Übernachtung im Bungalow von Goondloped.—Die 3. Tagereise führt wiederum durch gutes Jagdgebiet, abends erreicht man
Nanjangud (Nandschangad), Stadt mit sehr heiligem Tempel, wo im März dreitägiges Wagenfest stattfindet; Endpunkt der Madras and Southern Mahratta Railway; man benutze womöglich noch den Abendzug nach
(15 M) Mysore, Maisur (770 m; Dâk Bungalow; Bahnwirtschaft; Gordon Hotel, gut; Royal Hotel), Hauptstadt des gleichnamigen Staates, mit 68111 Einw., am Fuße des Chamundihügels, auf dem ein Tempel steht, wo bis zur Zeit von Haidar Ali Menschen geopfert wurden; auf dem Wege zum Gipfel steht ein riesiger Nandi (heiliger Stier des Schiwa). Alter und neuer Palast des Radschah. Marstall, Zoologischer Garten.
Ausflug nach Seringapatam (wo keine Schlafgelegenheit für Europäer und

der großen Fiebergefahr wegen dringend vor Übernachten dort gewarnt wird) mache man mit Wagen von Mysore. Seringapatam (Srirangapattan), die alte Hauptstadt des Staates Mysore, liegt auf einer Insel des Flusses Cauvery (Kaveri), hat nur noch 2000 Einw., zur Zeit Tippu Sahibs aber 150000. Im Mausoleum ruhen Haidar Ali und sein Sohn Tippu Sahib. Die Stadt ist nach dem sehr alten Tempel Vishnu Sri Rangam genannt. Der Besuch der engen, ungesunden Stadt hat geschichtliches Interesse.
Die Madras and Southern Mahratta Railway führt über
(54 M) Maddur (Bahnwirtschaft), unbedeutende Stadt mit zwei großen Wischnutempeln, Narasinh Swami und Varada Raja. Von hier Ausflug mit Tonga (10 Rup., 24 St., Vorausbestellung nötig) nach den Cauvery-Wasserfällen (lohnend in der Regenzeit; elektrische Kraftstation für das Kolargoldfeld), südlich nach (27 km) Malvalli (Dâk Bungalow), dann 20 km nach dem »See von Siva«. Die Wasserfälle sind bei der Insel Sivasamudram während der Regenzeit eine 1 km breite Wasserfläche; Höhe der Fälle etwa 90 m.
Von Maddur fährt die Bahn in 3 St. durch welliges Gelände mit bizarren Felsbrocken, Maisfeldern und Palmenwäldern nach
(102 M, 164 km) Bangalore (916 m; City Station mit Bahnwirtschaft; West End Hotel, 45 Z., Pens. 6-8 Rup.; Cubbon Hotel, 36 Z., Pens. 5 Rup.; Bowring Hotel; Cunningham Hotel; Droschken nach Tarif; Motorwagen der Indian Cycle & General Engineering Co., Stafford House, und des Motor House, South Parade; Bank of Madras), Hauptstadt des Vasallenstaates Mysore, mit 159046 Einw.; stark besetzte Militärstation und wichtiger Handelsplatz für Getreide, Baumwolle und Teppiche. Bangalores dichtbevölkerte Altstadt (Petta) hat enge, krumme Straßen, viele Moscheen und Hindutempel, in einem eine berühmte Statue der Göttin der Schönheit; südl. davon liegt das alte Fort mit dem Arsenal, im NO. das englische Viertel mit vielen Kirchen, der Wohnung des britischen Residenten für Maisur, Regierungsgebäude, Central College, Zentralgefängnis. Außerhalb der Stadt liegt der neue Palast des Maharadschah und der schöne Park Lal Bagh mit Botanischem Garten. Bedeutend ist die Teppichweberei, Anfertigung von goldenen und silbernen Tressen, Gerberei. Die Stadt liegt im Grünen, das aber weniger tropisch als in Madras ist; man sieht Ahorn und Pappeln. Bangalore ist als gesunde Stadt mit angenehmem Klima beliebter Ruhesitz für englisch-indische Pensionäre.
1) Ausflug nach den Cauvery-Wasserfällen mit Motorwagen von Bangalore (s. oben) teurer, aber schneller und bequemer als von Maddur mit Tonga (s. unter Maddur).
2) Ausflug nach den *Gersoppa-Fällen von Bangalore mit der Bahn (Poona-Linie) über (131 M) Birur (umsteigen; in 9 St., Rückfahrkarten I. Kl. 24, II. 12 Rup.) nach (169 M) Shimoga (Dâk Bungalow), Distriktshauptstadt mit 8000 Einw., am l. Ufer der Tunga; Manganeisengruben in der Nähe; von da mit Motorwagen (in Bangalore vereinbaren und Platz bestellen bei der Indian Cycle etc. Co.; 4 Personen je 38, 3 je 50, 2 je 75 Rup.; die Gesellschaft trifft auf Bestellung auch Fürsorge für Unterkunft und Verpflegung, Tag 10 Rup.).


