Es gibt demzufolge nur zwei Jahreszeiten, die feuchte und die trockne, die auf den beiden Längsseiten der Insel entgegengesetzt sind: auf der Nordseite fällt die Regenzeit in unsern Winter (Dezember bis Februar), die Zeit des NW.-Monsuns, auf der Südseite in unsern Sommer (April bis Oktober), die Zeit des SO.-Monsuns; letzterer liefert bedeutend mehr Feuchtigkeit. Das Innere hat keine ausgeprägte Regen-und Trockenzeit. Im Hochland entsprechen die Temperaturen etwa den Mai-und Junitemperaturen in Süddeutschland: Tosari, 1780 m hoch, hat 16° Jahrestemperatur, als kältesten Monat den August mit 15°, als wärmsten den Januar mit 17° (in dieser Umkehr des jährlichen Temperaturganges offenbart sich die Lage auf der Südhalbkugel der Erde!). Das Klima des Hochlandes ist für den Europäer durchaus zuträglich, nur das des feuchtheißen, fiebergeschwängerten Küstenstrichs (also auch der Städte Soerabaja und Batavia) ist gefährlich.
Die Pflanzendecke ist infolge der beständigen feuchten Wärme und der Regenfälle sehr üppig und läßt sich in den Mangroven-und Sumpfgürtel der Küste, die Flachlandvegetation, in der besonders Palmen und Bambus hervortreten, den tropischen Regenwald der untern Berghänge, den tropischen Gebirgswald und die Strauchvegetation der höchsten Gipfel gliedern. Ein nicht geringer Teil des Waldgebiets wird von Savannen eingenommen, die mit mannshohem Alang-Alanggras bestanden sind. Ein großer Teil des ganzen Landes ist in Kulturland, Reisfelder der Eingebornen und Pflanzungen der Europäer, verwandelt.
Die Tierwelt Javas weicht von der des hinterindischen Festlandes und Sumatras schon ziemlich stark ab. Zwar beherbergt die Insel noch den Tiger, das Nashorn und den Gibbonaffen, aber der Elefant, der Tapir, der Orang-Utan und der schöne Argusfasan fehlen ihr. Trotzdem ist die Fauna noch sehr reich, besonders an Affen, Vögeln (Pfau, Nashornvögel etc.) und prächtigen Schmetterlingen. Andre bekannte Bewohner der Insel sind Fliegende Hunde, Panther, wilde Hunde (Canis rutilans), Banteng (Bos banteng), Wildschweine (Sus ritlatus und verruccosus), Hirsche, sehr viele Schlangen, darunter Pytons, Eidechsen, Leistenkrokodile und Kaimane.
Die Bevölkerung Javas beträgt (1905) etwa 30 Mill. (darunter 65000 Europäer und Mischlinge, 300000 Chinesen und 19000 Araber) und ist mit 229 auf 1 qkm beinahe doppelt so dicht wie im Deutschen Reiche (vgl. S. [20]); dabei ist etwa ein Fünftel der Insel (Küstensümpfe, Alangsteppen, Bergwälder) noch Wildnis, und Großstädte gibt es nur drei. Die Hauptmasse der Bevölkerung besteht aus Malaien und sondert sich in zwei verschiedensprachige Hauptgruppen, die Sundanesen im W. der Insel, klein (1,57 m), untersetzt, kräftig, mit groben Gesichtszügen, und die etwas größern (1,61 m), feiner gebauten, hübschern Javaner im O., zu denen man auch die Bewohner der Nachbarinseln Madoera und Bali rechnet. Die Malaienbevölkerung Javas ist freundlich, bescheiden und unterwürfig, willig, aber nicht ausdauernd im Fleiß und für größere Anstrengungen ungeeignet und läßt sich von den eingebornen Fürsten und den Holländern völlig leiten; die natürliche Hinterlist und Rachsucht der Malaien kommt verhältnismäßig wenig zum Durchbruch. Die eigne Kultur der Malaien ist nicht gering, freilich auch von Vorderindien aus seit alters stark beeinflußt. Hausgewerbe sind Weberei und das Batiken, bei dem man weiße Arabesken und andre Muster auf farbigem Stoff dadurch erzeugt, daß man die Stellen, die weiß bleiben sollen, durch Aufgießen von Wachs vor dem Gefärbtwerden schützt. Hauptbekleidungsstück ist der Sarong, ein um den Unterkörper geschlagenes Tuch. Bei der Herstellung der auf Pfählen errichteten Häuser und der Gerätschaften finden Bambus und Rotangstricke die vielseitigste Verwendung. Unter den Vergnügungen spielen Hahnen-und andre Tierkämpfe sowie Schatten-und Puppenspiele (Wajang), in denen unter Orchesterbegleitung namentlich Szenen aus alten Heldenepen aufgeführt werden, die Hauptrolle. Hauptnahrungspflanze ist der Reis; seine Kultur erfolgt mit Hilfe des Wasserbüffels von den kleinen weilerartigen Dörfern (Kampongs) aus, die mit allerlei Fruchtbäumen (Kokos-, Areka-[Betelnuß-] und Sagopalmen) umpflanzt sind.
