Theater: Reisende europäische Gesellschaften geben zuweilen in der Jubilee Hall in Pagoda Road Vorstellungen. —Nationale Vergnügungen (Pwes) suche man zu erkunden: Zat Pwe ist Vorstellung mit Gesang, Tanz und Ulk; Yokthwe Pwe ein Marionettentheater; Yein Pwe, Ballettänze mit Musik und Gesang, finden nur bei besondern Festlichkeiten statt, sind frei (werden vom Veranstalter des Festes bezahlt) im Freien von 8 Uhr abds. die Nacht hindurch.
Reisebureau. Thos. Cook & Son, östl. Ecke der Phayre Street und Merchant Street (Tel.-Adresse: »Coupon, Rangoon«), besorgt zusammenstellbare Fahrscheine für alle Ausflüge mit Bahn oder Flußdampfer und erledigt auch alle Geldgeschäfte. (Nützlich ist Cook's Handbook Burma.)—Scott & Co., Merchant Street.
Konsulate: Deutsches Reich, Konsul C. Kauffeld.—Österreich-Ungarn, Konsul Michael Sevastopulo.—Deutscher Klub in Commissioners Road.
Polizeiamt in der Pagoda Road beim Bahnübergang und an andern Plätzen.
Ärzte: Die Zivilärzte im Cantonment; Dr. de Souza, Dalhousie Street; Dr. Pearse, Dr. Pedley, beide Signal Pagoda Road. Die Ärzte haben Sprechstunden in den Apotheken.—Zahnärzte: Dr. Panhans (deutsch), Solay Pagoda Road; Osborn (Amerikaner), Phayre Street.—Apotheken: De Souza & Co., Dalhousie Street 215.—Rangoon Medical Hall, Merchant Street 72. —Krankenhaus: General Hospital in der Commissioners Road; Ärzte: Major Barry, Major Röst.
Buchhandlung: Myles Standish & Co., Merchant Street 75.—Zeitungen: Rangoon Gazette; Rangoon Times; Burma Herald.—Photographien: P. Klier & Co., Signal Pagoda Road 3 und Merchant Str., Ecke der Phayre Street. —D. A. Ahuja (für photographische Artikel), Sule Pagoda Road.
Geschäftsadressen. Reiseartikel und europäische Bedürfnisse: Laidlaw & Whiteway.—Rowe & Co., Fytche Square.—Watson, Allen & Roberts, Merchant Street 73.—W. Macfie & Co., Merchant Street 16.—Kuriositäten, Ebenholzschnitzereien, Elfenbein-, Gold-und Silberwaren: Klier & Co., Merchant Str., Ecke der Phayre Street.—Goldschmiede und Holzschnitzer in Godwin Road; gute Schnitzarbeiten liefert auch das Hauptgefängnis (Central Jail), Old South Boundary Road; Buddhafiguren in Bronze und Alabaster und andre Spezialitäten im Vorort Kemendine.—Basare: Suratee Bazaar in China Street.—Rangoon Bazaar gegenüber; außerdem öffentliche Märkte (Municipal Bazaars), Strand Road u. in Kemendine.
Zeiteinteilung für Birma. a) Für 10 Tage (die gewöhnliche Zwischenzeit zwischen zwei Dampferabfahrten): Ankunftstag früh Stadt Rangoon, Nm. Bahnfahrt nach Katha, von da am 3. Tag früh mit Dampfer nach Bhamo;— 4. Tag Bhamo;—mit demselben Expreßdampfer am 5. Tag früh zurück, Nm. an Katha, mit Bahn von da nach Mandalay;—6. Tag: Mandalay;—7. Tag: früh ab nach Gokteik Gorge, Nm. dort an;—8. Tag: Vm. ab Gokteik Gorge nach Rangoon;—9. Tag: abds. Ankunft Rangoon;—10. Tag: Vm. Rangoon, mitt. Abfahrt mit Dampfer.
b) Bei längerm Aufenthalt: 1. Tag: Rangoon;—2. Tag: Bahnfahrt nach Mandalay;—3. u. 4. Tag: Mandalay; —5. Tag: Amarapura und Ava; —6. u. 7. Tag: Gokteik Gorge;— 8. Tag: Bahnfahrt nach Katha;—9. Tag: Dampferfahrt nach Bhamo;— 10. Tag: Bhamo;—11. bis etwa 20. Tag: Dampferfahrt Bhamo-Mandalay-Prome-Rangoon. Der Reiseplan ist abhängig vom Fahrplan der Irawaddy Flotilla Co.
