Vgl. beifolgende Karte.
Messageries Maritimes alle 14 Tage von Singapore in 2 Tagen nach (648 Seem.) Saïgon; außerdem eine 14tägige Zweigdampferlinie zwischen Saïgon und Singapore, wo die Dampfer Anschluß haben: nach Europa mit den deutschen Reichspostdampfern oder holländischen Dampfern, nach Ostasien mit englischen Dampfern.— Von Saïgon Anschlußdampfer alle 8 Tage über Quinhone und Tourane nach Haïphong.
Die Fahrt von Singapore geht mit NNO.-Kurs durch das Südchinesische Meer (S. [214]), vorbei an der Granitinsel Pulo Condor, Strafkolonie für Anamiten und Chinesen, mit Leuchtturm. Bei Kap Saint-Jacques, dem SW.-Ende des Gebirgsbogens von Anam, kommt die Küste von Cochinchina in Sicht; das Kap ist ein oben kahler, unten dichtbewaldeter Bergrücken (mit Leuchtturm), an dessen Fuß ein Seebad mit Sanatorium für Offiziere und Beamte (Hôtel de la Plage) liegt. Auf den Höhen starke Küstenbefestigungen. (NB. Man hüte sich, diese zu photographieren, wenn man auf einem französischen Dampfer fährt!) Hübsche Spazierwege sind in der Umgebung des Seebades; in der Nähe liegt eine Pagode an einer Stelle, wo ein Walfisch gestrandet, 1848 von anamitischen Fischern erbaut. Dann fährt der Dampfer in dem schmalen und sehr gewundenen Donnaï-Fluß 60 km zwischen flachem Sumpflande, dichten Dschungeln, dann Reisfeldern, Bananen-und Palmenhainen. Bei der Einfahrt in den Saïgonfluß sieht man die roten Türme der Kathedrale der Stadt Saïgon; auf dem Fluß ist wenig Verkehr.
Indochina. Der östl. Teil Hinterindiens ist unter dem Gesamtnamen Indochina französisches Kolonialgebiet unter einem Generalgouverneur (in Hanoï), das sich in folgende sechs Gebiete gliedert: Cochinchina, Cambodja, Anam, Laos, Tonkin und Kwangtschou; letzteres liegt außerhalb Hinterindiens an der Ostseite der südchinesischen Halbinsel Leitschou. Cochinchina und Tonkin stehen unter unmittelbarer französischer Verwaltung, Laos und Anam haben noch einheimische Fürsten, die von französischen Oberresidenten geleitet werden. Das ganze Gebiet umfaßt etwa 800000 qkm (annähernd = Deutsches Reich und Österreich) mit 16 Mill. Einw. Es enthält im S. und im NO. zwei Ebenen, die des Mekong und des Roten Flusses (Songkoi); erstere umfaßt Cochinchina und den Hauptteil von Cambodja, letztere das Zentrum von Tonkin. Der Hauptteil des französischen Besitzes aber ist Gebirgs-und Hochland und gliedert sich in die Kordillere von Anam und die dahinterliegenden Plateaus und Stufenlandschaften von Laos.—Klimatisch gehört ganz Indochina dem südasiatischen Monsungebiet an, doch unterliegt der jährliche Klimaverlauf in den verschiedenen Landesteilen ziemlich starken Abweichungen, von der beständig feuchtheißen Sumpfniederung von Cochinchina bis zu dem schon viel extremern Klima Tonkins und den rauhen Hochebenen des innersten Laoslandes und von dem Sommerregen Saïgons bis zu dem Herbst-und Winterregen von Huë.—Auch die Vegetationsverhältnisse sind sehr verschieden, vom tropischen Regenwalde bis zur Wüstensteppe einiger trockener Kalkplateaus im Laoslande.—Die bekanntesten Vertreter der Tierwelt sind hier wie im übrigen Hinterindien Elefant, Tiger, Panther und der Gibbonaffe. —Die beiden Tiefebenen sind zugleich Mittelpunkte der Kultur und Volksverdichtung und wichtige Reisbaugebiete; Reis bildet den Hauptgegenstand der Ausfuhr, dem erst in weitem Abstande Zinn, Fische und Bodenbauprodukte folgen.—Die Bevölkerung teilt sich wie im übrigen Hinterindien in Halbkulturvölker, die die leichter zugänglichen Landesteile, namentlich die Küsten und Flußebenen, bewohnen, und in Gebirgsstämme, die noch nicht über das Naturvölkertum hinausgekommen sind. Körperlich und in ihrem Kulturbesitz sind alle diese Völker, wie es der von den Franzosen ihrem Kolonialbesitz gegebene Name sehr glücklich ausdrückt, sowohl von Indien wie von China her vielfältig beeinflußt worden, in diesem Teile Hinterindiens naturgemäß mehr von dem näherliegenden China aus, wie denn auch heute die Chinesen einen wichtigen Bevölkerungsteil ausmachen. Doch haben sich für den alten Einfluß der indischen Kultur auch in diesem Teile Hinterindiens glänzende Zeugen in den Ruinen von Angkor-Thom in Cambodja (S. [185]) erhalten.
