10. Von Singapore nach Batavia. Die Insel Java.

Vgl. den Karton auf der [Karte von »Hinterindien«] bei S. [155].

Koninklijke Paketvaart Maatschappij: Von Singapore innerhalb 24 St. nach Ankunft des Reichspostdampfers des Norddeutschen Lloyd aus Europa nach Batavia. Außerdem wöchentlich ein Dampfer direkt von Singapore nach Batavia in 2 Tagen. Rundreisekarten Singapore-Batavia-Soerabaja-Singapore I. $ 90, II. $ 54.
Stoomvaart Maatschappij Nederland alle 14 Tage von Singapore nach Batavia in 2 Tagen.

Messageries Maritimes alle 14 Tage im Anschluß an die ostasiatische Hauptlinie von Europa, in 2 Tagen von Singapore nach Batavia.

Die Fahrt von Singapore nach Batavia führt durch die Riouwstraße zwischen den Inseln Batam r. und Bintang l., passiert dann die »Linie« (den Äquator), zuweilen durch »Linientaufe« (Fest der Schiffsbesatzung mit Begießung von Wasser äußerlich und Rum innerlich) gefeiert, und geht an bewaldeten Inseln des Riouw- und Lingga- Archipels mit südlichem Kurs meist durch die schmale Bangkastraße, zuweilen zwischen den Inseln Bangka und Billiton durch die Gasparstraße. Die Zinninsel Bangka ist flach mit etwa 700 m hohen Bergen, ihr Hauptort Muntok am Westende wird von Dampfern angelaufen. Billiton (Blitong) ist ebenfalls bergig, bis 600 m hoch und reich an Zinn und Eisen; der Hauptort Tandjong-Pandang liegt an der Westküste. Bei der Ansteuerung der Bataviabai ist der weiße Leuchtturm auf einer kleinen Insel auffällig; die Küste ist flach, die hohen Berge des Hinterlandes geben ein prächtiges Bild, sind aber häufig im Dunst verdeckt.

Die Insel Java.

Vgl. die Karte bei S. [155].

Java, die kleinste, aber wichtigste der Großen Sundainseln, ist der reiche und stark bevölkerte Hauptsitz des niederländisch-ostindischen Kolonialreiches, das insgesamt 1,9 Mill. qkm (das 31/2fache des Deutschen Reiches) umfaßt, aber nur 38 Mill. Einw. zählt. Der Besuch Javas ist äußerst lohnend wegen der reichen tropischen Pflanzen- und Tierwelt, der zahlreichen Vulkane, der interessanten, freundlichen Bevölkerung, der buddhistischen und brahmanischen Denkmäler und des Charakters der Insel als einer ungewöhnlich blühenden tropischen Pflanzungskolonie. Die gute niederländische Verwaltung hat dafür gesorgt, daß die ganze Insel bequem und gefahrlos bereist werden kann.
Die Insel erstreckt sich von der Sundastraße im W. in 1060 km Länge bei 70-200 km Breite bis zur Balistraße im O. und ist mit Nebeninseln, Madoera etc., 131500 qkm groß. Bis zur jüngern Tertiärzeit befand sich an der Stelle von Java wahrscheinlich eine Gruppe von kleinern Inseln; dann begannen an zahlreichen Stellen vulkanische Ausbrüche, deren Auswurfsmassen (meist Schlamm und Asche, wenig Lava) den Archipel zu der heutigen langgestreckten Insel zusammenschweißten. So zeigt das heutige Java ein etwa 1000 km langes Gebirgsrückgrat, dem zahlreiche Vulkankegel aufgesetzt sind; gegen die Nordküste senkt es sich zu einem hügeligen Flachlande, das sich von der Ebene Ostsumatras (S. [157]) durch die geringe Ausdehnung des Sumpflandes sehr vorteilhaft unterscheidet. Der Landschaftscharakter wird, namentlich im Südteile der Insel, ganz von den Vulkangipfeln beherrscht; es gibt ihrer weit über 100, von denen fünf noch in jüngster Zeit tätig waren, während viele andre wohl nur scheinbar erloschen sind. Sie ordnen sich in einer Längsreihe und mehreren Querreihen an. Die Höhe der Vulkane ist sehr verschieden; 45 von ihnen sind höher als 2000 m, am höchsten ist der Semeroe mit 3680 m. Sie zeigen meist nicht Spitzkegel-, sondern mehr Flachkegelform, ihre Krateröffnungen haben teilweise mehrere Kilometer Durchmesser, und ihre Abhänge sind von regelmäßig angeordneten Regenrinnen zerfurcht und förmlich gerippt.
Das Klima ist entsprechend der Nähe des Äquators und der Inselnatur des Landes äußerst gleichmäßig. Die mittlere Jahrestemperatur von Batavia beträgt 26°, von der die höchste und die niedrigste durchschnittlich im Jahr vorkommende Temperatur nur um je 6,5° abweichen.