Delhi (252 m), Hauptstadt der britischen Division der Provinz Punjab, demnächst Hauptstadt des indischen Kaiserreichs, mit 232859 Einw. (zur Hälfte Hindu, etwa 80000 Mohammedaner), liegt inmitten der steppenartigen Jumna-Ebene, die nur in der Regenzeit mit frischem Grün überzogen ist, am rechten, hohen und aufgemauerten Ufer des schiffbaren Flusses Jumna (Dschamna) und ist rings mit einer hohen und starken Stadtmauer umgeben (mit Graben und Glacis). Die schmutzige, enge SW.-Hälfte ist die Eingebornenstadt; in der andern Hälfte liegen prächtige Bauwerke, darunter im Fort der alte Königspalast (s. unten). Wegen seiner vielen Moscheen und Tempel wird Delhi das »Rom Asiens« genannt. Eine aus der Blütezeit Delhis stammende Wasserleitung wurde von der englischen Regierung wiederhergestellt. Delhi besitzt viele Schulen, Druckereien und Zeitungen. Die Industrie ist nicht bedeutend; berühmt sind die Gold-und Silberarbeiten, Musselin-und Schalweberei und die Schnitzerei. Die Bedeutung von Delhi beruht gegenwärtig auf der Größe des Handels (Indigo, Baumwolle, Seide, Korn, Ölsaaten, Metalle, Salz, Hörner, Häute, Tabak, Zucker, Öle, Gold-und Silberwaren). Die Umgebung ist meilenweit bedeckt mit den Ruinen des alten Delhi oder Indrapat, zwischen denen wieder eine Reihe von Dörfern entstanden ist. Unter den vielen zerstörten Palästen, Moscheen und Grabmälern ist am berühmtesten der (14 km südl.) Kutab Minar (S. [74]).
Rundgang. Das stark befestigte Fort mit dem alten *Königspalast, 1632 von Schah Jahan aus gewaltigen Mauern von rotem Sandstein erbaut, liegt auf einer Anhöhe über dem Flußufer an der Ostseite der Stadt (Besichtigung erlaubt), Haupteingang von der Hauptstraße Chandni Chauk (Silver Street) durch das gewaltige Lahore Gate; ein Arkadengang führt geradeaus in die Musikhalle Nakkar Khana (Pl. 1), dahinter die öffentliche Audienzhalle Diwan-i-Am (Pl. 2), mit Marmorthronsockel an der Rückwand (den juwelengeschmückten Pfauenthron, der hier oder im Diwan-i-Khas stand, raubte 1739 Schah Nadir, er steht jetzt in Teheran); nun nach l. durch Quergebäude in die private Audienzhalle *Diwan-i-Khas (Pl. 3), eine offene Marmorhalle von seltenster innerer Schönheit und Pracht, mit vier vergoldeten Marmorkuppeln und Mosaiken, deren Edelsteine leider längst geraubt sind (mit der persischen Inschrift: »Und gibt es ein Eden der Wonne auf Erden—— Du findest es hier! und nur hier kann's Dir werden!«). R. von der Halle liegt der Saman Burj (Jasminturm, Pl. 4) mit märchenhaften Frauengemächern und der Rang Mahal (Pl. 5), eine gemalte Halle. Nördl., also l. vom Diwan-i-Khas, prächtige Marmorbäder (Akab Baths, Pl. 6) und westl. daneben die kleine, aber feine *Perlmoschee (Moti-Masjid, Pl. 7) aus weißem und grauem Marmor mit Bronzetor und drei Kuppeln, erbaut um 1660 von Aurangzeb, benannt nach jetzt gestohlenen Perlmuttereinlagen. Dazwischen reizende Anlagen mit Marmorterrassen. Jetzt ist der Palast teilweise in Kasernen verwandelt; seit 1904 wird auf Betreiben des damaligen Vizekönigs Lord Curzon (der die schöne Decke im Diwan-i-Khas herstellen ließ) für Erhaltung und Ausbesserung der Meisterwerke indischer und mohammedanischer Architektur von einer ständigen