Tolle Aarasson bog die Weidenruten des zunächst liegenden Schanzkorbes zur Seite und hörte den norwegischen Konstabel mit den Soldaten reden.

»Ihr Jungen, es hat keinen Zweck, länger Mannschaft und Artillerie auf diesem Schanzwerk zu verschwenden, aber da das alte Feldstück zu gebrechlich ist, um weggeschleppt zu werden, hat mir der Kommandant befohlen, es abzufeuern, ehe wir gehen. Immerhin kann wohl der Schuß den Schweden einigen Schaden verursachen, wenn das Geschütz nicht in Stücke springt.«

Während er sprach, legte er vorsichtig die Lunte auf das Feldstück, und von seinen Leuten begleitet, kehrte er dann mit raschen Schritten und singend nach der Festung zurück.

Tolle Aarasson verfolgte mit dem Auge die gelbliche Flamme der Lunte, die sich dem Zündloch immer näher schlängelte. Er stieß die Reisigbündel und Erdsäcke weg, um sich Bahn zu brechen und die Lunte wegzureißen, und er sprach laut, als spräche er zur Nacht:

»Ich wollte den Mann töten … und jetzt will ich ihn erretten, nur weil ich ihn eben gesehen habe und ihn sprechen hörte! So macht er uns alle mit einem Blick zu seinen Dienern! Mein Verstand erlischt, und ich kann nicht länger denken.«

Er hieb die Weidenruten mit geballter Faust entzwei, aber das Pfahlwerk versperrte den Zugang, und die ganze Zeit sah er die Flamme am Zündloch. Mitunter erstarb sie und war nahe daran, ausgelöscht zu werden, dann aber schlug sie wieder klar und groß in die Höhe.

Dies sei ein Zeichen, meinte Tolle Aarasson, daß die Menschen heute Nacht nicht mehr versuchen sollten, zu handeln, und er stieg in die Klüfte hinunter, die gegen das Tal und die schwarzen Schornsteine in dem abgebrannten Fredrikshall abstürzten. Noch aus der Ferne sah er die Flamme. Klar brannte sie in weiter Ferne zwischen den Schanzkörben, aber er stieg tiefer und tiefer hinunter in die Felsen. Da hörte er den Knall des Schusses, und der Felsen zitterte.

Seine Kräfte waren erschöpft, und sein Verstand wurde umnachtet. Er erinnerte sich nicht mehr, warum er gegen den Feind gegangen war. Er fürchtete nur dunkel, gesehen und ergriffen zu werden. Er stierte in die Nacht hinauf, und gleich den Wagen Asa-Thors rollten die Donner der Festung über die Alpen.

Er wußte nicht, wie lange er unter den Wacholderbüschen umher schwankte, und nicht, wohin er ging. Zuletzt vernahm er Schritte von schweren, eisenbeschlagenen Stiefeln und hörte Kies und Steine stürzen. Zwölf Soldaten aus der Garde kamen mit einer Bahre den jähen Hügel herunter.

Er hielt sich hinter den Wacholderbüschen und wartete. Auf der Bahre lag ein Gefallener, von zwei einfachen Soldatenmänteln umhüllt und mit einer weißen, über das Gesicht gezogenen Lockenperücke unter dem in die Stirn gedrückten galonierten Hute.