Von Calcutta nach Darjeeling

Vgl. die Karte bei S. [64]

Eisenbahn von Calcutta nach (379 M) Darjeeling in 191/2 St. für I. Kl. 49 Rup. 121/2 annas; II. Kl. 24 Rup. 141/4 annas; Rückfahrkarten mit 14 Tagen Gültigkeit I. Kl. 66 Rup. 6 annas, II. Kl. 33 Rup. 3 annas. Schnellzug: ab Calcutta Nm.; an Darjeeling Mitt.; Bettzeug, wollene Decken und warme Kleidung, auch Schleier oder Rauchbrille mitnehmen. Schlafplätze für den Nachtzug von Sara Ghat aus am besten bei Cook & Son vorausbestellen oder telegraphisch von Calcutta aus.—Die Bahnwirtschaften sind verhältnismäßig gut; bei der Rückfahrt Dinner in Siliguri. —Bei der Ankunft in Siliguri (auf der Bergfahrt) sichere man sich sofort einen Platz in der Kleinbahn, ehe man zum Morgenkaffee in den Wartesaal geht.
Geographisches. Durch die heißen, ziemlich einförmigen und kahlen, aber vortrefflich angebauten Ebenen Unterbengalens, die von dem gewaltigen, in seiner Breite fast unüberschaubaren Ganges durchflossen werden, geht es bis an den Fuß des Himalaja. Ein Saum von dicht verfilztem, ziemlich niedrigem Sumpfwald (Tarai) umkleidet ihn und leitet bald in üppigen tropischen Regenwald über, der die untern Berghänge verhüllt. Bei etwa 1000 m Seehöhe beginnt der prächtige subtropische Bergwald mit seiner mannigfaltigen Zusammensetzung (die aber von der des östl. Himalaja in der Gegend von Simla ziemlich stark abweicht) aus mancherlei Laubbäumen, Palmen, Bambus etc., zu denen weiter oberhalb noch die schönen Baumfarne treten. Darjeeling selbst bietet gute Gelegenheit zum Studium dieses Waldes wie der mongolischen Bevölkerung des indisch-tibetischen Grenzgebietes (eine große Straße führt von hier nach Tibet hinein) und des Aufbaues des Himalaja aus einer Reihe schmaler paralleler Gebirgsketten (vgl. S. [44]).

Von Sealdah Stat. im O. von Calcutta mit der »Eastern Bengal State Railway« vorbei am Vororte (5 M) Dum-Dum (spr. damdam), bekannt durch seine Gewehrmunitionsfabrik, in der zuerst die berüchtigten Dum-Dum-Geschosse mit Sprengwirkung angefertigt wurden; dann über (14 M) Barrackpur, mit Landsitz des Vizekönigs und alten Kasernen, nach (46 M) Ranaghat Junction (Bahnwirtsch.) und über (58 M) Bogoola (Bahnwirtsch., 10 Min. Aufenthalt zum Nachmittagstee) nach (103 M) Poradaha Junction (von hier Zweigbahn [47 M] nach Goalanda Ghat, nahe der Vereinigung des Ganges mit dem Brahmaputra, dann mit Flußdampfer und Bahn über Dacca, die alte Hauptstadt Bengalens, nach dem Seehafen Chittagong).—Die Bahn erreicht den Ganges bei (120 M) Damukdia Ghat; hier umsteigen auf die Dampffähre, die in 25 Min. über den sehr breiten Gangeshauptstrom setzt; währenddessen Abendessen an Bord. Die Dampffähre landet bei (132 M) Sara Ghat gegen 21 Uhr; man beachte an den Wagentüren des Zugs die Zettel mit Namen, wenn man telegraphisch Schlafplatz bestellt hat. Dann mit der »Northern Bengal State Railway« in kleinen Wagen von 1 m Spurweite über (156 M) Nattore (bei Rückfahrt wird hier stark geläutet zum Wecken der Fahrgäste, ehe sie zur Fähre kommen) nach

(244 M) Parbatipur (Bahnwirtschaft).

