Alle drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.— Reisebureau: Binny & Co.Konsulate: Deutsches Reich, Konsul M. Miersch.—Österreich-Ungarn, Konsul E. Steiner.—Polizei: Egmore Police Court, Pantheon Road.
Ärzte: Dr. Niblock; Dr. Giffard; Dr. Robertson.—Zahnärzte: Badcock; P. Furnival.—Apotheken: Smith & Co., Mount Road und Esplanade; Maclure, Mount Road, u. a.—Krankenhaus: General Hospital, nahe Central Station.
Buchhandlungen: Higgenbotham & Co.; Combridge & Co., beide Mount Road.—Photographien: Wiele & Klein; Del Tufo, beide Mount Road.
Geschäftsadressen: Optiker: W. E. Smith & Co.; Lawrence & Mayo, beide Mount Road.—Kleidermacher: Moses & Co.; Smith & André; Oakes & Co., sämtlich Mount Road.—Reiseartikel: Spencer & Co.—Juweliere: Orr & Sons; T. R. Tawker & Sons, beide Mount Road.—Zeitungen: Madras Mail; Madras Times; Hindu; Madras Standard.
Zeiteinteilung. Für die Stadt Madras, Museum, Botanischer Garten und Marina genügt 1-11/2 Tag. Madras ist aber ein guter Platz, um die südindischen Tempelanlagen in Trivalur, Conjeeveram, Mahabalipuram, Tanjore (S. [127]) sowie die Nilgiri-Berge (S. [128]) zu besuchen.
Geschichte. Fort St. George in Madras wurde 1639 von den Engländern erbaut; die Agentur der Englisch-Ostindischen Kompanie wurde 1653 Präsidentschaft; die Stadt hatte Anfang des 18. Jahrh. schon etwa 300000 Einw., wurde 1746 von La Bourdonnais erobert, fiel aber im Aachener Frieden 1748 wieder an England zurück. In den Kriegen gegen Haidar Ali wurde Madras hart bedrängt, entwickelte sich später aber zur dritten Handelsstadt Ostindiens.
Klima. Im Sommer heiß und trocken, aber ungefährlich, im Winter gesund. März bis Oktober, wo der SW.-Monsun weht, sind heiß und trocken, Regenzeit im NO.-Monsun, Oktober bis Dezember. Das Einsetzen des NO.-Monsuns Mitte Oktober ist meist von heftigen Stürmen begleitet. Heißeste Monate sind Mai und Juni (Mitteltemperatur etwa 31,5° C), kühlste (aber nicht kalt) Dezember bis Februar (Mitteltemperatur etwa 24,3° C).

Man trinke kein Leitungswasser, sondern nur Sodawasser!

