*Udaipur (620 m; guter Gasthof mit beschränktem Raum, deshalb Vorausbestellung zu empfehlen; Tongas zu haben; Missionsarzt der Church of Scotland am Orte), die wunderbar malerische Hauptstadt des Mewarstaats und Sitz des Maharana (Fürstentitel) Dhiraj Sir Fateh Singh, des Hauptes der ältesten indischen Adelsfamilie, gegründet 1568 von dessen Vorfahren, dem Maharana Udai Singh, hat jetzt etwa 46000 Einw. und ist mit bastionierten Mauern umgeben. Dr. J. Schmittmann nennt sie eine der schönsten Städte Indiens: »Dort verwirklichen sich die Träume, die man in Europa von der Pracht und dem Farbenreichtum Indiens träumt: das bunte Volksleben und die malerischen Marmorpaläste findet man sonst nirgendwo mehr«.—Sofort nach Ankunft bitte man den englischen Residenten um Erlaubnisschein zur Besichtigung der Paläste, um einen Reitelefanten des Maharanas und ein Boot zum Befahren des Sees; alles wird kostenlos zur Verfügung gestellt (Trinkgeld!). Nähere Auskunft gibt der Wirt des Gasthofs. Die Residency und die Missionshäuser liegen westl. vom Gasthof. Die Hauptstraße der Stadt führt vom Hathi Pol-Tor vorbei an einem Uhrturm und an dem großen *Jagannath-Tempel (1640 erbaut) zum *Palast des Maharanas, der in beherrschender Lage einen Hügel krönt. Durch das Große Tor (Bari Pol, 1600 erbaut) gelangt man in den Schloßhof, wo viele Elefanten angekettet bereitstehen. Geführt von einem Diener, durchwandert man die vielen sehenswerten Räume des Palastes; von einem Dachgarten *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Nach S. dehnen sich die Gärten des Maharanas aus, nördl. unter dem Palast breitet sich ein märchenhafter See mit kleinen Palmeninseln und Marmorkiosken aus. Zur Kahnfahrt auf dem See nehme man einen Nachmittag und beobachte von einer Insel den Sonnenuntergang.
Bei Rückfahrt gegen Mittag ab Udaipur hat man einige Stunden Zeit, die alte Ruinenstadt von *Chitorgarh (Dâk Bungalow 1,5 km vom Bahnhof, gut, auch gutes Essen; wegen Erlaubnis zur Besichtigung des Forts und Benutzung eines Reitelefanten schriftlich beim Hâkim, Oberbeamten des Ortes). Die Ruinen liegen auf einem steil abfallenden Hügel von 150 m Höhe (Rudyard Kipling beschreibt das Fort in »The Naulakha« und »Letters of Marque«). Ein breiter Zickzackweg führt durch mehrere Tore in die Feste hinauf. Man besteige die berühmten beiden Dschaintürme des Ruhmes und des Sieges; der siebenstöckige *Tower of Fame (Sri Allat) soll 896 erbaut sein und ist ebenso wie der 1458 bis 1468 erbaute *Tower of Victory (Jai Stambha) ganz mit interessantesten Skulpturen bedeckt.
Von Ajmer führt die Hauptbahnlinie (S. [67]) weiter nach:
(699 M, 1125 km) Stat. Jaipur, Dschaipur, Jeypore (482 m; Jaipur Hotel [Bes. Parse], von Deutschen gelobt, Pens. 7 Rup.; Kaisar-i-Hind-Hotel, nahe dem Bahnhof, 1,5 km vor der Stadt, leidlich, Pens. 6 Rup.; Wagen, Tongas, Ponies, Elefanten besorgen die Gasthöfe), Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums und Residenz des Maharadscha, eine wunderlich malerische und gesunde Stadt mit 136491 Einw., zwischen Hügeln; viele Tempel und Moscheen, große Bankgeschäfte, Kunstgewerbe für Export und Touristenwaren (Einkäufe in der sehenswerten indischen Kunstgewerbeschule »School of Art« [feste Preise] oder in den Werkstätten von Zoroaster, sonst Vorsicht [tüchtig handeln!]: Emaillesachen, Metallvasen, Schmuckdecken, Teller, Granaten, gelbe Topase); Teppich-, Musselin-und Kattunwebereien. Aufenthalt 2-3 Tage ratsam, um auch Amber (S. [69]) besuchen zu können. Eine Mauer mit hohen Türmen und sieben prächtigen Toren umgibt die Stadt. Der Maharadscha hält eignes Militär (Musik geleitet von einem deutschen Kapellmeister); Zeughaus, Geschützgießerei.—Rundfahrt vom Hotel 1,5 km zum Bronzetor vor der prächtigen, breiten Hauptstraße, deren Häuser, alle in gleichem Stil, rosa bemalt sind mit weißen Ornamenten; buntes Straßenleben, viele Tauben, interessanter Markt. Der *Palast des Maharadscha (Erlaubnis zum Besuch besorgt das Hotel) mit prächtigem Garten (Teich mit Krokodilen), der siebenstöckigen Chandra Mahal, das Hauptgebäude mit dem Audienzsaal Diwan-i-Khas aus weißem Marmor. Östl. davon die berühmte alte Sternwarte des Radscha Jai Singh II. (der Jaipur 1728 gründete und den Namen gab) mit seltsamen Instrumenten. Daneben der große Marstall mit 300 Pferden (viele glasäugige und Schecken, aber nur etwa 10 besserer Klasse) und einigen Elefanten; hier auch die Zenana (Harem).