gehabt. Noch heute sind in kurzen Zwischenräumen tätig der 4168 m hohe Mauna Loa und der Kilauea (1231 m), beide im S. der Insel. Was diese Vulkane von allen andern Vulkanen der Erde unterscheidet, ist die Ruhe, mit der ihre Eruptionen vor sich gehen (Seltenheit von Erdbeben), und die große Dünnflüssigkeit ihrer basaltischen Lava sowie das fast völlige Fehlen von Tuffen und Aschen. Die Dünnflüssigkeit der Lava hat zur Folge, daß die Vulkanberge Hawaiis nur flachschildförmig sind im Gegensatz zu den viel steileren Kegelbergen etwa des Fuji-no-yama oder der Vulkane von Java. Indem die Lava sich weit ausbreitete, füllte sie die Zwischenräume zwischen den einzelnen Vulkanen zum Teil aus, so daß das Innere von Hawaii ein einheitliches, etwa 1200 m hohes Tafelland bildet, das nur gegen die Küsten meist steil abfällt. Ebenso sitzt der Kilauea der SW.-Seite des Mauna Loa als schwache Erhebung auf, obgleich seine Ausbrüche mit denen des Loa gar nichts zu tun haben. Die Ausbruchstätigkeit unterscheidet sich beim Mauna Loa und beim Kilauea sehr scharf dadurch, daß ersterer Lavaströme aussendet, letzterer aber nicht. Die Lavaströme des Loa, die an den Seiten des Gipfels austreten, bewegen sich infolge ihrer Dünnflüssigkeit sehr rasch vorwärts, selbst auf ganz schwach geneigter Unterlage, und erreichen bis zu 45 km Länge. Ganz anders ist die Tätigkeit des vielbesuchten Kilauea; er zeichnet sich gerade dadurch aus, daß die vulkanische Tätigkeit sich auf den Raum des Kraters selbst beschränkt, daß (mit geringen Ausnahmen) auch in den Ausbruchsperioden weder Lava nach außen abfließt, noch Asche oder Bomben ausgeworfen werden, so daß die Vorgänge im Krater aus nächster Nähe gefahrlos beobachtet werden können. In dem flachen Gipfel des Kilauea ist ein großer steilwandiger länglicher Krater eingesenkt, die Mündung des in die Tiefe führenden, der flüssigen Lava zum Aufsteigen dienenden Schachtes. Nur selten, in Zeiten starker Tätigkeit, ist ein größerer Teil der Kraterinnenfläche von frisch aufgestiegener, glutflüssiger Lava angefüllt und bildet einen einzigen Glutsee. Für gewöhnlich aber nimmt den Kraterraum eine Erstarrungskruste aus erkalteter Lava ein, die man gefahrlos bis an den Rand der kesselförmigen Vertiefungen (in der Gegenwart nur der 80 m tiefe, 370 m lange und 305 m breite Halemaumau, d. h. Haus des Feuers) begehen kann, in denen die flüssige Lava auf und ab wogt.
Vom niederschlagsreichen NO.-Abhang der Insel ziehen viele Bäche, häufig Wasserfälle bildend, zum Meer; dieser Teil der Insel wie auch die Südküste sind sehr fruchtbar (Kokospalmen, Mangobäume, Bananen, Bambus); die trockne Westküste sowie das mit Lava bedeckte Innere sind unfruchtbar, zum Teil wüstenhaft, doch findet man auch dort viele verwilderte Schweine, Ziegen und Rinder. Große Zucker-, Kaffee- und Orangenpflanzungen bedecken die Küstenlandschaften.
Man fährt von Honolulu längs der Südküste der Inseln Molokai (mit Niederlassung [in Kalaupapa, wo der Dampfer Post abgibt] für Aussätzige, Leprakranke, unter denen ein französischer Priester in freiwilliger Abgeschlossenheit für Lebenszeit wirkt), dann durch die Auaustraße zwischen Molokai und dem Westende von Maui l. und der Nordküste der Insel Lanai r., dann längs der SW.-Küste von Maui und durch die Alakeikistraße zwischen Maui l. und der kleinen Insel Kahoolawe r. nach Upolu Point, dem Nordkap der großen Insel Hawaii, dann längs deren Nord-und NO.-Küste nach der Hafenbucht von Hilo (Byronbai), 190 Seem. von Honolulu, die durch vorgelagerte Riffe einigermaßen gegen Seegang geschützt ist.
Hilo (Hilo Hotel) ist der Hauptort der Insel Hawaii, mit etwa 4500 Einw. (meist Chinesen und Japaner). In der Umgebung Zuckerrohrbau. Etwa 3 km westl. von Hilo ist der berühmte, 25 m hohe Regenbogenwasserfall des Wailuku.
Ausflüge: Zum Kilauea (1231 m). Man nehme wärmere Wollkleidung (da morgens und abds. kühl), Regenmantel und Schirm mit. Von Hilo (Lunch im Hotel) mit Kleinbahn in 1 St. nördl. über (20 km) Olaa, eine große Zuckerrohrpflanzung. Vom Endpunkte der Bahn, Glenwood, fährt man mit vierspännigem Omnibus durch Baumfarnwälder bergan, mit Ausblicken nach dem 35 km östl. liegenden Vulkan Mauna Loa zum Hotel Volcano House (für längern Aufenthalt geeignet), wo man übernachtet. Das Hotel liegt nahe dem NO.-Ende des Kilaueakraters (vgl. S. [421]), dessen Rand hier nicht mit einem einzigen Steilabsturz, sondern treppenförmig absinkt, so daß die Kraterinnenfläche bequem zu erreichen ist. Von hier zu Fuß (Reitweg; Pferd $ 2, für Damen ratsam) in 11/4 bis 11/2 St. nach dem Lavasee Halemaumau. —1/2 St. östl. vom Volcano House liegt der Einsturzkessel Kilauea-iki, mit 230 m hohen, bereits üppig bewachsenen Rändern.—