»Die Welt kann nie den Helden verstehen, der lieber bei seiner beschworenen Abrede verbleibt, als den schlauen Politiker spielt; aber feig ist, wer sich dem entzieht, einer solchen Standhaftigkeit zu dienen. Es standen schwache Zeichendeuter an der Wiege Eurer Majestät. Des Löwen Sternbild sahen sie wohl, aber sie lasen nicht in den Gestirnen, daß die Feuersbrunst schwedischer Großmacht schon dahinter angedeutet stand … unwiderruflich ohne Abhilfe. Der Kämpe, der aus dem Steinhaufen stieg, um die Schweden in dem großen Streit zu sammeln, er braucht Männer. Ich bin ein Fremdling, aber so gewiß ich lebe, rede ich von Herzen und in Wahrheit. So lange meine Kräfte reichen, will ich von Ost und Westen das Holz zusammenschichten zu einem Bollwerk dieser Art, das nur schlimm genug gezimmert werden kann mit Nägeln von gutem Dukatengold.«
»Dies Spiel kann gefährlich werden.«
»Das Gefährliche ist das Lustige. Ein braver Diplomat muß jeden Tag für das Schafott bereit sein, wie ein Krieger für die Kugeln. Mißglückt alles, ja, dann soll auch das Bollwerk ein Scheiterhaufen werden, der die Nacht ringsum zum lichten Tage macht, und die Feinde zu bloßen Schatten und Schemen. Mir bleibt dann nur der Ehrentod, selbst auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu dürfen bei meinem Herkules. Unsres guten Luthers »Wein, Weib und Gesang« hat mir immer zu sehr nach dem Wirtshaus geschmeckt, und ich will lieber die Worte setzen:
»Wer nicht liebt Weib, Ruhm und Macht,
der bleibt ein Narr bis in die Todesnacht!«
Angefeuert durch die augenblickliche Aufrichtigkeit und seine eigene Wärme, hatte Görtz vergessen, das Wort »Weib« zu streichen, aber der König achtete nicht darauf, sondern ging ihm mit blitzenden Augen entgegen.
»Mein Bild darf nicht auf die Notmünze gesetzt werden!«
»Wir können ja den ganzen Olymp nach abgedankten Göttern plündern.«
Der König stand lange schweigsam. Dann fügte er mit leiser und unsicherer Stimme hinzu:
»Es darf auch nicht das Wappen des schwedischen Reiches darauf gesetzt werden!«