Rundfahrt. Morgens fahre man über die Cavenaghbrücke in die Chinesenstadt auf den *Markt am Raffles Quai oder einen andern Markt, wo seltsame Fische, andre Seetiere und Tropenfrüchte, wie Ananas, Mango, Mangustins, Rambutans, Brotfrucht, Zuckerrohr u. v. a. verkauft wird; dann nach Wahl durch einige enge Straßen der Chinesenstadt westl. zur Havelock Road, über die Brücke r. durch Kampong Saigon und Kampong Malacca, nördl. durch Mirabeau Road, Tank Road und Orchard Road, oder Tank Road über Government House Hill (nahe am Gouvernementshaus vorbei), Cavenagh Road, Bukit Timah Road (an alten Friedhöfen vorbei), Scotts Road (am Teutonia Club vorbei) und Orchard Road zum *Botanischen Garten (Fahrt 1 St. nnw. vom Dampfer-Anlegeplatz), der auserlesene tropische Bäume und Gewächse zeigt, z. B. Sago-und Kokospalmen, Muskatnußbäume, Kaffeebäume, Kroton-und Kakaobäume, Bananen (auch die Ravenala aus Madagaskar, Baum der Wanderer), Farne (darunter die zierlichen Baumfarne), Lianen, Orchideen, Calamus-Rotang (spanisches Rohr) etc. Nm. zwischen 4 und 5 Uhr besucht die vornehme Welt Singapores den Botanischen Garten; Rückfahrt durch Orchard Road, eine prächtige Allee, zum Raffles Museum (Pl. 9), 1887 begründet, mit naturhistorischen und ethnographischen Sammlungen und wissenschaftlicher Bibliothek. Vor Sonnenuntergang besuche man die Esplanade und Raffles Plain, den Sportplatz, wo um diese Zeit eleganter Wagenkorso stattfindet.

Ausflüge: 1) Nach Sea View Hotel 9 km östl. vom Postamt in Singapore, im Palmenwald an der See, mit Ausblick auf die östl. Einfahrt zur Reede. Man fährt dahin mit Wagen G der Straßenbahn, ab Tanjong Pagar durch die Hauptverkehrsstraße der Stadt, oder mit Automobil oder Wagen.—2) Nach Johor; täglich fünf Züge der »Singapore and Kranji Railway« vom Bahnhof Tank Road in etwa 11/4 St. nördl. nach Woodlands. Fahrplan in der Zeitung; die Bahn führt durch das nw. Villenviertel der Stadt, dann durch Malaiendörfer, Gärten, Ananasfelder und Wälder an die Nordküste der Insel Singapore; ein kleiner Dampfer fährt von da über den schmalen Wasserarm Selat Tabray in 8 Min. auf das Festland der Malakkahalbinsel und landet vor dem kleinen Orte
Johor-Bahru (Johore Hotel, am Strande, modern, preiswürdig, elektr. Licht, gute Verpflegung; 41 Z. 2, F. 1,50, Lunch 2, Dinn. 2, Pens. $ 6-7), der neuen, mit Grün umgebenen Hauptstadt des Sultans von Johor in malerischer Lage. Mit Rikscha fährt man zu dem auf der Höhe gelegenen *Palast des Sultans (Istana), umgeben von schönem Palmenpark; er enthält nüchtern-europäisch eingerichtete Empfangsräume; sehenswert sind die wertvollen Waffen und mancherlei malaiisches Rüstzeug. Schöner Blick von der Anhöhe, auf der die große neue Moschee nahe dem Palaste steht. Im Park einige Käfige mit Raubtieren. Im Chinesenviertel des Ortes Johor ist eine *Spielbank mit kleinen Spieltischen; So. Nm. großer Betrieb (englischen Offizieren verboten!); daneben ist ein chinesisches Theater (mit lärmender Musik). Im Ort ein Postamt des Sultans mit eignen Johor-Briefmarken (für Sammler!).


9. Siam. Indochina.

Von Singapore nach Bangkok.

Vgl. die Karte bei S. [155].

Anschlußdampfer des Norddeutschen Lloyd gehen bald nach Ankunft des Reichspostdampfers von Singapore in 4-5 Tagen nach Bangkok.

