Native Town (Black Town; A-C1), die Eingebornenstadt, dicht bevölkert, mit meist engen, oft krummen Gassen, beginnt nördl. vom Crawford Market; sehenswerte Basare, allerdings mit viel Trödel, aber mit interessantem Menschengetriebe an Indern (Hindus und Mohammedaner), Parsen, Afghanen, Arabern. Man achte auf die verschiedenen Kopfbedeckungen. Gelegenheit zur Teilnahme an parsischen Hochzeitsfesten oder hinduistischen Götterfesten (z. B. zu Ehren der Glücksspenderin Lakschmi) sollte man ausnutzen, um das Volk kennen zu lernen. Mitten im Eingebornenviertel liegt Pinjrapol (B1/2), ein Tierasyl (sehenswert, aber nichts für schwache Nerven), wo altes Rindvieh, Ziegen, Schafe, Esel, Büffel und Hunde das Gnadenbrot erhalten; als Weihgeschenke sind auch gesunde starke Tiere dort. Verschiedene Wasserbehälter mitten in der Stadt sind mit Tempeln umgeben.—Im nördlichen Teile der Native Town liegt das Grant Medical College (C1), eine medizinische Hochschule zur Ausbildung von Indern zu Ärzten; damit verbunden ist das große Sir Jamsetjee Jeejeebhoy Hospital (für Parsen getrennt, doch auch für Brahmanen und Mohammedaner), ein Hospital für Unheilbare mit Baracken für ansteckende Krankheiten.—An der Queen's Road, 10 Min. nördl. von Marine Lines Station, sind die Leichenverbrennungsstätten (A2, Hindu Burning Ground), längliche Höfe mit Warteräumen, in deren Mitte auf eisernen Gabelständern der Leichnam mit Holz umgeben wird (bei Reichen kostbare Hölzer!); Asche und Knochenreste werden nachher ins Meer geworfen.

Umgebung: 1) Malabar Hill (etwa 6 km von Colaba Station, zu erreichen mit Wagen vom Hotel aus, oder mit Bahn von Colaba bis Grant Road Station, wo man frühmorgens in der Bellasis Road die Araberställe und-pferde besichtige, die von Arabern nach Bombay zum Verkauf gebracht werden, dann mit Wagen) auf der Halbinsel an der Westseite der Back Bay; Fahrweg dahin sehr schön längs des Strandes. Auf der Südspitze der Halbinsel Malabar Point stehen die Villengebäude des Gouverneurs; in ihrer Nähe eine Batterie. Die Spazierfahrt längs der Westseite des Malabar-Hügels bis nach Breach Candy ist eine der schönsten von Bombay und abends von Wagen und Reitern viel besucht. Auf Malabar Hill ist das gesündeste und vornehmste Viertel mit Villen und Gärten. Dicht beim Gouvernements-Bungalow sind die malerischen Tempelanlagen von Walkeshwar, ein berühmtes Hinduheiligtum. Gibbs Road, die nördliche Fortsetzung der Ridge Road, führt nach dem Gipfel des Malabar Hill. Dort nordöstlich der Villenanlage die

*Türme des Schweigens (Towers of Silence), die Begräbnisstätte der Parsen, die größte Sehenswürdigkeit Bombays (Eintrittskarten zur Besichtigung [71/2-9, 21/2-41/2 Uhr] besorgt der Hotelportier). Der Eingang führt durch ein modernes eisernes Tor, eine steinerne Freitreppe hinauf in einen schönen Garten durch eine innere Mauer; von da nimmt ein Parsi-Priester die Führung. Bei dem steinernen Bethaus, in dem das ewige heilige Feuer brennt, hat man einen prächtigen Rundblick über ganz Bombay und die See. Der Führer zeigt ein Modell der Türme.

Es sind fünf Türme, die Hans Meyer wie folgt beschreibt: » ... sie können besser runde Terrassen genannt werden. Jeder hat nur einen Eingang, der durch einige Stufen von außen zugänglich ist. Nur den die Leiche begleitenden Trägern und Priestern ist der Zutritt zum Turm gestattet. Die innere Einrichtung ist sehr einfach. Der Turm ist in drei konzentrische Ringe geteilt, in deren jedem eine gewisse Anzahl von Mulden ausgehöhlt ist. In die Mulden des äußern Ringes werden die männlichen Leichen, in die des mittlern die weiblichen und in die des innersten die Kinderleichen gelegt. Nach dem Zentrum hin sind die Ringe etwas geneigt.