Madras (Madrissa, d. h. Hochschule, oder Mandar-raj, von den Eingebornen Chennapatnam genannt), Hauptstadt der Presidency of Madras (of Fort St. George), wichtigster Platz an der Koromandelküste und drittgrößte Seestadt Indiens, hat 517335 Einw. und ist Sitz des Gouverneurs. Die Stadt zieht sich 15 km am flachen Strande hin und ist mit den Vorstädten 6 km breit. In der Mitte des Strandes liegt das alte Fort St. George (auch White Town genannt), worin das Grand Arsenal mit historischer Waffensammlung, ferner die Kasernen der europäischen Truppen, die St. Mary's Church und die Regierungsgebäude. Die Esplanade trennt das Fort von der George Town, dem Eingebornenviertel und Geschäftsviertel mit engen, schmutzigen Straßen; davor am Strande liegt der durch zwei Wellenbrecher gebildete Hafen mit Zollamt, Hafenamt, Postamt, Bank of Madras, Geschäfts-und Warenhäusern. Auch größere Schiffe können jetzt nach Umbau des Hafens in diesem ankern.—Südl. vom Fort zieht längs des Strandes die Hauptpromenade, The Marina, hin, die auf der Napier's Bridge über den Cooum-Fluß führt; hinter der Marina liegt etwa 1 km sw. vom Fort das Government House (Palast des Gouverneurs) mit Park und südl. davon der Chepauk Park, mit dem alten Palast der Nabob von Karnatik, jetzt Board of Revenue.—Westl. vom Fort liegen das Pacheappah's College, eine Stiftung des reichen Hindu Pacheappah Mudelliar, ferner das General Hospital.—Westl. von der Central Railway Station ist der schöne öffentliche People's Park, ein Volkspark mit Musikpavillon, Tennisplätzen und Tierkäfigen.—Vom Government House führt die 11 km lange Mount Road, die Hauptstraße für europäische Geschäfte, sw. nach St. George Cathedral, neben der der kleine, aber schöne *Botanische Garten liegt, und weiter nach Little Mount, wo der heilige Thomas den Märtyrertod erlitten haben soll, und schließlich nach dem etwas größern Hügel St. Thomas Mount oder Great Mount, auf dessen etwa 90 m hohem Gipfel eine alte, jetzt armenische Kirche (1547 von Portugiesen erbaut) steht; in ihr ein 1111 Jahre altes nestorianisches Kreuz mit Inschrift von 801.—In der katholischen Kathedrale St. Thomé am Südende der Marina sollen die Gebeine des heiligen Thomas ruhen.—In der Pantheon Road liegt das Museum, daneben das Victoria Technical Institute (s. unten); 1,5 km westl. davon das 1792 gegründete Madras Observatory (Sternwarte), wo der Nullpunkt der trigonometrischen Aufnahme Indiens ist, und wo die Standard Time (die indische Ortszeit) bestimmt wird.

Rundfahrt. Morgens zunächst durch das Fort St. George, dessen Waffensammlung im Grand Arsenal nur für Kenner Interesse bietet, über die Esplanade nach dem Hafen (sehenswerte Landungsbrücke), von da nach dem People's Park, wo man die Tigerkäfige und Markthalle besichtigt. Dann nach der Pantheon Road zum *Government Central Museum, tägl. geöffnet 61/2 Uhr früh bis 5 Uhr abds. (der erste So.-Nm. im Monat nur für eingeborne Frauen!); es enthält unter anderm eine gute Sammlung von Rohstoffen und fertigen Erzeugnissen des Chinin sowie von südindischen Pflanzenfarbstoffen; ferner südindische ethnographische Altertümer; große Sammlung von Gipsmasken indischer Rassen und naturhistorische Sammlung. Dann in das *Victoria Technical Institute, einen schönen mohammedanischen Bau, tägl. geöffnet von 71/2 früh bis 6 Uhr abds. (außer Di.), staatliche Verkaufsstätte für alle Kunstprodukte Südindiens, auch für gute und preiswerte Antiquitäten. Dann durch Harris Road und über Harris Bridge zur Mount Road, an deren Ecke in prächtigem Park (mit Rudeln halbzahmer Gazellenantilopen) das Government House liegt; nun sw. durch den mit europäischen Geschäften besetzten Teil der Mount Road, vorbei an der Statue des Generals Neil vor dem Eingang zum Klub, an der St. George Cathedral (l.) vorüber zum *Botanischen Garten, neben der Kathedrale, nicht sehr groß, aber recht geschmackvoll angelegt, mit von Schlingpflanzen umrankten Lusthäuschen und schilfumsponnenen Teichen, auf denen prächtige Lotos und Victoria Regia blühen. Viele seltene Prachtbäume, Hibiscus tiliaceus, Pompelmus, Teakbaum u. v. a.—Wenn Zeit vorhanden, fahre man über Little Mount bis Great Mount (s. oben) und durch den Ort Mailapur (St. Thomé), mit vielen indischen Tempeln und nur von Brahmanenpriestern und ihren Familien bewohnt, richte sich aber so ein, daß man vor 1/2-5 Uhr Nm. bei der St. Thomé Cathedral am Strand ist, um von da nordwärts auf die zwischen 5 und 6 Uhr abds. belebte Promenade am Meer, die *Marina, zu fahren und dabei auch den an Gazellen reichen Chepauk Park zu besichtigen. Man kann auch vom Botanischen Garten direkt durch die Cathedral Road nach der Marina gelangen. An der Marina liegt auch ein kleines, aber sehenswertes Aquarium mit farbenprächtigen und merkwürdigen Fischen.