Geschichte. Der Platz, wo Rangoon steht, ist seit alters heilig durch die Shwe Dagon-Pagode. In den Kämpfen zwischen den Ländern Ama und Pegu vertrieb der Bauer Alompra die Bewohner Pegus und machte 1753 Rangoon zur Hauptstadt der letzten Königsdynastie von Birma. Der Übermut des Königs Phagyidan führte zum Kriege mit England, Rangoon wurde 1824 von den Engländern erobert, aber erst 1852 zur Hauptstadt von Britisch-Birma gemacht. Seitdem hat sich die Stadt zu einem wichtigen Ausfuhrhafen für Reis und Teakholz entwickelt.
Lageplan von Rangoon.
Rangoon, Hauptstadt von Britisch-Birma und Sitz des Lieutenant Governor's, mit 234881 Einw., liegt auf 16° 47' nördl. Br. am Ostrande des Irawaddydeltas, am linken Ufer des Rangoonflusses (Hlaing), des östlichsten Mündungsarmes des Irawaddy, dicht oberhalb der Einmündung des Peguflusses und nach O. begrenzt von dem schmalen Wasserarm Pazundaung Creek (an dessen Ufern die meisten Reismühlen liegen). Die Stadt ist weitläufig gebaut mit regelmäßigen Straßen. Im W. liegt das Chinesenviertel, im NW. das Cantonment, zugleich Europäerviertel, mit breiten Straßen und schönen Gärten sowie vielen Kasernen. Im nördlichen Teile dieses Viertels liegt die große Tempelanlage der *Shwe Dagon-Pagode (s. unten) und östl. davon der prächtige *Dalhousie Park mit den *Royal Lakes. Südl. angrenzend der *Victoria Park, in dem sich die Agri-Horticultural Gardens, das kleine Phayre Museum und der Zoologische Garten befinden. Erwähnenswerte Gebäude sind das Seemannsheim (Sailor's Home) und der Chinesische Tempel in Strand Road, das Sekretariat in der Dalhousie Street, das General Hospital in Commissioners Road, das Gouvernment House in Kemmendine Road, die Kathedrale und das Rangoon College mit Bibliothek, alten Pali-und Birmahandschriften auf Palmenblättern in China Street. Nicht alle Straßen haben Namen und Hausnummern, was das Zurechtfinden in der Stadt erschwert. Die Sägewerke für Teakholz (in denen Elefanten zum Lastentragen verwendet werden) liegen meist in Aloon, am Westende der Strand Road. Man versäume nicht, die arbeitenden Elefanten (wood piling elephants) am Fluß anzusehen, früh 6-9, dann 3 Uhr bis abends.
