Sie bilden einen Gebirgshorst, dessen allseitig steil abfallende bewaldete Flanken von schluchtartigen Erosionstälern zerfurcht sind, während sich oben ein verhältnismäßig wenig zerschnittenes Hochplateau ausdehnt, mit breiten, flachen Tälern und parkartiger Vegetation.
Von Trichinopoly (S. [127]) schmalspurige Eisenbahn bis (88 M; 243 M von Madras) Erode Junction (165 m; Bahnwirtschaft; gute Schlafgelegenheit im Bahnhof); umsteigen auf die Hauptlinie der South Indian Railway (Madras-Calicut-Mangalore); die folgenden Entfernungen sind von Madras gerechnet. In (302 M) Podanur zweigt unsre Linie nach den Nilgiribergen r. ab (man frage, ob Umsteigen nötig!) und erreicht, allmählich durch prächtige Gegend ansteigend, über (305 M) Coimbatore (436 m), Stadt mit 40000 Einw., in der Nähe die schöne Pagode von Perur, den Endpunkt der Hauptbahn (327 M) Mettupalaium (Matipolliam; Bahnwirtschaft), 451 m ü. M. Von hier führt eine schmalspurige Zahnradbahn (Nilgiri Mountain Railway), l. sitzen!, durch herrliche Gebirgslandschaft mit wilden Bächen und Wasserfällen, Ausblick auf blaue Berge und dichtbewaldete Hügel, nach (344 M) Coonoor (1860 m; Bahnwirtschaft; Glenview Hotel [deutscher Besitzer Wutzler], Pens. von 6 Rup. an; Gray's Hotel; Hill Grove Hotel; sämtlich gut; Pasteursches Institut für Südindien), eine besuchte, windgeschützte Sommerfrische mit etwa 18° C mittlerer Jahreswärme und 1400 mm Regenmenge im Jahr; Sim's Park und Umgegend sehr schön, besonders der etwa 11 km entfernte, 90 m hohe Kartairi-Wasserfall.—Von Coonoor fährt die Zahnradbahn über Wellington (Militärlager 5 km von Coonoor) und mehrere kleine Haltestellen durch prächtige Berglandschaft aufwärts in 11/2 St. nach
(356 M) Ootacamund, Utakamand, kurz Ooty oder Uti genannt, der besten Sommerfrische Südindiens, 2390 m ü. M., mit 13,5° C mittlerer Jahreswärme (Januar 11,6°, April 16,1°).
Gasthöfe: Sylk's Hotel, Inhaber G. D'Angelis & Son, Madras.—Rosemount Hotel.—Shoreham House, empfohlen, Pens. 5 Rup. im Vorfrühling.— Farrington; Fir Crove; Centre Hotel. —Post u. Tel. nahe der St. Stephanskirche und dem NO.-Ende des Sees.— Wagen (Tongas) für Ausflüge; Ponys zum Reiten.—Bank: Bank of Madras. —Sanatorium ist während des Sommers im Betrieb, dann sind auch Ärzte anwesend.—Buchhandlung und Geschäfte für europäische Bedürfnisse; Photograph: Wiele & Kleine.
Ootacamund ist die Hauptgesundheitsstation der Präsidentschaft Madras; im Sommer haben der Gouverneur und der Höchstkommandierende ihre Amtssitze hier. Die Bungalows des Ortes liegen weit verstreut in einem von Bergen umgebenen flachen Tale, der größte Teil von Ooty liegt nördl. und nö. von dem schönen (künstlichen) See (2201 m), der 2,5 km lang ist. Ortsvorsteher (Municipal Office), Postamt, Buchhandlung und europäische Läden liegen nö. vom Basar der Eingebornen, etwa 1 km nördl. vom NO.-Ende des Sees. Etwa 3 km südl. vom See liegt Lawrence Asylum, eine Knabenschule mit Turm. Das Regierungsgebäude (Government House) liegt etwa 1 km nö. vom Postamt; dicht dabei der prachtvolle *Botanische Garten, der in einer Reihe Terrassen ansteigt und neben der indischen auch die europäische und australische Flora berücksichtigt; Heliotrope erreichen hier 3 m Höhe und 9 m Umfang, eine Verbena-Art wird 6 m hoch. Am obern Hang des Talkessels ist eine Chinchonapflanzung (Chinarindenbaum, Lieferant des Chinins); auch Tee-, Eukalyptus-und Lorbeerpflanzungen finden sich in der Umgebung von Ooty, die sich durch wundervollen, parkartigen Pflanzenwuchs auszeichnet.