Der Ausflug dauert von Shimoga je einen Tag hin und zurück mit Automobil; für Reisende mit Bullock-Tonga sind Rasthäuser in (24 km) Ayanur, (48 km) Anantpur, (74 km) Sagar, (88 km) Talgappe und (104 km) *Gersoppa-Fälle (auch Gairsoppa oder Jog Falls genannt); die vier Wasserfälle des Sharasvati-Flusses sollen zu den schönsten der Erde rechnen, der erste (Radschah genannt) fällt 240 m fast senkrecht hinab, der zweite (Roarer) hat zwei Stufen, der dritte (Rocket) besteht aus vielen kleinen Fällen, der vierte (Dame Blanche) aus einer Reihe von Strudeln. Das Landschaftsbild mit dem Felsenbett und Uferdschungeln ist großartig; die malerische Wirkung wechselt mit dem Sonnenstand; Felsentauben umflattern die Fälle, Regenbogen überspannen das Flußtal. Dicht bei den Fällen sind zwei Bungalows für Fremde, deren Wächter auch einfache Nahrung kochen: doch nehme man reichlich Lebensmittel und Getränk mit.
Zur Fahrt nach Madras in Bangalore City Stat. umsteigen, dann über (145 M) Bowringpet Junction (Zweigbahn [10 M] nach Marikuppam, mit Goldminen des Kolargoldfeldes) nach (189 M) Jalarpat Junction (Bahnwirtschaft; umsteigen in den Zug nach Madras, dann über (241 M) Katpadi (Bahnwirtschaft; 6 km südl. die Tempel von Vellore, an einer Zweigbahn, die auch nach Villupuram, S. [128], führt); ferner über (256 M) Ranipet (Stat. für die [8 km südl.] geschichtlich interessante Stadt Arcot, die schon Ptolemäus erwähnt) und über (279 M) Arkonam nach (321 M) Madras (S. [100]).

Von Madras nach Calcutta.

Madras and Southern Mahratta Railway vom Zentralbahnhof in Madras, Schnellzug Vm. mit durchgehenden Wagen bis (1032 M, 1661 km) Calcutta (Howrah Stat.) in 43 St. für I. Kl. 91, II. 44 Rup. 4 annas; Gepäcküberfracht (S. [50]) pro maund 6 Rup. 4 annas. (Wegen Änderungen des Abfahrtbahnhofs erkundige man sich vorher.)
Geographisches. Die Bahnfahrt längs der flachen Ostküste des Dekhans bietet landschaftlich wenig, ist aber doch weniger einförmig als die durch die Gangesebene. Der östliche Küstenstreifen der vorderindischen Halbinsel ist gut angebaut; da die natürliche Feuchtigkeit dazu vielfach nicht ausreichte, sind zahlreiche Kanäle angelegt, die das Flußwasser überallhin verteilen. Der Bahnbau hat zahlreiche Brücken nötig gemacht; denn das Dekhan dacht sich nach O. hin ab, und die Zahl der in die Bai von Bengalen mündenden Wasserläufe ist deshalb sehr groß. Meist sind es kleinere Flüsse, die von den Ostghats, dem östl. Randgebirge des Dekhans, herabkommen, aber dazwischen auch einige große, nahe der Westküste der Halbinsel entspringende Ströme: Kistna, Godavery, Mahanadi. Der größte von ihnen ist der Godavery, 150 km länger als der Rhein und mit einem Einzugsgebiet von der Größe Preußens. Die Verkehrsbedeutung aller dieser Flüsse ist gering. Die großen Ströme laufen in Deltas aus, die besonders fruchtbar sind, aber von der Bahn umgangen werden müssen. Der Küstenstrich selbst ist hafenlos, sandig, vielfach mit Dünen besetzt, aber mit Kokos-und Palmyrapalmen bewachsen. Mehrfach sind große Haffe entstanden, so nahe nördlich von Madras, und der Chilkasee (S. [133]). Küstenstädte von Bedeutung fehlen.