Rundfahrt. Morgens 1/2-8 Uhr beginne man mit den Basaren (S. [146]), insbesondere dem Suratee Bazaar in der China Street und dem Municipal Bazaar am Strand; dann ist die beste Zeit, um die Tätigkeit der sehr geschäftsgewandten, Riesenzigarren rauchenden interessanten Birmaninnen zu bewundern; die Basare werden viel besucht, nur um Erkundigungen einzuziehen, zu schwatzen und zu flirten. Dann fahre man durch China Street bis zur Commissioners Road, in diese l. zum sehenswerten neuen General Hospital, gegenüber das Rangoon College und der Deutsche Klub; von da weiter zum Central Jail (eins der größten Zuchthäuser im britischen Reich), das Verkaufsräume der Sträflingsarbeiten (meist schöne Holzschnitzereien) hat und auch innen sehenswert sein soll; Erlaubnis zur Besichtigung beim Superintendent im Gefängnis.—Dann durch Dalhousie Street bis zum Fytche Square, wo die achteckige Sule-(Solay-)Pagode steht; ihr äußerer Bau ist kaum 70 Jahre alt, aber die Stûpa im Innern soll aus dem 1. Jahrh. stammen und schließt noch eine kleinere Stûpa von der Königin Schinsobu ein. Auf der Terrasse der Pagode interessante Reliquienschreine und Statuen.—Die Hauptsehenswürdigkeit Rangoons, die *Shwe Dagon-Pagode, besichtigt man am besten 4 Uhr Nm. Man fährt vom Strand durch China Street und Pagoda Road bis vor ihren nach S. gelegenen Haupteingang. Sie ist der heiligste Buddhatempel in ganz Hinterindien, wahrscheinlich fast 21/2 Jahrtausende alt (588 v. Chr. erbaut) und steht mitten auf befestigten Terrassen auf einem Hügel des Pegu Jomagebirges. Eine schöne Allee führt von der Stadt zum Haupteingang mit reich verziertem, von fabelhaften Ungetümen aus weißem Stuck bewachtem Tor, zu dem man auf breiter Freitreppe hinansteigt. Auf der Treppe Verkäufer aller Art; Gebetfähnchen, Opferkerzen, Puppen, Tempelblumen, Gongs und Glocken, Eßwaren, dazu Führer und Bettler in Menge. Innerhalb des Tores öffnet sich der farbenprächtige Tempelplatz, in dessen Mitte die große, im untern Teil mit Blattgold, im obern Teil mit Goldplatten bedeckte Pagode über achteckiger Grundfläche von 413 m Umfang sich in vielen Abstufungen flaschenförmig 98 m hoch erhebt. Ihre Spitze trägt als Herrscherzeichen ein goldenes Schirmgestell, reich mit Edelsteinen, besonders den prächtigen birmanischen Rubinen, verziert und mit goldenen und silbernen Glöckchen behängt, und »Ti« genannt; der letzte Ti von 14 m Höhe und 4 m Durchmesser und 1,2 Mill. Mk. Wert wurde 1871 vom König Mindun Min von Oberbirma gestiftet. Acht Haupthaare Gautamas (Buddhas) im Innern der Pagode werden von unzähligen Pilgern jährlich verehrt.
Die Vergoldung der Pagode ist verschwenderisch dick, die Edelsteine, mit denen die Pagode und ihre zahlreichen Buddhastatuen und andern Figuren u. Tempel früher geschmückt waren, sind seit Besitznahme des Landes durch die Engländer fast sämtlich verschwunden. Die Pagode (auf deren Sockel noch im Jahre 1903 ein wilder Tiger, der sich zur Stadt verlaufen hatte, geschossen wurde) ist rings umgeben von kleinern Tempeln und Altären mit Buddhastatuen aus Teakholz geschnitzt oder aus Stuck oder Marmor; dazwischen stehen Elefanten, Löwen und phantastische Manotthika-Figuren aus Stein und reichem Holzschnitzwerk, ferner heilige Pfosten, wie Flaggenstangen mit langen Eisenbändern, und gekrönt mit dem Adler Wischnus, Karaweik; dazwischen wachsen heilige Bo-Bäume und Palmyra-Palmen.—Diese seltsame Tempelanlage wird von Priestern und Mönchen, Bettlern, Musikanten, Wahrsagerinnen, hübschen, aber geschwätzigen Weibern, Krähen und Hunden bevölkert, während stets zahllose Glöckchen läuten. Man besuche dieses »Märchenbild« öfters und zu verschiedenen Tages-und Abendstunden und wird stets neue Reize entdecken.—Am Osteingang steht die fast 40 Tonnen schwere Glocke, die in den Fluß fiel, als die Engländer sie als Beute mitnehmen wollten, später aber wieder von den Birmanen gefischt und zum Tempel gebracht wurde.