Malacca Town (Rasthaus am Bahnhof, dem Seebad am nächsten; andres Rasthaus an der Seeseite der Stadt), wichtiger Seestadt und Hauptausfuhrhafen der Malaienstaaten, mit etwa 95000 Einw. Malacca Town liegt auf 2° nördl. Br. und ist die älteste europäische Niederlassung auf der Halbinsel, 1511 von den Portugiesen unter Albuquerque begründet und zu einem wichtigen Gewürzhandelsplatz gemacht, 1641 von den Niederländern und 1795 von den Engländern erobert, dann 1818 zurückgegeben, aber 1824 gegen Benkoelen von den Niederländern wieder eingetauscht. Man trifft noch Nachkommen der Portugiesen sowie die portugiesische Kirche Nossa Senhora do Monte auf dem Gipfel des St. Pauls-Hügels, neben dem Leuchtturm am l. Ufer der Mündung des Malacca-Flusses. Der Hügel ist mit alten Festungswerken umgeben. Mehrere Brücken führen über den Fluß zu dem Stadtteil des r. Ufers. Malacca Town ist Sitz der Regierung des britischen Malacca-Territoriums (Teil der Kolonie Straits Settlements, vgl. S. [155]). Am Fuß des St. Pauls-Hügels liegen Schulen (darunter die sehenswerte Chinesenhochschule des Dr. Morrison), Post und Telegraph, Gericht, Krankenhäuser etc.; sehenswert ist an der Seeseite Albuquerques Tor. Die Stadt ist ziemlich gesund, obgleich etwas wärmer als Singapore. —Etwa 8 km westl. von Malacca Town liegt der hübsche Badeort *Tanjong Kling (Regierungsbungalow, Erlaubnis zur Benutzung für Seebadezwecke erteilt die Public Works Office in Malacca Town). Malacca Town hat durch Inseln geschützte Reede; lebhafter Verkehr von Küstendampfern nach Penang, Port Swettenham, Port Dickson und Singapore.

Fortsetzung der Hauptroute. Von Tampin (S. [165]) führt die Bahn über einige unbedeutende Stationen nach (364 M) Gemas, Grenzstation des Staates Negri Sembilan (Zweigbahn von Gemas im Betrieb über Rompin nach [22 M] Bahau, von da im Bau nach Temerloh im Staat Pahang; Zweigbahn von Bahau nach [12 M] Kuala Pilah [S. [165]] im Betrieb), und durch Urwald und Dschungeln des Staates Johor über mehrere kleine Ortschaften nach (450 M) Johor Bharu (S. [169]); von da Fährdampfer nach Woodlands (s. unten) und Bahn nach (465 M) Singapore.

Singapore.

Vgl. beifolgenden [Plan].

