Über seine gerunzelten Augenbrauen legte sich eine tiefe, finstere Schwermut.
Betroffen, unschlüssig und eilig stand Görtz vom Boden auf und ging ans Fenster und deutete auf den Platz hinunter.
»Wenn Eure Majestät nochmals bittere Gedanken überkommen, so gehe sie nur ans Fenster und schaue auf den Platz hinunter. Da wird es nicht schwer, herzlich zu lachen.«
»Es ist schon lange her, seit ich von Herzen lachte …«
Unten auf dem Platz unter den Mädchen beim Brezelstand ging Grothusen auf und ab, und hinter ihm stand ein kleiner Tambour mit der versiegelten Trommel.
»Schlage nur einen kühnen Wirbel, und trommle die Mägde zusammen,« befahl Grothusen.
Der Knabe rührte die Schlegel, und als alle Mädchen neugierig herzugesprungen waren und rings herumstanden, brach Grothusen die Versiegelung auf und spannte das Trommelfell ab. Danach hob er aus der Trommel alle möglichen frauenhaften Spielereien, die er während des letzten Abends in Demotica auf dem Basar eingehandelt hatte. Es waren kleine Tücher und Schleier und Spiegel und Rosenölfläschchen und Halsbänder mit Halbmonden und Münzen. Er schwenkte die Tücher hoch in die Luft. Mit zurückgeworfenem Haupt und Schweißtropfen auf dem pfefferbraunen Antlitz rief er seine Waren aus und hielt eine Auktion. Für die eine Kleinigkeit verlangte er einen Kuß, für die andere eine Umarmung, für die dritte einen Tanz auf offenem Platze.
»Schau, schau,« fuhr Görtz fort, »wie unser Oberst seine heidnischen Tücher dem christlichen Frauensvolk zustopft! Er ist ein bon garçon unser Freund da unten, aber Männer solchen Schlages sind doch nicht gewachsen, einem Karl dem Zwölften zu dienen …«
Der König begann nun sich zu verneigen, zum Zeichen, daß Görtz abtreten könne.
»Der Verleumder hat auch behauptet, daß Sie, Baron, ein arger Schelm seien. Eines will ich Ihnen sagen. Wenn wir in Zukunft zusammen arbeiten, soll der Baron nie schlecht sprechen von irgendeinem Abwesenden, denn dann nehme ich immer die Partei des Abwesenden. Wieviel Schlimmes hat man nicht versucht, mir ins Ohr zu flüstern wegen der Trommel dort unten … Und was enthält sie? Ja, harmlose Spielereien und Lappalien! Wenn Grothusen auch ein verschwenderischer Diener war, so hat er wenigstens nie etwas in den eigenen Sack gesteckt … Jetzt will ich ein paar Akte durchgehen.«