Ausflüge (stets Mundvorrat mitnehmen!) mit Tonga und zu Fuß sind sehr lohnend; der höchste Gipfel Südindiens, der 2628 m hohe Dodabeta, liegt etwa 4 km östlich vom See von Ooty: oben meteorolog. Observatorium: *Aussicht. —Um den merkwürdigen, aussterbenden Stamm der Todas, der hellfarbigen, großen, kräftigen Ureinwohner der Berge mit kühner Adlernase und fast europäischen Gesichtszügen, kennen zu lernen, muß man ihre Ansiedelungen, Mands, etwa 4 halbrunde Hütten, aufsuchen oder ihren heiligen Mand, die pyramidenförmige Strohhütte, Tiriri genannt, in der nur der Priester (Pālāl) mit seinem die heilige Büffelherde bewachenden und die Butter bereitenden Diener (Kawilāl) haust. Im Tiriri wird die heilige Büffelschelle aufbewahrt, als Sinnbild der Hauptgottheit, des Hiriadewa; dieser bringen die Priester Gebete (wobei sie den rechten Daumen auf die Nasenspitze halten und mit den übrigen gespreizten Fingern die Stirn berühren). Die Todas sind dem Christentum völlig unzugänglich. Man ist jetzt geneigt, sie für einen Zweig der drawidischen Völkergruppe zu halten, der sich hier in abgeschiedener Bergeinsamkeit besonders rein erhalten konnte, also das Urdrawidatum repräsentiert. Auf verschiedenen Hügeln, besonders auf dem Karoni Hill, 5 km südlich von Ooty, findet man die sonderbaren Steinkreise der Todas, Phins genannt, die Reliquien, Urnen und hübsche goldene Ornamente enthalten. Ein heiliger Ort der Todas ist der Murkurti Peak (2560 m), etwa 32 km westl. von Ooty, wovon aber nur 13 km im Wagen zurückgelegt werden können, den Rest muß man reiten (man nehme reichlich Lebensmittel und Jagdgewehr mit). Der Weg folgt den Windungen des Pavakflusses bis zur Gabelung mit dem Paikari-(Pykara-)Fluß; man folgt dann letzterm bis zu seiner Quelle, die nur 2,5 km vom Gipfel liegt. Die Westseite des Gipfels fällt schroff etwa 2000 m tief ab. (Vorsicht, da der Boden am Rande sehr locker und unsicher ist!) Oben *Aussicht auf den Kundah (2240 m) und den Avalanche Hill (2590 m). (Andre lohnende Ausflüge nach dem Ranga Swami-Tempel, den Wasserfällen auf dem Sigur Ghat und bei U-Yal-Hatti.)
Den Rückweg von Ootacamund nimmt man am bequemsten über Coonoor nach Madras, s. S. 100.
Von Ootacamund durch das Nilgirigebirge und das südliche Dekhan über Mysore und Bangalore nach Madras; für Jagdfreunde und kräftige Wanderer sehr lohnend, aber anstrengend. Man miete in Ooty einen Bullockcar (etwa 40-45 Rup.) und lasse sich vom »Transitman«, dem Fuhrunternehmer, schriftlich die Bezahlung, auch für den Ochsenwechsel unterwegs, quittieren, versehe sich mit reichlichen Lebensmitteln (Konserven), Getränk und Jagdgewehr, Matratze und Decken und fahre nur in den kühlern Morgen-und Abendstunden. Diese Fahrt fordert von Ooty nordwärts etwa 80 km bis Nanjangud 3 Tage; etwa alle 8 km werden die Ochsen gewechselt, in elenden Dörfchen; zwischen 10 und 4 Uhr Rast im Schatten. Die 1. Tagereise führt durch Hochland mit Tiroler Landschaftsbildern, sodann senkt sich die Straße am Nordabfall des Nilgirigebirges in Zickzacklinien bis zum einsamen Bungalow von Sigur, wo man übernachtet.—Die 2. Tagereise führt durch die Vorberge des Nilgirigebirges durch fast unbewohnte Gegend; gute Jagd auf Dschungelhühner, Holztauben, Falken, zuweilen auch auf große schwarze Adler und Eulen; ferner auf Antilopen, Sambarhirsche, Wildschweine, Stachelschweine (sehr wohlschmeckend!), Hasen, Steinböcke (sehr scheu!), Marder, Schakale, zuweilen auch auf schwarze Bären und Panther. Zwischen dem mannshohen Gras und in den Dschungeln trifft man auch nicht selten auf Königstiger.