Unter der fremden Bevölkerung spielen außer den Europäern die Chinesen und die Araber die Hauptrollen. Erstere betätigen sich als Großkaufleute und Pflanzer, vor allem aber als Kleinhändler. Die Araber spielen als Wucherer, religiöse Fanatiker und Unruhestifter eine sehr unliebsame Rolle. Die Europäer sind als Beamte, Soldaten, Kaufleute und Pflanzer auf der Insel. Der europäische Plantagenbau steht in hoher Blüte und liefert für den Welthandel mannigfaltige Produkte, deren Zahl von den in Buitenzorg und Boeboelat bestehenden botanischen Gärten und Versuchsstationen noch immer zu erhöhen gesucht wird. Die Hauptkulturen liefern für den Welthandel Kaffee (besonders im trocknen Osten), Tee (viel, aber nicht gut), Kakao, Zimt, Zucker (aus den Zuckerrohrpflanzungen der östl. Ebene), Pfeffer, Reis, Kopra, Indigo, Cochenille, Tabak (in Mitteljava), Chinarinde (im feuchten Gebirgslande Westjavas) etc. Monopol der Regierung sind: Seesalzgewinnung, Sammeln der eßbaren Schwalbennester, Opiumverkauf, Pfandhäuser, dann Teakholzschläge der Tectona grandis in den Staatsforsten (Djattiwälder).
Die Industrie umfaßt viele Reismühlen und Zuckerfabriken, eine Chininfabrik, eine Petroleumraffinerie, Arrakbrennereien, Seifen-, Eis-und Mineralwasserfabriken und 52 Druckereien. Eisenbahnen sind auf Java (1909) 4200 km (einschließlich Nebenbahnen) im Betrieb.
Verwaltung. Die Insel Java ist in 23 Residentschaften geteilt. An der Spitze jeder Residentschaft steht ein mit großer Machtvollkommenheit ausgestatteter Resident mit Assistent-Residenten und Kontrolleuren, sämtlich Niederländer, dagegen sind die Vorsteher der Regentschaften, Distrikte und Dessa (Gemeindebezirke, aus mehreren Kampongs bestehend) angesehene Eingeborne, von denen die der beiden ersten von der Regierung ernannt, die der letzten von den Gemeinden gewählt und vom Residenten bestätigt werden. In den beiden »Fürstenländern« Soerakarta und Djokjakarta regieren einheimische Fürsten unter Oberaufsicht des Residenten. Der Landbesitz einer Dessa ist Gesamteigentum der Gemeinde und wird jährlich neu verteilt. Jeder Grundbesitzer hat Grundsteuer zu entrichten und Frondienste zu leisten.
Geschichte. Java erscheint schon bei seinem ersten Auftreten in der Geschichte (um 100-200 n. Chr.) als hochkultiviertes Land. Später wanderten aus Nordindien Hindu ein, die zwar als Rasse nicht bestehen blieben, sondern in den Malaien aufgingen; aber sie beeinflußten die Kultur und besonders die religiösen Verhältnisse sehr stark und gewannen auch vielfach die politische Herrschaft. Noch heute gehören die Ruinen sowohl der buddhistischen (Boro-Boedoer; S. [206]) wie der brahmanischen religiösen Bauwerke mit zu den schönsten Beispielen indischer Bauweise. Politisch zerfiel die Insel in eine Reihe von Hindureichen. Bis Ende des 15. Jahrh. war das mächtigste Reich das von Madjapahit. Um 1400 wurde von arabischen Kaufleuten der Islam eingeführt; Mohammedaner gründeten die Reiche Bantam und Mataram und eroberten Madjapahit um 1480. Bei Ankunft der Europäer auf Java bestanden hauptsächlich die Reiche Bantam, Jakatra, Tscheribon und später Mataram, das mächtigste von allen. Um 1520 hatten die Portugiesen Handelsverbindungen mit den Eingebornen angeknüpft; aber 1596 erschienen die Holländer, verdrängten die Portugiesen und siedelten sich an. Sie bemächtigten sich Jakatras, erbauten 1619 Batavia, wußten die einheimischen Fürsten durch Zwiespalt zu schwächen und zu unterwerfen und verjagten auch die Engländer, die ebenfalls Kolonisationsversuche gemacht hatten. 1684 nötigten sie den Sultan von Bantam, ihnen seine Hauptstadt einzuräumen; um 1700 wurde Tscheribon unterworfen, und 1742 ward Bantam ein Lehen der Holländisch-Ostindischen Kompanie. Vom Kaiser von Mataram gegen die Makassaren und Maduresen zu Hilfe gerufen, zwangen ihn die Holländer in ein Lehnsverhältnis. 1755 teilten sie das Reich in zwei Hälften, deren eine sie dem rechtmäßigen Erben gaben, der nun den Titel Susuhunan führte, während sie über die andre einen Seitenverwandten des Kaisers mit dem Titel Sultan setzten.