Kommission gesorgt. Statt der frühern Sorglosigkeit ist strenge Aufsicht eingeführt. Ein kleines Museum im Fort enthält besonders Miniaturmalereien der Schule von Delhi unter den Großmoguln. Ausgang durch das sehenswerte Delhi Gate am Südende. —Über die Torbrücke führt ein Fußweg zur Elgin Road, die man kreuzt, um geradeaus durch Khas Road auf den Platz zu gelangen, wo die großartige Jama Masjid (Dschama Masdschid), die größte Moschee der Erde, steht. Sie erhebt sich auf einem 9,5 m hohen, 140 m breiten und langen Viereck von roten Sandsteinquadern und ist aus weißem Marmor erbaut, der mosaikartig mit rotem Sandstein abwechselt. Den Haupteingang bildet eine prächtige Freitreppe, die Decke drei weiße Marmorkuppeln mit schwarzen Streifen, an jedem Ende der Front ein 45,6 m hohes Minaret (oben prächtiger *Rundblick). Besuch der Moschee am besten Freitag mittags, wo Tausende von Mohammedanern den Platz füllen, um zu beten und die Vorlesung aus dem Koran anzuhören.—Nun südl. nach der Schwarzen Moschee, Kalan Masjid, 1386 vom Firoz Schah Tughlak im Stil der ursprünglichen arabischen Moschee erbaut, nahe dem Turkuman Gate.—Zurück denselben Weg und am Dschaintempel (Jain Temple) nw. von Jama Masjid vorbei zur Hauptstraße Chandni Chauk (Silver Street), die vom Lahore Gate des Forts fast 2 km bis zum Lahore Gate der Stadtmauer westl. läuft und mit den besten indischen Kunstgewerbeläden besetzt ist; an ihrem Westende die Fatehpuri-Moschee (1650 aus rotem Sandstein erbaut). In der Mitte der Chandni Chauk ein Springbrunnen, dabei die Sonahri Masjid oder Goldene Moschee mit drei Goldkuppeln; östl. und r. davon der Moti-Basar.—Dann östl. weiter und durch die nächste Querstraße l. nach dem prächtigen Queen's Garden mit steinernem Elefanten (aus Gwalior 1645 vom Großmogul Schah Jahan hierher geschafft). An der Nordseite des Queen's Gardens läuft die Queen's Road am Bahnhof vorbei; man folge ihr östl. bis zur ersten Querstraße l., in der Post und Telegraph liegen; dann l. in die Hamilton Road, hier r. die Bibliothek, l. das Polizeiamt.
Umgebung: 1) Fahrt nach Alt-Delhi (Firozabad). Die Trümmer der alten riesigen Millionenstadt reichen fast 30 km südl. vom jetzigen Delhi; man fahre aus dem südl. Stadttore Delhi Gate südl. am Gefängnis und Irrenhaus vorbei; etwa 4 Min. östl. liegt das alte dreistöckige Fort Firozabad (Kotila genannt); auf seinem Dach steht die *Lat- oder Asoka-Säule, ein Monolith aus rotem Sandstein, 13 m hoch, mit Inschriften, wovon die zunächst sichtbaren, in etwa 3 m Höhe, im Nagri-Dialekt aus dem Jahre 1524, darüber aber das wichtige Edikt von Asoka, um 255 v. Chr., in den ältesten bisher in Indien bekannten Schriftzeichen abgefaßt sind. Weiter sö. (3 km südl. vom Delhi Gate) die alte Feste Purana Kila (Indrapat) mit Tor; innen die stilvolle Kila Kona-Moschee (1541 erbaut).—Etwa 1,5 km südlicher das prachtvolle *Mausoleum des Großmoguls Humayun in einem wohlgepflegten Park; Humayun, Sohn Babers, des Erneuerers der Dynastie Timurs auf dem Thron von Delhi, starb infolge Sturzes von der Treppe in Purana Kila 1556; sein Mausoleum ist eins der prächtigsten Indiens, in ihm sind 150 Mitglieder der Familie der Großmoguln beerdigt.