—Ein bizarrer Bau ist der Hawah Mahal (Palast der Winde, von Jai Singh II. erbaut), dessen Front nach der Hauptstraße liegt; Uhrturm und Zeughaus sowie eine Druckerei liegen im innern Palasthof. Östl. vom Audienzsaal ist der von Kolonnaden umgebene Exerzierplatz. Vor dem Haupteingang steht das Ushwari Minar Swarga Sul, »das Himmel durchbohrende« Minaret.—An der Stadtmauer ein schöner Park mit Tiergarten (sehr wilde Königstiger) und in der Mitte der Prachtbau Albert Hall, ein reichhaltiges Museum für alte und neue indische Kunst, nebst naturwissenschaftlichen Sammlungen; es ist eins der größten Museen Indiens und wird durch die Freigebigkeit des Maharadscha fortwährend bereichert.—Man besuche auch das Maharaja's College, eine Schule des Maharadscha für etwa 1500 Zöglinge aller Religionen, mit schöner Bibliothek, sowie die School of Art, eine indische Kunstgewerbeschule.— Dicht nö. der Stadtmauer liegen die *Gedächtnistempel (Chhatris, Chuttries) über den Verbrennungsplätzen der Radschas; man nehme einen Führer, da der Weg durch einen verwilderten Park (Schlangen!) führt. Auf dem Hinweg zahllose Affenherden, die man füttern kann (aber Vorsicht; nicht necken oder reizen). Jai Singh's Chhatri ist der schönste.—11 km südl. von Jaipur liegt Sanganer, mit altem Palast und Krischna-Tempel.
Ausflug nach Amber (Alt-Jaipur), 8 km von Jaipur in den Bergen des Aravalligebirges gelegen. Erlaubnis zum Besuch erteilt der Resident (durch Vermittelung des Gasthofs); Elefanten durch den Hotelwirt für 10 Rup. (doch ist das Reiten unbequem); bis zu den Bergen fährt man im Wagen. Der Weg ist sehr schön, er führt zwischen Parks und Villen der Radschputen-Aristokratie, Palastruinen (eine mit Krokodilteich) und Kandelaberkaktusgebüschen hindurch in 1 St. bis zu einem freien Platz, wo man den Wagen mit Pferden verläßt (Ochsenwagen fahren bis Amber) und wo event. der Elefant wartet (hier Rasthaus, Essen vorausbestellen, Getränke zu haben). Von hier geht (oder reitet) man auf gutem Weg in 40 Min. bequem bis *Amber; oben prächtige Aussicht auf die graue Ruinenstadt von Amber in einer Talsohle und das helle Jaipur in der Ebene. Das alte Schloß ist völlig verlassen, nur einige Fakire hausen in den Ruinen; man reitet bis zum Tor, geht dann durch den großen Hof über Terrassen und Gänge, sieht prächtige Marmorbauten mit Steingitterfenstern, Kiosken, Bädern, Gärtchen in edelstem maurischen Stil.—Amber wurde 1728 wegen Wassermangel oder nach der Überlieferung infolge einer Prophezeiung von Jai Singh II. verlassen, weil die Stadt ein Jahrtausend alt sein sollte und er, um sein Herrscherhaus zu erhalten, eine neue Hauptstadt gründen müßte. In der Zenana (Harem) von Amber hielt sich der letzte mohammedanische Herrscher 928 Frauen, darunter nur 28 Ranis (Königinnen); die Fenster der Zenana sind noch dicht vergittert.—Schon Ptolemäus erwähnt die malerische Schönheit von Amber; nur in Gwalior ist noch ein indischer Palast von ähnlicher Schönheit.
Ausflug nach Gulta. Mit Wagen durch die Stadt zum Fuß des Berges in 3/4 St., dann 1/2 St. zu Fuß auf guter Straße hinauf und auf der andern Seite hinab 1/4 St. nach *Gulta; ein enges Felsental mit 1500 Jahre alten, teils verlassenen Hindutempeln in herrlicher Lage in enger Schlucht mit reizenden Tankanlagen. Zurück auf demselben Wege; für den sehr lohnenden ganzen Ausflug genügt ein Nachmittag.
Die Bahn von Jaipur nach Delhi durchläuft in 8 St. die einförmige Ebene des Bangangaflusses und sodann das fruchtbare Hügelland des Staates Alwar und berührt (792 M) Stat. Alwar (597 m; Dâk Bungalow), Hauptstadt (56740 Einw.) eines Radscha. Königspalast mit wertvoller Bibliothek orientalischer Manuskripte (ein »Gulistan«, von Agha Sahib [angeblich einem Deutschen] geschrieben, der 200000 Mk. wert sein soll!); ferner Zeughaus (reich), Marstall mit 500 Pferden, Mausoleum des Bakhtawar Singh, ein Elefanten-Festwagen, das Tripuliya (Grabdenkmal des Tarang Sultan, gest. 1350), mehrere Tempel. Vom Fort, 300 m über der Stadt, prachtvolle Aussicht, man nehme zum Aufstieg eine Sänfte (chair). Tigerjagd in der Umgebung.