Staatsreligion ist der Buddhismus, der durch seine zahlreichen Priester und Mönche (jeder Siamese muß, wie der Birmane, eine Zeitlang als Mönch leben) wie durch seine prunkvollen Tempelbauten und vielen Feste und Aufzüge dem öffentlichen Leben das Hauptgepräge gibt. Die Tempel Ayuthias, der alten Hauptstadt, zeichnen sich vor denen des übrigen Indiens dadurch aus, daß sie sich nach oben hin nicht verjüngen, sondern aus einer Anzahl von Stockwerken gleichen Umfanges bestehen. Das Hauptmerkmal der religiösen Bauten Bangkoks ist die Überladenheit mit allerlei Schmuck. Der Hauptverkehr in der Menamebene findet trotz neuerdings angelegter Bahnen noch zu Wasser statt; der Handelsverkehr zu Lande nach den südl. Schanstaaten in Birma und nach der chinesischen Provinz Yünnan (S. [189]) erfolgt durch Karawanen, die von der wichtigsten Stadt Obersiams, Chiengmai, ausgehen; diese Stadt liegt im wichtigsten Teakholzbezirk an der obern Schiffahrtsgrenze des Maping, des Hauptnebenflusses des Menam. Die jetzige Dynastie beherrscht Siam seit 1782. Der König Maha Vadjiravudh, Phra Mongkut Klao, geb. 1. Jan. 1881, in London erzogen, regiert seit 24. Okt. 1910. Das Heer ist europäisch geschult. Zur Flotte gehören 1 Kreuzer, einige Kanonenboote und Torpedofahrzeuge etc. Landesflagge ist rot mit dem Weißen Elefanten, dessen Heiligkeit aus der frühesten buddhistischen Geschichte stammt. (Gautama, d. i. Buddha, ging als weißer Elefant in den Leib seiner Mutter ein.) Zu den Titeln des Königs gehört auch der »Herr des Weißen Elefanten«. Wird ein »weißer« Elefant (d. h. nur heller grau als die andern) gefangen, dann wird er mit großen Festlichkeiten in den königlichen Marstall aufgenommen.
Bangkok.
Vgl. die Pläne S. [172] und S. [174] sowie die Karten S. [155] und [177].
Ankunft zur See. Die Dampfer ankern auf dem Menamflusse, die Landung geschieht mit Sampans am l. Ufer, wo der Hauptteil der Stadt liegt.
Gasthöfe: Oriental Hotel, am Flußufer, mäßig und nicht billig; schickt Motorboot zum Dampfer.—Hôtel de l'Europe, ganz mäßig.—Bristol Hotel und Restaurant (Deutscher, C. Prüfer), gelobt, sauber, preiswert, deutsches Faßbier, Pens. 6, monatl. 150 Tikals; Treffpunkt deutscher Kapitäne.— Pension in den Gasthöfen 8-12 Tikals (Frühst. 8 Uhr, Tiffin 12 Uhr, Dinner 7 Uhr).
Post: Siamesisch. Briefe und Karten gebe man auf der Post ab, nicht in die Straßenbriefkasten.—Telegraph: Überland nach Birma, Singapore und Indochina.—Telephon in den Gasthöfen etc.
Wagen: Europäische Droschken und Rikschas (die Kutscher verstehen nicht englisch).
Straßenbahn: elektrisch, führt vom südlichen Vorort Bāng Koläm durch die New Road bis zur Königsstadt.
Eisenbahnen: Von Bangkok nach (20 km) Paknam und nach (264 km) Korat mit Zweigbahn nach Paknam-Poh; über Rat-buri nach (152 km) Petscha-buri (deutsche Ingenieure); Staatsbahn nach (63 km) Patriu; Privatbahn nach (33 km) Tacheen und weiter nach (34 km) Meklong an der Westküste des Golfs von Siam. (Die deutschen Eisenbahnbaumeister kennen das Land; Auskünfte nur bei der Staatsbahn.)
Ortszeit von Bangkok 5 St. 42 Min. vor gegen M.E.Z.
Dampfer: Norddeutscher Lloyd (Agent: A. Markwald & Co., Telegr.-Adresse: »Nordlloyd, Bangkok«) etwa zweimal wöchentlich nach und von Singapore und Hongkong, mit I. Kl.-Kabinen. —Messageries fluviales de Cochinchine, alle 14 Tage über Schantabun (Siam), Samit und Pulo Condor nach (510 Seem.) Saïgon.—Auf dem Menam: Siam Steam Packet Co. täglich nach Ayuthia (in 8 St.) und Muong Angton; wenn der Wasserstand es zuläßt, auch bis Muong Paknam-Poh.
Geld. Silbermünzen: 1 Tikal (oder Bat = 15 g Silber) hat etwa 1,54 M. Wert; man rechnet 5 Tikals = 4 $ mexikanisch, 1 Tikal = 100 Satang. Auch 10-, 5-und 1-Cents-Stücke werden geprägt.
Einige Banken geben Banknoten aus. Bei schwierigern Geldgeschäften wende man sich womöglich stets an das Konsulat.
Lageplan von Bangkok.
Banken: Hongkong & Shanghai Banking Corporation, Korr. der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; Chartered Bank of India, Australia & China, Korr. der Deutschen Bank; Banque de l'Indo-Chine; alle drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. Siam Commercial Bank.
Sprache, Tai genannt, ist einsilbig und verwandt mit dem Chinesischen, doch kommen auch mehrsilbige Wörter aus dem Sanskrit und Pali vor. Vgl. Wershoven, Lehr-und Lesebuch der siamesischen Sprache und deutsch-siamesisches Wörterbuch, Wien 1892. —Zeitungen: »Bangkok Daily Mail«; »Bangkok Times«; »Siam Observer«.— Theater: siamesische und chinesische. —Konsulate: Deutsches Reich, Gesandter Frhr. v. d. Goltz; Vizekonsul Frhr. Rüdt v. Collenberg. —Österreich-Ungarn, der deutsche Vertreter. —Deutsche unterstehen in Siam deutscher Gerichtsbarkeit. Paß erforderlich. — Deutscher Klub. —Amerikanische Mission (gibt sehr liebenswürdig Auskunft über Land und Volk). —Polizei gegen Fremde im allgemeinen zuvorkommend, event. rufe man sofort den Schutz des Konsulats an.
Ärzte: Leibarzt des Königs und die deutschen Ärzte Dr. Schäfer und Dr. Hintze.