Abstecher nach Assam; Zweigbahn von Parbatipur nach (90 M) Dhubri Ghat, dann Dampferfahrt (wegen Anschluß vorher bei Cook erkundigen!) auf dem Brahmaputra, dem »indischen Rhein«, in 4 Tagen nach Dibrugarh (123 m; Dâk Bungalow), das schon nicht mehr allzu weit von der Austrittsstelle des Brahmaputra aus dem Himalaja entfernt liegt. Der Brahmaputra, ein gewaltiger Strom, fließt durch Assam in einem weiten bewaldeten Tale, meist in zahlreiche Arme aufgelöst. Bei Gauhati (s. unten), wo er nicht geteilt ist, ist er 11/2 km breit. Sein Hochwasser, gespeist aus der Schneeschmelze im fernen Tibet und aus den gewaltigen Regenmengen, die im Sommer über Assam niedergehen, reicht von Mitte März bis in den September. Nahe seinem l. (südl.) Ufer beginnen die Vorhügel der Khasiaberge, eines schönen, niederschlagsreichen u. gut bewaldeten Gebirges mit reichen Teepflanzungen. An der Südseite, südl. von Shillong, liegt Cherra Punji, der regenreichste Ort der Erde (jährlicher Niederschlag 11600 mm).
Die Brahmaputrafahrt gibt Gelegenheit zu Ausflügen nach Shillong, Hauptquartier der Regierung von Assam, 1200 m ü. M., und in die prächtigen Waldberge des Khasiagebirges; sie sind aber beschwerlich, langwierig und teuer; nähere Auskunft gibt Cook's Office in Calcutta.

Von Parbatipur weiter über (305 M) Jalpaiguri nach (328 M) Siliguri (Bahnwirtsch., gut; Dâk Bungalow). Hier beginnt die Darjeeling-Himalayan Railway, eine kleine Gebirgsbahn von 60 cm Spurweite, sehr schmale Wagen, I. und II. Klasse geschlossen oder offen. Rauchbrille oder Schleier zum Schutz gegen den Rauch der Lokomotive sowie warme Decken sind erforderlich. L. sitzen, ein Eckplatz im offenen Wagen gewährt beste Aussicht, man schwebt aber zuweilen über Abgründen; der Mittelplatz ist weniger zugig. Der Temperaturwechsel macht sich stark fühlbar, je höher die Bahn steigt; die Fahrt (51 M) dauert 6 St., anfangs durch Flachland mit Feldern, bald aber Aufstieg in dichtem Urwald (der sogen. »Tarai«) meist längs der alten Fahrstraße; in den Dschungeln hausen Tiger, Elefanten, Rhinozerosse, Leoparden und andres Wild. An Waldlichtungen sieht man auch zuweilen Holz schleppende gezähmte Elefanten. Man übersieht Schluchten mit Himalajazedern (Cedrus Deodara), Palmenwäldern, Feigen-und Mandelbäumen und riesigen Rhododendronbüschen. Bei scharfen Kurven sind Schleifen (loops) angelegt, an andern Stellen Kopfstationen (Spitzkehren), wo die Lokomotive an das Ende des Zugs gesetzt wird. In größerer Höhe werden die Zedern und Eichen seltener, häufiger die Baumfarne (Ferntree, bis 10 m hoch, wie Palmen aussehend).—In (360 M) Kurseong (Bahnwirtsch., gut; Clarendon Hotel; Dâk Bungalow), einem Hauptplatz der Teeplantagen, etwa 1500 m ü. M., ist 19 Min. Aufenthalt zum Frühstück. Der Wald macht Teepflanzungen Platz. (Auf der Rückfahrt kann man von Kurseong einen Teil des Abstieges auf einem Richtweg zu Fuß machen, sehr lohnend; man erkundige sich beim Station Master in Kurseong.)—Auf dem weitern Anstieg wird es kühl. Bald hinter Kurseong erster Blick auf den Kanchanjanga (8582 m), dann noch einmal kurz vor Ghoom.—In (376 M) Ghoom, 2600 m ü. M., erreicht die Bahn den höchsten Punkt; gelegentlich Ausblicke auf die Himalaja-Bergkette, dann bergab nach

