Von den zahllosen Palmenarten ist eine der schönsten die in mehreren Alleen angepflanzte, in Ceylon heimische Talipotpalme (Corypha umbraculifera); ihr kerzengerader weißer Stamm wird mehr als 30 m hoch, ihre Gipfelkrone entwickelt riesige Blattfächer; im Alter zwischen 50 und 80 Jahren blüht die Palme ein einziges Mal und stirbt dann ab. Sehr interessant ist der sogen. »Baum der Reisenden« (Ravenala madagascariensis), eine prächtige Musazee, die in ihren Blattscheiden schmackhaftes, kühles Wasser ansammelt. Der Garten ist voll tropischer Vögel, Eichhörnchen und Fliegender Hunde.
Im Garten ist ein sehenswertes *Museum (tropische Hölzerarten, Pflanzenfasern, Drogen, getrocknete Früchte u. a.) und daneben eine botanische Versuchsstation (sehenswert, mit riesigem Garten für sich, Direktorwohnung und Wirtschaftsgebäuden) für landwirtschaftliche, chemische und zoologische Untersuchungen (auch für Mikroskopie und Photographie), dessen Benutzung auf Antrag beim Direktor des Gartens (J. C. Willis) auch fremden Forschern gestattet wird. Man fährt vom Hauptgarten in kleinem Boot über den Fluß und meldet sich im Kontor des Direktors, nachdem man sich an der Landungsstelle in ein Buch eingeschrieben hat.
Gegenüber vom Bahnhof eine Teepflanzung nebst Fabrik und in der Nähe die Kakaopflanzung Gangaruva.
Ausflug nach Lanka Telika. Die Umgebung von Kandy bietet Gelegenheit zu lohnenden Ausflügen, worüber »Burrow's local guide to Kandy« Auskunft gibt. Rikschafahrt (etwa 11/2 Rup.) zum Mahawelli Ganga, dann mit Fähre übersetzen und 20 Min. zu Fuß zum Felsentempel (Rock temple), wo in Granithöhle ein 10 m langer schlafender Buddha aus dem Felsen gehauen, grell bemalt.—Drei ganz verschiedene Buddhatempel kann man besuchen, indem man von Kandy zunächst 8 km auf der Straße nach Kadugannawa zu fährt, dann auf schmalem Pfad reitet, zunächst zu dem neuen, aber schön zwischen Felsenhängen gelegenen Tempel von Gadaladenya, dann zu dem alten, halbverfallenen Tempel von Galangolla und schließlich zu dem architektonisch seltsamen, auf dem Gipfel eines Felsens erbauten Tempel von Lanka Telika. Den Wagen trifft man auf Verabredung wieder 14 km von Kandy auf der Straße nach Gampola.

Von Kandy nach Anuradhapura.

Northern Railway von Kandy über Polgahawela nach (111 M) Anuradhapura in 51/2 St. Von Colombo direkt in 53/4 St.

Von Kandy nach (30 M) Polgahawela s. S. [115]. Von hier geht die Northern Railway nördl. über (43 M) Kurunegala (Rasthaus), der Hauptstadt der NW.-Provinz, die auf einem vereinzelten, über 300 m hohen Felsen mitten in der Ebene liegt (*Aussicht).—Nicht weit nö. das alte Buddhistenkloster Ridi Vihare, sehr malerisch auf einer Anhöhe.—Weiter führt die Bahn über (70 M) Maho (von hier Ausflug nach [7 km, davon etwa 2 km Fußweg durch Dschungeln] Yapahu, wo einer der malerischsten alten Tempel, der Malagawa, früher Aufenthalt des heiligen Zahns von Buddha, liegt; der Tempel hat prächtige Treppenanlagen und seltsame Fenster mit reichem Bildhauerschmuck; man bitte den Station Master der Abfahrtstation in Maho-Station einen Wagen [Bullock car] telegraphisch vorauszubestellen).—Die »Northern Railway« führt weiter nach (111 M) Anuradhapura (s. unten) und über den Elephant Pass (Meerenge) nach (230 M) Jaffna (S. [124]) an der Nordspitze Ceylons sowie bis zur Hafenstadt (241 M) Kankesanturai (s. [124]); Fahrzeit von Colombo bis Jaffna 121/2 St., bis Kankesanturai 13 St.

