»Mein gewogener Junker!« riefen sie ihm ins Ohr und führten ihn wie einen Gefangenen an beiden Armen. »Wenn Er so schmuck reden kann, so ist es auch nicht zu viel Ehre, daß Er in der Nähe stehen darf, wo die Kugel pfeift … Jetzt haben wir einen aufgeblasenen Vogel auf der Leimrute gefangen! Wir sind Werber, wir mein Herrchen … Versteht Er? Und jetzt marsch nach Norwegen!«
»Ich habe all mein Lebtag nach nichts anderem verlangt, als Soldat zu werden!« antwortete er sogleich mit so weicher und freundlicher Bestimmtheit, daß sogar er selbst seinen Worten glaubte. »Jetzt legt nur schön das Werbegeld in meinen Hut!«
So mußte er denn endlich den blauen Rock anziehen, vor dem er eine solche Furcht hegte; und einen Tag nach dem anderen erlebte er neue und unerwartete Begebenheiten mitten in dem Land, wo ehemals der Pflug ruhig seine Furchen in die Erde gegraben hatte. Kaum war er ein Stück oberhalb von Strömstad angekommen, als er große Galeeren auf trockenem Boden zu sehen bekam. Er selbst wurde mit Bauern, Pferden und Ochsen zusammen vor den Steven gespannt, um die Fahrzeuge über die Landzungen zwei und eine halbe Meile bis Idefjord zu schleppen. Zoll für Zoll wurden die Schiffe über Knüppeldämme und Reisighaufen gezogen, des Nachts bei Pechfackeln und des Tags in der Hitze der Julisonne. Ein kleiner Mann in violettem Samtrock und buschiger Perücke und mit breiten Goldspangen an den Schuhen ging aufmunternd zwischen dem Volke hin und her. Es war Emanuel Svedenborg, und Polhem hatte ihm aufgetragen, diese seltsame Tat auszuführen. Als er Tolle Aarassons ansichtig ward, beschattete er seine Augen mit der Hand und sagte:
»Das ist eine der fettesten und blühendsten Gesundheiten, die ich seit vielen Jahren gesehen habe. Verfahrt dennoch nicht zu hart mit diesem Mann, meine lieben Korporale, denn ich erkenne wohl, daß er keine rechte Kraft in den Gliedern besitzt!«
Das war das erste mitleidige Wort, das Tolle Aarasson gehört hatte, seitdem er mit seinen Kameraden in Uppsala angestoßen hatte, und alsbald mußte er mit tränenden Augen die runde Hand vorstrecken und betteln.
»Ich bin ein verunglückter, armer Kerl,« flüsterte er in einem Gemisch von Schwedisch und gelehrtestem Latein, »und ich würde für eine einzige Prise Schnupftabak segnen und danken.«
»Schnupfen und der Krone dienen ist zweierlei!« antwortete Svedenborg ernst und ging weg, aber noch am gleichen Abend, als es zum Ablösen blies, kam er mit seinem Schnupftabakshorn.
»Nimm das ganze Horn und behalt es und sprich nicht weiter davon!« flüsterte er und war wieder verschwunden, wie ein Wanderer, der plötzlich auf dem Wege auftaucht.
Die Menschen sind gut, dachte Tolle Aarasson sofort und versuchte sich in sein Schicksal zu finden. Bald hatte er jedoch seine letzten Kupfergötter und den ganzen Inhalt seines Schnupftabakshornes verschwendet, um sich des Morgens mitunter eine Stunde längeren Schlafes zuzuschwindeln. Alsbald meinte er wieder, daß die Menschen schlecht seien.
Als endlich das letzte Schiff mit seinem goldenen Siegesgott am Vorderteil über Idefjord ins dunkle Meer hinausglitt, wurde er von neuem zum Marsch befohlen. Viele fremde und inländische Offiziere schlossen sich allmählich der Schar an, und von Hof zu Hof wanderte der lange Zug der letzten ausgeschriebenen Söhne des Landes.