Ankunft. Die Ansteuerung des Hafens ist wegen vieler gefährlicher Riffe und Bänke vor der Hafeneinfahrt schwierig; Handelsdampfer laufen zum Teil, die Reichspostdampfer stets in den engen Hafen innerhalb der Inseln und machen meist am Tanjong Pagar-Kai dicht am Lande fest. Am Landungsplatze stehen europäische und malaiische Diener von allen Gasthöfen sowie reichliche Fahrgelegenheiten (Wagen und Rikschas, auch elektr. Straßenbahn). Fahrt bis zur Stadt etwa 20 Min. Keine Zolluntersuchung, aber Waffen dürfen ohne Polizei-Erlaubnis nicht eingeführt werden!
Gasthöfe: Raffles' Hotel, Beach Road 2, nahe der Esplanade, 130 Z. —Hôtel de l'Europe (Pl. 13), an der Esplanade, in besserer Lage. Küche in beiden mäßig, Pens. etwa $ 8.— Hotel Adelphi, Colman Street, 100 Z., Pens. von $ 5 an.—Hôtel de la Paix, Colman Street 3, 40 Z. $ 2-3, Tiffin 11/4, Dinn. 11/2, Pens. $ 6-8.—Hotel van Wijk Co. Ltd., Stamford Road 2, 80 Z. 2, F. 1, Lunch 1, Dinn. 1,50, Supp. 2, Pens. $ 5-6, Küche gelobt. —Die meisten Gasthöfe sind zugleich Restaurants.
Post (Pl. 18), an der Südseite der Cavanagh-Brücke neben der Börse. —Telegraph, Robinson Quai. Kabel führen nach Penang, Saigon, Labuan, Soerabaya und Batavia.—Wagen: Tikka gharries oder Hackney Carriages nach gedrucktem Tarif.—Rikschas ebenfalls mit fester Taxe.—Reitpferde zu haben.—Straßenbahnlinien (s. den Plan), auch von Europäern benutzt.—
Eisenbahn: Singapore & Kranji Railway (Bahnhof Tank Road), vom Landungsplatz der Postdampfer in 25 Min. mit Straßenbahn zum Bahnhof, von da in 11/4 St. bis zur Endstat. Woodlands (von wo Fährboot nach Johor mit Anschluß an die Federated Malay States Railway, S. [161]).
Dampfer: Norddeutscher Lloyd (Agent: Behn, Meyer u. Co., Tel.-Adr. »Nordlloyd Singapore«): Reichspostdampfer alle 14 Tage nach Ostasien und Europa; Anschlußdampfer nach Bangkok und Deli sowie nach Britisch-Nordborneo, Makassar, Menado (auf Celebes), Süd-Philippinen und Neuguinea (über Batavia)—Koninklijke Paketvaart Maatschappij (Agent: J. Deandels & Co.): Anschlußdampfer an die deutschen Reichspostdampfer nach u. von Batavia, Samarang und Soerabaya. —Stoomvaart Maatschappij Nederland (Agent: J. Daendels & Co.) alle 14 Tage nach Batavia und nach Europa über Sabang.—Österreichischer Lloyd (Agent: Rautenberg, Schmidt & Co.), monatlich einmal nach Ostasien und Europa.—Messageries Maritimes (Agent: C. Tournaire; Telegrammadresse: »Messageries Singapore«) alle 14 Tage über Saigon nach Ostasien und über Colombo nach Europa; Anschlußdampfer nach Batavia. —Peninsular & Oriental Co. alle 14 Tage nach Ostasien und Europa, mit Anschlußlinien nach Java, Sumatra, Celebes u. a.—British India Steam Nav. Co. alle 14 Tage nach Vorderindien.

Geld. Einheitsmünze ist der Straits-Dollar ($) = 2,40 Mark oder 2 sh. 4 d.; Silbermünzen außerdem zu 50, 20, 10, 5 cents. 1 $ = 100 cents. Außerdem Kupfergeld.—Banken: Deutsch-Asiatische Bank, Korr. sämtlicher deutschen Großbanken.—Hongkong & Shanghai Banking Corporation, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.—Chartered Bank of India, Australia & China.Nederlandsche Handels-Maatschappij. Beide letztere Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.
Sprache ist malaiisch, die allgemeine Verkehrssprache Hinter-und Insulindiens.
Theater, malaiische sind besuchenswert.
Konsulate: Deutsches Reich, Generalkonsul Feindel, Vizekonsul Dr. Saunier. —Österreich-Ungarn, Dr. Erwin Ritter von Zach.—Deutscher Klub, sehr schön gelegen.
Polizeiamt: South Bridge Road und North Bridge Road, letzeres nahe dem Hôtel de l'Europe.—Ärzte: an 30; deutsche Ärzte Dr. Werner, Medical Hall; Dr. Wertheim.—Zahnarzt.Deutsche Apotheken.Krankenhaus: General Hospital.—Buchhandlungen: Kelly & Walsh, Raffles Place.—Fraser & Neave.Zeitungen: Straits Times; Government Gazette; Singapore Free Press; Colonial Press. Einige malaiische, tamulische und chinesische Zeitungen.
Photographieren von Festungswerken (die oft nicht zu erkennen sind) ist streng verboten und wird mit 1 Jahr Zuchthaus bestraft, da Singapore Kriegshafen ist. (Deutsche Liebhaberphotographen werden mit Vorliebe böser Absichten verdächtigt!)
Einkäufe: Korallen, Muscheln, Korbstühle, Ananas frisch und konserviert (sehr billig).
Zeiteinteilung. 1. Tag: Markt in der Chinesenstadt, Museum, Botanischer Garten, Esplanade.—2. Tag: Fahrt nach Johor.—3. Tag: Ausflug nach dem Sea View Hotel, östl. von Singapore, an der See.
Geschichte. Das alte Singapura soll in der 2. Hälfte des 12. Jahrh. von dem aus Sumatra eingewanderten Radschah Sang Nila Utama begründet sein; sein Nachfolger Sikander wurde von den Javanen vertrieben und gründete die Stadt Malakka, während die javanischen Herrscher zum Islam übertraten (jetzt Hauptreligion der Malaien) und das Sultanat Johor begründeten. Sir Stamford Raffles drang darauf, daß das im Anfang des 19. Jahrh. zum Seeräuberschlupf gewordene Singapore englisch werde; 1819 wurde die britische Flagge auf der Insel gehißt, entwickelte sich aber erst mit dem Aufblühen der Dampferfahrt zu einem der wichtigsten Stapelplätze und Stützpunkte für den Seeverkehr nach und von Ostasien.
Das Klima ist heiß, doch nicht ungesund, mit sehr gleichmäßiger Temperatur, auch für Kinder gut. Mittlere Jahrestemperatur etwa 27° C; höchste im Jahre vorkommende Temperatur durchschnittlich 38°, die niedrigste 17,5°. Stürmisches Wetter herrscht meist beim Monsunwechsel (SW.-Monsun im April bis Oktober), aber nur kurze Zeit. Die Regenmenge ist beträchtlich (2350 mm); es regnet in Schauern mindestens zweimal alle 3 Tage, am stärksten im November und Dezember. Dem Regen ist der üppige Pflanzenwuchs zu danken. Die Sonne geht stets gegen 6 Uhr auf und unter.