Um das Innere Ceylons kennen zu lernen, fährt man von Kandy am besten, wenn man die Kosten nicht scheut, mit Privatautomobil (s. S. [110]), eine herrliche Fahrt, bis Anuradhapura auf guter Fahrstraße; oder zunächst mit der Bahn nach (26 km) Matale (Rasthaus gut, Ankunft vorausmelden; Verpflegung zu haben), einem blühenden Dorf mitten in Teepflanzungen. Von Matale nach Dambulla fährt täglich ein Postautomobil (etwa 10 Uhr Vm. ab) in 41/2 St., Fahrpreis 6 Rup., von da weiter nach Trincomali in 18 St., Fahrpreis 15 Rup. Der Weg führt bald hinter Matale an dem sehenswerten Buddhatempel Alu Vihara vorbei, dessen Kloster über der Straße malerisch zwischen Felswänden liegt. Kurzer Aufenthalt in (48 km) Nalande (Rasthaus gut, mit Verpflegung, liegt unter einem riesigen Tamarindenbaum versteckt); dann folgt schöne Berglandschaft, bis (72 km) Dambulla (Rasthaus so gut wie ein Gasthof), großem Dorf am Abhang eines dunkeln Felsens mit Höhlentempel. (Ausflug mit Automobil oder Bullockcar nach (24 km) *Sigiri, senkrechter Felsen mit herrlichen Ruinen aus der Ebene aufsteigend, einst starke Feste, aus dem 5. Jahrh., mitten im Wald; nach Sigiri floh König Kasyapa, nachdem er seinen Vater Dhatu Sena ermordet hatte. Der Rasthauswart von Dambulla hilft bei Anordnungen für den Ausflug; in Sigiri ist auch ein Rasthaus.) Dann mit Privat-Bullockcar (beim Rasthauswart in Dambulla vorausbestellen) weiter auf hoher Brücke über den Mirisgoni Oya nach (93 km) Kekerawa (gutes Rasthaus); von hier kann man auf gutem Fahrweg (13 km) den großen Wasserbehälter von Kalawewa besuchen (Staudamm erbaut im Jahre 460 vom König Dhatu Sena), der mehr als 100 Dörfer und die Stadt Anuradhapura mit Wasser versorgt. Von Kekerawa durch einförmigen Wald über (113 km) Tirapane (Rasthaus) nach

(135 km) Anuradhapura (Hotel Anuradhapura, gut, Pens. 10 Rup.; Führer und Auskunft zu haben; in der Nähe wohnt der englische Government Agent; Postautomobil tägl. nach Trincomali, gegen 2 Uhr mitt. vom Hotel, Fahrpreis etwa 30 Rup.; man erkundige sich vorher, vgl. S. [110]), jetzt großes Dorf, ehemals Hauptstadt von Ceylon, wurde um 500 v. Chr. vom König Anurado erbaut (von Ptolemäus Annurogrammum genannt) und war dann viele Jahrhunderte die prächtigste Kultusstätte des Buddhismus.

Der chinesische Pilger Fa Hiam schilderte 412 n. Chr. seinen Besuch der Stadt; er staunte über »die Pracht der Bauwerke, den Reichtum der edelsteinbesetzten Statuen, die überwältigende Größe der Dagobas, die Zahl der Priester, die in der Stadt mehr als 5000, im Kloster zu Mihintale an 2000 betrug«. Etwa 2 Jahrhunderte später schreibt das singhalesische Buch Lankawistariyayo: »Die Entfernung vom Haupttor zum Südtor beträgt 4 Stundenmärsche, ebenso vom Nord- zum Südtor. Hauptstraßen sind die Mondstraße, die König Hingururek-Straße und die Mahawellastraße, deren erstere an 11000 Häuser zählt, viele davon zwei Stockwerke hoch. Kleinere Straßen gibt es unzählige. Der Palast hat lange Reihen von Gebäuden, manche 2-3 Stockwerke hoch, und seine unterirdischen Gänge sind von großer Ausdehnung« (nach Hans Meyer). Mit den Einfällen der Tamulen und Malabaren verschwand die Stadt aus der Geschichte und wurde von Urwald überwachsen; seit 1872 hat der Gouverneur Gregory das Dickicht lichten und die wichtigsten Ruinen freilegen lassen.