—Nun westl. zum Grabmal des heiligen Nizam-ud-din Aulia, einem Säulenprachtbau mit großer Kuppel; man steige aus und gehe durch die Säulenhalle Chausath Khambe, in deren Umgebung noch viele stimmungsvolle Grabdenkmäler liegen, darunter westl. vom Chausath Khambe das Grab des Dichters Amir Khusrau (der Papagei von Hindustan), gest. 1315; nahebei das Grab der frommen Jahanara, Tochter des Schah Jahan (gest. 1681). Auch das Mausoleum Safdar Jangs, etwa 1,5 km westl., ist sehenswert. Dann Rückweg auf der Hauptstraße nach Delhi, an der 3 km südl. vom Ajmer Gate r. (östl.) Jai Singh's Sternwarte liegt (1724 erbaut). Man tut gut, den Ausflug nach Alt-Delhi in Abschnitte (s. die Zeiteinteilung, S. [71]) zu teilen wegen der vielen Sehenswürdigkeiten.
2) Fahrt zum *Kutab Minar, der größten Sehenswürdigkeit Delhis, etwa 17 km südl. vom Ajmer Gate; beansprucht frühen Aufbruch, dauert etwa 4 St. (Dâk Bungalow, mit gutem Essen, vorhanden, man bestelle aber voraus; während der Reisezeit ist für Essen und Getränke genügend gesorgt, doch für größere Gesellschaften auch dann Vorausbestellung ratsam. Ein etwa 1/2 km vom Gasthaus entferntes Mausoleum ist als Dâk Bungalow für höhere englische Beamte eingerichtet; Reisende mit besondern Empfehlungen können auf Wunsch Erlaubnis zum Übernachten erhalten, um am nächsten Tag die alte Festung Tughlakabad (8 km; s. weiter unten) zu besuchen. Man fährt durch das Ajmer Gate an der Sternwarte Jay Singh's und dem Mausoleum von Safdar Jang (s. oben) vorbei; weiterhin liegt r. vom Wege (3,5 km nördl. von Kutab) der große verfallene Wasserbehälter Hauz Khas (vom Sultan Ala ud-din Khiliji 1293 erbaut) und südl. davon eine Gelehrtenschule und das Grabmal von Firoz Schah.—Das *Kutab Minar ist ein Riesenminaret (»Polarstern«-Minaret) von 76 m Höhe, 14,5 m unterm und 3 m oberm Durchmesser mit fünf äußern Galerien; 375 Stufen führen zur Turmspitze, von der prächtige *Aussicht auf die Trümmer von Alt-Delhi und über die weite Punjab-Ebene. Neben dem Minaret steht die teilweise verfallene Moschee Kuwat-ul-Islam (Bau 1191 begonnen), einst ein Prachtwerk ersten Ranges, im Innern eine Säule aus massivem Schmiedeeisen von 7 m Höhe und 40 cm Durchmesser mit Sanskritinschrift aus dem 3. Jahrh. n. Chr.; vor der NW.-Ecke der Moschee das älteste bekannte indische Grabmal des Altamsh (gest. 1236). Sö. vom Kutab Minar liegt das Tor Alai Darwazah, daneben das Grabmal des Imam Zamin und nördl. von dem großen Ala ud-din-Hof, der, mit Resten von Säulengängen umschlossen, die ganze Anlage quadratisch einfaßt, liegt der dicke, runde, niedrige Turm Alai Minar (etwa 1312 erbaut).—Etwa 8 km östl. vom Kutab Minar liegt die alte Festung *Tughlakabad und südl. daneben das schöne Grabmal des Tughlak.
Fortsetzung der Bahnfahrt nach Calcutta (s. S. [82]).
1. Seitentour: Delhi-Umballa-Simla.
219 M (352 km) Eisenbahn, in etwa 12 St. etwa für I. Kl. 37 Rup., II. Kl. 20 Rup.—Von Delhi nach Umballa zwei Linien: Die westliche kürzere über Panipat bleibt auf dem rechten Jumna-Ufer, die östliche macht einen Umweg über Meerut.