(379 M) Darjeeling (2184 m), tibetan. Dar-rgjas-glin (d. h. Land des diamantenen Donnerkeils des Lamas), Stadt mit 13000 Einw., Endstation der Bahn.

Gasthöfe: Woodland's Hotel, gut. —Woodland's Annex Hotel, sehr gut, Pens. 8-15 Rup., 2 Pers. 14-18 Rup., Abfahrt 24 St. vorher anmelden.— Boscolo's Hotel Oakfield (neu), am Chaurasta; Central Hotel (neu), Post Office Road, gut, Pens. von 5 Rup. an. —Drum Druid Hotel.Grand Hotel Rockville, das ganze Jahr geöffnet; 44 Z., Pens. von 8 Rup. an.—Jones Hotel und Restaurant.—Boardinghouses Ada Villa; Bellevue; Himalaya Cottage.—Droschken nach Tarif.— Photographen: Baar, Deutsch-Österreicher; Burlington Smith.—Bank.Apotheken.Antiquitäten bei verschiedenen Firmen.—Skating Rink, bei der Kirche, gegen Abend Konzert.

Darjeeling, Hauptstadt des gleichnamigen britisch-indischen Distrikts, an der Grenze von Sikhim, zwischen Nepal und Bhutan, liegt auf den Vorbergen des Himalaja, ist Sommersitz des Lieutenant-Governors von Bengalen, vielbesuchte Sommerfrische (für Reisende, die in Benares oder Calcutta einen Malariaanfall erleiden, ist schleunigste Reise nach Darjeeling die beste und schnellste Kur) mit dem vorzüglichen Eden-Sanatorium, mehreren Schulen und einem Pensionat zur Ausbildung von Forschungsreisenden und Dolmetschern. Mittlere Jahrestemperatur 11,5° C (Januar 4,5°, Juli 16,4°), größte Kälte-6,7°, größte Wärme etwa 27° C. Das Klima ist regenreich (3200 mm, etwa das Fünffache wie in Deutschland); die Regenzeit beginnt Anfang Juni. Die Hauptstraße The Mall mit Musikhalle (April bis November spielt Mi. und Sa. Musik) führt zum Observatory Hill; dort *Aussicht über die Bergketten von Sikhim hinweg auf den Kanchanjanga (8582 m) und andre Gipfel des Himalaja (großartigste Hochgebirgslandschaft der Erde). In den Basaren und auf dem Markt *Sonntag früh interessantes Volksleben (Mongolen, Tibetaner, Bhutias, Leptschas, Lopos, Nepalesen neben Hindu, Parsen u. a.). Da die Gebirge bei Tage häufig durch Nebel verdeckt sind, suche man die Aussichtspunkte bei Sonnenauf-oder-Untergang auf.—Etwa 1,5 km östl. und 300 m steil bergab liegt das malerische Dorf Bhutia Busti mit tibetanischem Tempel, vor dem mannsgroße bunte Gebetsmühlen stehen (auf den Papierstreifen der Mühlen steht das Gebet: »Om mani padme hum' = O, du Kleinod im Lotos, Amen!«; jede Umdrehung rechnet als ein Gebet!). Auf dem Rückwege sieht man eine Stûpa (oder Dagoba = Grabhügel), umgeben von weißer Mauer.— Der Botanische Garten unterhalb des Eden-Sanatoriums enthält eine Sammlung von Himalajapflanzen, auch schöne Sammlung von Himalajaschmetterlingen, -vögeln und Eiern.