»Schlafen, schlafen unterm Fluch! Warum werden nicht die Trommeln gerührt? Die Bahre dort steht so allein. Hier weinen keine Frauen, keine Kinder, keine vertrauten Freunde. Ach, du Mond, der du kamst und gingst und so vieles anschautest, nie werde ich dich über einem schwedischen Wald sehen, ohne der Bahre zu gedenken.«

Er ergriff die Axt, die in einem Zweige saß, und die er einige Abende zuvor den Soldaten gezeigt hatte. Die Holzsplitter flogen, und seine Hiebe gegen den Stamm der Armleuchterbirke hallten weit durch die Stille.

Dann zog er wiederum seine Hand zurück, und ein neuer Schimmer vom Licht des Verstandes zog durch seine Seele.

»Allmächtiger, rächender Gott! Er, vor dem der bezahlte Mörder seine Waffen hinwarf, er, der lächelnd unzähligen Todesgefahren begegnete, er fällt still wie eine geknickte Ähre am Weg, da du das Maß seines Verhängnisses fülltest. Er fällt beinahe in der Einsamkeit, eines Nachts auf dem Walle, gleich einem geringen Soldaten auf dem Posten. Er stirbt von der Kugel eines ausgedienten und verrosteten Feldstückes, auf das ein paar Soldaten gleichgültig und singend ihre Lunte geworfen haben. Oder … woher kam wohl auf dein Geheiß die Kugel? Was weiß ich, ein einfacher Mann … Ich weiß nur das, wovon ich soeben Zeuge war, und muß daher glauben … Aber es waren so viele fremde Stimmen da oben in der Finsternis.«

Noch immer saß der Oberst auf der Stange der Bahre bei dem in Soldatenmäntel gehüllten Toten, und immer erschöpfter fielen durch die Nachtruhe die Schläge der Axt gegen den dicken Stamm der Birke. Als schließlich der Baum stürzte, setzte sich der unbekannte Holzhauer schweigend auf den Stamm.

Die Stunden wurden ihm lang. Es ging schon dem Morgen zu, als ein paar nachgeschickte Diener sich näherten, um den gefallenen Herrn hereinzutragen. Zwischen ihnen ging ein Hauptmann mit dem Degen des Königs und erzählte, daß dessen Hand im Augenblick des Todes so heftig um den Griff gefaßt habe, daß die Klinge zur Hälfte aus der Scheide gezogen worden sei.

Jedem Worte lauschend, bog Tolle Aarasson die Zweige der Armleuchterbirke zur Seite.

»Dieser Degen …« fragte er sich. »War es ein verstockter und zu früh ergrauter Greis, der diesen Degen zog gegen das Andenken jenes Lichtfürsten, der einst seinen Namen trug? Oder ob …?«

Er trat vor, gerade dem Hauptmann in den Weg, und flüsterte unterdrückt:

»Dieser Degen … gegen wen wurde dieser Degen gezogen? Unter meinen blutigen Korporalskleidern steckt ein ebenbürtiger, ein vielleicht kundigerer Mann als Ihr, obgleich er vor den Menschen tief gesunken ist. Weist mich daher nicht fort, sondern antwortet aus Barmherzigkeit.«