Die Fürsten wurden in strengster Abhängigkeit erhalten und mußten an ihren Höfen holländische Residenten aufnehmen, auch dulden, daß die Holländer bei ihrer Residenz ein Fort besetzt hielten. 1811 kam die Insel in den Besitz der Engländer. Nach dem Pariser Frieden erhielten die Holländer 1815 Java zurück. Eine der gefährlichsten Erhebungen war die 1825 von Diepo-Negoro; 1846, 1848-49 und 1908 mußten gegen die benachbarte Insel Bali Kriegszüge unternommen werden.
Literatur: J. Veth, Java, geographisch, ethnologisch, historisch (Haarlem 1896-1903); J. Giesenhagen, Auf Java und Sumatra. Streifzüge und Forschungsreisen im Lande der Malaien (Leipzig 1901); Haeckel, Aus Insulinde (Leipzig 1908).
Reisen in Niederländisch-Indien.
Beste Reisezeit ist Mai und Juni.
Ausrüstung. Reiseanzug im Gebirge wie in Deutschland, da die Nächte kalt und der Witterungswechsel oft schroff ist. An der Küste und in der Ebene ist Tropenausrüstung unentbehrlich, dazu Gesichtsschleier, baumwollenes Unterzeug, reichlich Wäsche, seidene oder leinene Jackettanzüge, dazu Tropenhelm. Abends trägt man in den Klubs und ersten Hotels geschlossene weiße Anzüge; für Festlichkeiten leichter Frackanzug ohne Futtereinlagen. Pyjamas und Sarong. In den Hauptplätzen auf Java kann man jede Ausrüstung zu mäßigen Preisen beschaffen. Weiße Anzüge in Singapore $ 21/2, in Batavia beim europäischen Schneider 8-10 Fl., beim Chinesen 6 Fl., in 24 St. herstellbar. Verpackung der Vorräte muß gegen Feuchtigkeit und Kakerlaken schützen, also am besten in Blechbüchsen.
Geld wie in den Niederlanden, 1 Silbergulden (Fl.) etwa = 1,70 Mk. = 100 cents oder 10 dubbeltjes.— Goldmünzen: 10-Guldenstücke.— Silbermünzen: Rijksdaalder = 21/2 Fl., gulden = 1 Fl., halve gulden = 1/2 Fl., kwartgulden, kwartje = 1/4 Fl., dubbeltje = 1/10 Fl.—Kupfermünzen: 21/2, 1 und 1/2 cent.
—Banknoten der Niederländisch-Indischen Regierung und der Javasche Bank sind vollwertig, Banknoten des Mutterlandes (Niederlande) gelten etwas geringer. Falsche Rijksdaalder, Gulden und 1/2-Guldenstücke sind häufig!
Verkehrssprache: Für die niederländisch-indischen Namen beachte man, daß oe = u im Deutschen, ou = au, ui = eu, ij = e-i; für Kenner des Plattdeutschen macht das Holländische keine allzu großen Schwierigkeiten; die gebildeten Holländer verstehen meist Deutsch.—Die javanische Sprache, die von der Bevölkerung Mittel-und Ostjavas (im W. der Insel spricht man Sundanesisch, im O. viel Maduresisch), d. h. von etwa 18 Mill. Menschen gesprochen wird, ist ein Zweig des malaiisch-polynesischen Sprachstammes. Sie ist die Tochter der altjavanischen oder sogen. Kawisprache und enthält viele Lehnwörter aus dem Sanskrit. In der Umgangssprache ist der Unterschied zwischen der vertraulichen und der höflichen Rede ungemein scharf ausgeprägt. Die javanische Schrift hat sich entwickelt aus der alten Kawischrift, die einer altertümlichen indischen Schrift entstammt. Die beste Grammatik des Javanischen ist T. Roordas »Javaansche grammatika« (Amsterd. 1855), in kürzerer Fassung desselben »Beknopte javaansche grammatika« (das. 1875, 4. Aufl. 1893), Javanisch-Niederländisches Wörterbuch, ebenfalls von T. Roorda. »Praktische Grammatik der javanischen Sprache« von Bohatta (Wien). — Im Verkehr ist die malaiische Sprache sehr üblich (s. unter Singapore, S. [167]); ein sehr nützlicher Sprachführer ist für Deutsche: Hüttenbach, Anleitung zur Erlernung der malaiischen Sprache (Verlag von J. Haltermann, Medan-Delhi, S. [158], Sumatra), auch in Batavia zu haben, Preis 1 Fl.
Lebensweise vorsichtig wie in Indien (s. S. [51]). Märsche, Ritte nur morgens anzuraten; in der heißesten Tageszeit bleibe man im Hause oder ruhe im Schatten. Bad morgens und nach Bedarf nachmittags.