Das Schiff geht mit östlichem Kurs um die SO.-Spitze der Halbinsel Malakka ins Südchinesische Meer (S. [214]), dann mit NNW.-Kurs an mehreren kleinen Küsteninseln, darunter die 1050 m hohe Insel Tioman, vorbei längs der Ostküste der Halbinsel Malakka, die zuletzt beim Kap Laboha (Labuan) auf etwa 41/2° nördl. Br. gesichtet wird; östl. von diesem Kap liegt die 283 m hohe Insel Teng-gol. Dann gelangt man in den Golf von Siam, dessen Ostseite die Küste von Kambodja bildet; im innern, nördlichsten Teile des Golfs passiert man r. beim Kap Liant (r.) kleine grüne Inseln, ehe das Flachland des Menamflusses in Sicht kommt. Die Menammündung ist nur für kleinere Dampfer mit etwa 4 m Tiefgang zugänglich, weil eine seichte Barre ihr vorgelagert ist; größere Schiffe müssen auf der Reede von Koh ti Chang oder Ang Hin ankern. Das Fahrwasser ist mit Seezeichen und Leuchtfeuern gut versehen, ein Feuerschiff bezeichnet die Barre. Die Flußfahrt (s. die Karte auf S. [172]) dauert 3 St. und zeigt schon die Reize des seltsamen Landes; in der schönen Landschaft tauchen die weißen, sonderbaren Tempelbauten, Wat genannt, mit vergoldeten Spitzen und merkwürdigen Giebeln auf. Am linken Ufer liegt die Zollstation Paknam (PT, Zollamt, Bahnhof, Bahn nach Bangkok) mit einem Küstenfort. Auf dem Fluß ist reger Verkehr von Fischerbooten, kleinen Dampfern und Seglern. Die Ufer zeigen Reisfelder, Dörfer, Zuckerplantagen, Fischbuhnen, Fischereihallen und Festungswerke zwischen Palmen. Gegenüber von Paknam sieht man zwei Inseln mit dem Fort Sua-Son-Lek-Tin (Tiger mit verborgenen Klauen) und prächtige Tempelbauten (Wat Phra-tschedi), zu denen im Oktober beim Thot Kathin-Fest siamesische Pilger wallfahren. Weiter aufwärts liegt an einer Schleife des Flusses der Ort Paklat; man passiert erst Unter-Paklat, umfährt große Orangegärten am rechten Ufer und erreicht dann Ober-Paklat in der Nähe großer Palmenhaine. Die gute Landstraße Chareun Krung führt von Paklat nach (etwa 16 km) Bangkok. Bei der nächsten Biegung des Flusses gelangt man vorbei an Schiffswerften und Docks, an Gärten und Reismühlen im Vorort Bang Koläm, und biegt an der letzten Krümmung in das Stadtgebiet von Bangkok ein, wo die Kriegsschiffe und Königsjachten vor Anker liegen, neben zahllosen schwimmenden Häusern; dahinter moderne Fabrikschlote und siamesische Tempel.

Siam ist ein unabhängiges Königreich (Pufferstaat) zwischen dem englischen Birma im W. und dem französischen Indochina im O., das letzte Gebiet Hinterindiens, das noch nicht unter europäischer Herrschaft steht; es umfaßt heute nur noch das Gebiet des Menamflusses und einen Teil der Halbinsel Malakka, etwa 314000 qkm mit 6,7 Mill. Einw. Die allermeisten Reisenden werden ihren Besuch auf Bangkok nebst Umgebung und Ayuthia beschränken, d. h. auf den untersten Teil der Menamebene, die von diesem Fluß aufgebaut ist und noch jetzt alljährlich von ihm weithin überflutet wird. Der Menam hat einen viel kürzern Lauf (700-800 km) als die andern großen Flüsse Hinterindiens; er entspringt im Nordteil Siams, dem gebirgigen Laosland, das die südl. Fortsetzung der Schanstaaten Ostbirmas bildet, und durchfließt in seinen untern Teilen eine große Ebene, die ebenso ein Kulturzentrum geworden ist wie die Ebene des Irawaddyflusses, Unterbirma. Das Klima der Menamebene ist tropisch-warm, wenn auch nicht so gleichmäßig wie in Penang und Singapore. Die Niederschläge werden auch hier vom SW.-Monsun gebracht, der von Ende April bis September weht; bald nach seinem Beginn (im Mai) und gegen sein Ende zu (im September) sind die Regen am stärksten. Dementsprechend beginnt auch der Menam Ende Mai oder Anfang Juni zu steigen und verbreitet sich von Anfang August bis zum November weithin über die umgebende Niederung, ihr fruchtbaren Schlamm und die nötige Feuchtigkeit für die Reiskultur zuführend. Da die Niederschläge und die Überschwemmungshöhe von Jahr zu Jahr ziemlich stark schwanken, haben die Siamesen zur Regelung der Überflutungen zahlreiche Kanäle (Klongs) angelegt.
Das herrschende Volk des Landes, die Siamesen, sind ein Mischvolk wie alle Völker Hinterindiens, doch überwiegt der mongolische Einschlag bei ihnen. Sie sind klein und kräftig, aber als Buddhisten ziemlich indolent, sehr abergläubisch und vergnügungssüchtig; die Frauen sind tüchtiger als die Männer. Musik, Theater, Tierspiele und Geldspiele sind sehr beliebt, jede Gelegenheit wird benutzt, um Feste zu feiern (vgl. S. [176]). Neben den Siamesen spielen im Wirtschaftsleben Siams die Chinesen eine wichtige Rolle. Während die Siamesen vor allem dem Reisbau, der in Siams Volkswirtschaft bei weitem die wichtigste Rolle spielt, obliegen, haben die Chinesen die Verarbeitung und Verwertung des Reises in Händen und sind Handwerker und Arbeiter. Auch einige 1000 Europäer leben im Land als Regierungsbeamte und Kaufleute; zum Teil sind sie mit der Ausbeutung der Teakholzwälder Nordsiams beschäftigt.