Singapore (bedeutet entweder Löwenstadt = singa puru, oder Raststadt—sing gah pura), die Hauptstadt der Straits Settlements (S. [155]), liegt auf der gleichnamigen Insel unter 1° 16' nördl. Br., mithin nur 141 km vom Äquator. Die vorzügliche Lage am Hauptseeweg von Europa nach Ostasien sowie zwischen dem Golf von Bengalen und der Chinasee und in der Nähe der großen Sundainseln und der Philippinen haben die Stadt, die schon frühzeitig zum Freihandelsgebiet erklärt wurde, zu einem blühenden Stapelplatz für den Seehandel und einem wichtigen Kohlen-und Ausrüstungshafen für zahlreiche, stetig wachsende Dampferlinien im Indischen und Stillen Ozean gemacht. Für die englische Kriegsflotte ist Singapore ein wichtiger Stützpunkt außerhalb der europäischen Gewässer. Es ist seestrategisch äußerst günstig gelegen.—Die Stadt zeigt europäisches Großstadtgepräge und hat etwa 250000 Einw., davon sind 4/5 Chinesen, 1/8 Malaien, 3/80 Europäer (etwa 250 Deutsche) und Eurasier, 3/80 Indier (insgesamt 3/4 Männer, 1/4 Frauen); darunter auch Klings (Arbeiter aus Vorderindien), Araber, Armenier, Parsen, Juden, Birmanen, Siamesen etc. Die Chinesen spielen also der Zahl nach die Hauptrolle; sie leben hier nicht nur als Kulis und Kleinhändler, sondern auch ein großer Teil des Handels liegt in ihren Händen.—Der neue Hafen von Singapore ist nach S. durch die Inseln Blakan Mati und Pulubrani geschützt, mit guten Kaianlagen, Kohlenlagern und Warenschuppen reichlich versehen. —Die Ausfuhr umfaßt Zinn, Kautschuk, Pfeffer, Stuhlrohr, Reis, Tapioka, Kopra, Sago, Lack, Patschuli, Zitronellaöl; Einfuhr: Kohle, Petroleum, Eisenwaren, Baumwollwaren. 1908 liefen 5187 Schiffe mit 6984980 Reg.-Ton. in den Hafen ein.— Das Stadtgebiet teilt sich in die Chinesenstadt, das Europäerviertel und das Malaienviertel. Drei Hügel, Pearls Hill (49 m), Government Hill (48 m), gekrönt vom Palast des Gouverneurs, und Mount Sophia (33 m), überragen die Stadt. Gegenüber der Reede liegen die europäischen Geschäftshäuser, einige Klubs und nahe der Johnston Pier die Börse (Pl. 17) und das Postamt (Pl. 18). Auf der Esplanade steht das Gymkhana-Klubhaus und in der Mitte ein Standbild des Sir Thomas Stamford Raffles (Pl. 10), gegenüber die St. Andrews-Kathedrale (Pl. 7). Von der Esplanade führt die High Street nw. zu dem alten Fort Canning (jetzt Signal-und Salutstation); sw. von diesem liegt am linken Ufer des Singaporeflusses der Kampong Malacca und ihm gegenüber auf einer Insel der Kampong Saigon. Die Chinesenstadt liegt südl. vom Flusse, den viele Brücken überschreiten; sie enthält viele Buddhatempel, chinesische Läden und einen großen Basar. Viele reiche Chinesen haben außerhalb der Stadt prächtige Besitzungen.