Ausflüge (alle landschaftlich wenig lohnend, aber zu interessanten Kunstdenkmälern führend): 1) Nach Trivalur (Trivellore) mit »Madras and Southern Mahratta Railway« (26 M in 11/2 St.) zum Besuch einer großen Tempelanlage mit 5 äußern und 2 innern Gopuras, einer unvollendeten 1000-Säulenhalle (688 stehen noch) und vielen sehenswerten Heiligtümern.
2) Nach Conjeeveram (das südindische Benares) mit derselben Bahnlinie (in 3 St. über Arkonam), eine der 7 heiligen Städte, mit 40000 Einw.; 3 km vom Bahnhof liegt der Ekambarah Swami geweihte große Saiva-Tempel, an dessen Südseite eine 57 m hohe zehnstöckige Gopura, durch die man eintritt; innen l. eine 1000-Säulenhalle (nur noch 540). Außerhalb der Umfassungsmauer nach O. ist ein hoher kunstvoller Wagen mit schweren Holzrädern. In das Allerheiligste (Vimanah) darf kein Europäer, kann sich aber an den Naúch-Tänzerinnen in nächster Nähe ergötzen. Etwa 3 km weiter liegt der Wischnutempel in Little Conjeeveram, in dem man die kostbarsten Geschmeide und mit Edelsteinen besetzte Goldketten der Statuen der Gottheiten besichtigen kann. (Wer Madura und Trichinopoly gesehen, kann sich diese beiden Ausflüge sparen.)
3) Nach *Mahabalipuram, sehr lohnend; man lasse durch den Hotelbesitzer die Fahrt sowie Ausrüstung mit Lebensmitteln gut vorbereiten. Mahabalipuram (guter Dâk Bungalow) liegt am Meeresstrande, etwa 56 km südl. von Madras. Man fährt (NB. mit gut gefülltem Frühstückskorb!) zunächst mit Wagen bis (9 km) Guindy Bridge, nahe Little Mount; von dort fährt man in Booten (jedes Boot etwa 10 Rup., trägt 2 Reisende ohne Diener) auf dem Buckingham Canal 12-14 St., am besten nachts, bis gegenüber vom Dorfe Balipitham. Man kann auch von Madras (Egmore Station) mit der South Indian Railway nach (35 M) Chingleput (guter Dâk Bungalow) fahren, vorher den Station-Master benachrichtigen, der das Nötige bestellt; man fährt von Chingleput mit Tonga (21/2 Rup.) über Tirukalikundrum zum Kanal und von da mit Boot weiter. Man steigt an der Ostseite des Kanals aus, wo sich aus dem flachen Strandgürtel ein niedriger Rücken Gneisfelsen erhebt. Dort liegen, aus dem Stein gehauen, die berühmten *Sieben Pagoden (Seven Pagodas), teils sehr alte Nischentempel, reich mit Skulpturen geschmückt, dann auch freistehende Pagoden und kolossale Skulpturmonumente (Elefanten, Affen und andre Tiere). Hier ist die ganze Brahminenlehre in Stein dargestellt, zum Teil in weit über ein Jahrtausend alten Denkmälern. Die ganze Anlage war eine uralte Brahminen-Freistätte, wie sie (nach W. Gallenkamp) rätselhafter und weniger bekannt nirgends in Indien anzutreffen ist. Bootsrückfahrt am besten wieder nachts, wobei man sich gegen Moskitos mit Netz und Rauch schütze.
4) Nach Ootacamund (sehr lohnend), s. S. [128].


5. Aus Europa durch den Suezkanal nach Colombo.

Die Insel Ceylon.