Da sprang der König ungestüm in den Sattel und setzte das Pferd in Galopp. Seine Stirn war klar, seine Wangen färbten sich rötlich, und der Haudegen glänzte wie ein Sonnenstrahl.

Der Holsteiner blickte ihm nach. Sein bitterer Ausdruck wurde milder, und er murmelte zwischen den Zähnen, während er selbst in den Sattel stieg und mit der Hand am Hut an der Schildwache vorbeijagte:

»Das ist nur die Freude eines Helden daran, den schönen Tod eines Helden zu sehen. Merci, Kamerad!«

Der Königsritt

Der Hofkanzler von Müller saß auf einer Fußbank vor seinem Stubenherd im Hause des schwedischen Königs in Demotica und buk Pfannkuchen. Er hob den einen vertragenen Rockschoß in die Höhe gegen das Feuer und besichtigte ihn.

»Zwar hängen die Galonen noch fest an dem Rock,« sagte er zu Oberst Grothusen, der daneben stand und sich wärmte, »aber schändlich schwarz sind sie geworden. Und das übrige schwedische Gefolge fängt an, der Teufel hole sie, gerade wie Zigeunerpack auszusehen. Ich sage mit Fabrice: Ich kann mich bald nicht mehr erinnern, wie Geldstücke aussehen, ob sie rund oder viereckig sind.«

»Sie sind so rund, daß sie wie Räder rollen!« antwortete Grothusen und rieb sich vergnügt die Hände. »Ein König, ein Hof, eine kleine Armee ohne was anderes als ein wenig zusammengepumptes Kleingeld in der Tasche … Und das in einem türkischen Marktfleckchen, Hunderte von Meilen von dem eigenen Vaterland! Zu welcher Zeit sahest du dergleichen? Gott verzeih' mir, aber ist das nicht ein so kostbarer Anblick, daß es nichts tut, wenn es mit dem Zucker auf dem Pfannkuchen zuweilen knapp ist? Von der Pforte kriegen wir keinen einzigen Beutel mehr. Obwohl ich kaum Zeit habe, nachts zu schlafen, sondern nur daran arbeite, das Reisegeld von allen Schacherern der Welt aufzutreiben, so weiß ich doch kaum, wie wir ehrenhaft von hier wegkommen sollen. Ich habe Seiner Majestät gesagt, wir müssen die ganze Reihe Gläubiger mit uns nehmen, als Nachzug bis nach Schweden, und sie in Karlshamn einquartieren, bis sie bezahlt sind. Denk einmal: das kleine Karlshamn vollgepfropft von Türken, die in den Straßenecken knien und Allah anrufen! Jaa, mein Lieber! Wenn wir nur wegkämen! Wir müssen unter Paukenschlag und Trompeten wegziehen, wie es Schweden ansteht, verstehst du? Glücklicherweise haben wir den Staat noch da vom vorigen Sommer, als ich in der Abschiedsaudienz beim Sultan war. Sie sind sicherlich weder wattiert noch gefüttert, die Schabracken, aber außen sitzt um so mehr Messingzeug und Troddeln … Und das ist die Hauptsache … Und selbst sehe ich ja aus wie eine ganze Exzellenz! Nicht? Spitzenkrause, Schnupflöffel aus reinstem Dukatengold … Im Schrank einen Ehrenpelz, vom Sultan geschenkt, ein Paar abgetretene Pantoffeln, eine Nachtmütze und einen seidenen Schlafrock, den Düben froh sein sollte, in der Hochmesse tragen zu dürfen. Aber das ist auch so das letzte und läßt erkennen, was von der ganzen Herrlichkeit übrig bleibt, bis wir heimkommen!«

Je länger Grothusen sprach, desto munterer wurde er. Schließlich ging er ans Fenster und riß es sperrangelweit auf.

»Was gibt's?« fragte Müller und zog fröstelnd den Rock zusammen.

»Es ist ein Haufe Türken, der da steht und wartet, daß man Seine Majestät ausreiten sehe. Es ist nämlich ein Platzregen, und da können sie ja begreifen, daß man nicht im Haus bleiben will.«