Dort ist ein runder Schacht in das Mauerwerk eingelassen, in den das Regenwasser abfließt und der später die Gebeine aufnimmt.«Sobald eine Leiche in den Turm gelegt ist, fallen Scharen von Geiern über sie her und fressen in kaum einer Stunde alles Fleisch auf. Beim Ausbruch der Pest mußten mit großen Kosten mehr Geier herbeigeschafft werden. Die Knochen werden in den Schacht geworfen und zerfallen da. Das aus dem Schacht abfließende Regenwasser wird durch eine Kohlenschicht geleitet und desinfiziert, ehe es in See fließt. Der größte Turm hat etwa 7,6 m Höhe und 84 m Umfang.« —Diese Bestattungsweise der Parsi entspricht dem Gebote des Zendavesta, der Bibel der von Zoroaster gegründeten iranischen Nationalreligion, daß die Elemente nicht durch Berührung mit Verwesungsstoffen verunreinigt werden dürfen, und daß im Tode reich und arm sich begegnen müssen.

Auf demselben Bergrücken, der die Türme des Schweigens trägt, liegt der Sportplatz Ladies' Gymkhana, mit Tennis-und andern Spielplätzen, abends sehr besucht; Ehrenmitglieder werden zugelassen. —Nördl. von Malabar Hill liegt Camballa Hill (88 m), ebenfalls mit vielen hübschen Bungalows und Villen besetzt und nahe bei Grant Road Station. Man achte in den Gärten auf Schlangen!

2) Byculla (etwa 4 km mit Bahn von Victoria Stat.), an der Parel Road das Albert-und Victoria Museum, mit Standbild des Prinzgemahls, im Victoriapark (Victoria Gardens), einem schönen Botanischen Garten mit Tiergarten; zweimal wöchentl. Militärmusik. —In Parel (4 km nördl. von Byculla, an derselben Bahn) wird der alte Gouverneurspalast als Laboratorium für Pestuntersuchungen benutzt.
3) Elephanta (Fahrt von Apollo Bandar mit Cooks Dampfer in 11/2 St., 7 Rup. die Person, meist tägl. Nm. 2 Uhr ab Taj Mahal Hotel, Rückkehr 7 Uhr), eine kleine Felseninsel, 9,5 km östl. von Bombay, ist wegen ihres alten Hinduhöhlentempels sehenswert, der aus dem 8. Jahrh. stammt. Prächtige, aber meist heiße Fahrt durch den Hafen. Vom Landungsplatz vor der Ostseite der Insel führen bequeme Steinstufen zu dem Höhlentempel, der etwa 76 m über dem Meere liegt, 43 m breit und lang sowie 4 m hoch ist; er war durch 42 aus dem Felsen gehauene Säulen gestützt, die zum Teil zerstört sind. Gegenüber dem Haupteingang ein 6 m hohes Brustbild der Dreieinigkeit Brahmas, Wischnus und Schiwas; die vielverschnörkelten Riesenreliefs sind schwülstig und ohne künstlerischen Wert, aber die Technik des Baues ist zu bewundern. Giftschlangen sollen zahlreich auf Elephanta vorkommen. Der Hinduname für Elephanta ist Gharapuri (Felsen-oder Höhlenstadt). (Andre Höhlentempel findet man in Kanhari in der Mitte der Insel Salsette; in Montpezir, Bahnstation Borivli; in Jogeshivar, Bahnstation Goregaon.)
4) *Ellora (Elura), ein Ausflug auf 2-3 Tage, beschwerlich, aber sehr lohnend; mit Great Indian Peninsula-Bahn von Victoria Station in etwa 9 St. zu erreichen; Fahrpreis I. 14 Rup., II. 7 Rup.; Entfernung 212 M. Erlaubnis zur Benutzung der Rasthäuser (Rest houses) in Ellora erhält man auf Antrag vom Residenten in Hyderabad.—Die Fahrt zwischen Bombay und Igatpuri ist eine äußerst malerische Strecke und sollte bei Tage gemacht werden; man fahre mit Mittagszug bis Igatpuri dem Schnellzug, der abends fährt, voraus. Bei Riva verläßt die Bahn die Insel Bombay und führt über einen Damm (Sions Causeway) nach (10 M) Kurla mit früher berühmten Baumwollmühlen, dann an der Ostküste der Insel Salsette nach (21 M) Stat. Thana (Tanna; Rasthaus), einer sehr alten portugiesischen Niederlassung (1298 erwähnt schon Marco Polo den damals blühenden Handelshafen), die im 16. Jahrh. blühende Seidenindustrie hatte, jetzt von Katholiken bewohnt; viele portugiesische Nachkömmlinge. Die Bahn führt südl. von Thana über eine Brücke zum Festland und dann am l. Ufer des Usher-und Ulhasflusses nach der sehr alten Stadt (34 M) Stat. Kalyan (Bahnwirtschaft), wo r. die Madras-Bahnlinie (S. [96]) abzweigt.