Cochinchina besteht in der Hauptsache aus dem feuchtheißen und ungesunden, aber sehr fruchtbaren und für den Reisbau vorzüglich geeigneten Delta des gewaltigen Mekongstromes, das sich rasch weiter ins Meer hinausschiebt und vom Mekong allsommerlich von neuem überschwemmt und befruchtet wird. Ein Stauwerk zur Regelung des Flutverlaufes, wie es die Engländer in Ägypten bei Assuan errichtet haben, brauchten die Franzosen nicht zu bauen, weil der Mekong ein riesiges natürliches Regulierungsbecken im Tonlé-sap, einem See, der die Mitte des Beckens von Cambodja einnimmt, besitzt.
Bei der Hauptstadt von Cambodja, Pnom-Penh, beginnt das Mekongdelta mit einem zu diesem See führenden Arm, der während der sommerlichen Hochflut des Stromes der Seemulde einen bedeutenden Teil des Mekongwassers zuführt, so daß der Tonlé-sap im Sommer von 110 auf 200 km Länge, von 1 auf 12 m Tiefe und von 3000 auf 25000 qkm Fläche wächst. Im Herbst, wenn der Mekong fällt, beginnt der Tonlé-sap sich wieder zu entleeren und führt Cochinchina im Winter die nötige Feuchtigkeit zu. —Ein Netz von Kanälen regelt den Zu-und Abfluß des Wassers in der Mekongtiefebene, besonders im Delta, das, so groß wie das rechtsrheinische Bayern, flach und sumpfig, fast ganz dem Reisbau gewidmet ist.
Das nw. von Cochinchina angrenzende Cambodja ist in seinem Hauptteil eine Beckenlandschaft, deren Mittelpunkt der Tonlé-sap bildet. Um die Sumpflandschaften in der Umgebung dieses Flachsees, die dichte Waldungen mit vielen Kautschuk liefernden Gewächsen tragen, reihen sich fruchtbare Reisbaugebiete, die nur in der Regenzeit überschwemmt sind. Weiter nach außen folgt eine Steppenzone mit Lateritboden und endlich eine niedrige Gebirgsumrahmung, die wieder bewaldet ist; sie besteht im SW. aus dem Küstengebirge, bis 1000 m hoch, und im N. aus dem Pnom-dangrek, dem Steilabfall des nördl. gelegenen Plateaus von Nieder-Laos.
Das feuchtheiße Klima Cochinchinas ist als sehr wenig günstig bekannt. Man unterscheidet auch hier drei Jahreszeiten, die kühle, die heiße und die Regenzeit; letztere dauert vom Mai bis zum November, solange der SW.-Monsun weht, und erreicht ihren Höhepunkt im September; sie bringt täglich Gewitter. Gesundheitlich am gefährlichsten ist die Zeit nach der Regenzeit, bis der Boden ausgetrocknet ist. Saïgon hat eine mittlere Jahrestemperatur von 27,4°, am kühlsten ist der Dezember mit 25,4°, am wärmsten der April mit 29,3°, die Wärmeschwankung ist also sehr gering.
Cochinchina umfaßt 57000 qkm mit 2,9 Mill. Einw., Cambodja 175000 qkm mit 1,2 Mill. Einw. Seine Hauptstadt ist Pnom-Penh, wo der König Sisowath residiert. Die Hauptmasse der Bevölkerung Cochinchinas wird von Anamiten gebildet, die als vorzügliche Reisbauern, Handwerker und Soldaten gerühmt werden, den ganzen Handel jedoch, wie die Siamesen, den Chinesen überlassen haben.
Reisen in Indochina. Beste Zeit ist Dezember bis Februar. Der Sommer ist nur an der Küste und im Hochgebirge erträglich. Paß ist von Nutzen; chinesische Diener müssen mit Paß versehen sein. Für längere Reisen ins Innere sind mehrere Diener nötig, die sorgfältig ausgewählt werden müssen; Koch und Dolmetscher der Landessprache ist nötig. In Anam verschafft man sich Träger beim Ortsvorstand oder Postverwalter. Europäer finden an Orten, wo Gasthäuser fehlen, meist im Gemeindehaus Unterkunft. Bei Schwierigkeiten wende man sich an die anamitischen Behörden und, wenn nötig, an den französischen Residenten. Man reist, wo es keine Pferde gibt, meist im Tragsessel oder im Palankin; Sessel ist vorzuziehen. Zur Ausrüstung gehören Feldbett, Zelt, Moskitonetz, Medikamente gegen Malaria und giftige Stiche, Lebensmittel und Kochgeschirr. Unterwegs sind Eier und Geflügel zu haben. Man benutze nach Möglichkeit die Flußdampfer.
Reiseliteratur: Gräfin Montgelas, Bilder aus Südasien (München 1906); Madrolle, Indo-Chine (Paris 1902).
Saïgon.
Vgl. den Plan S. [180].
Ankunft zur See. Der Dampfer macht an einer Landungsbrücke fest; Zolldurchsicht ist streng. Man fährt mit Rikscha in 15 Min. zum Gasthof.