Lewenhaupt verbeugte sich.
Der König betrachtete ihn ein wenig zaghaft, ohne zu antworten, und blieb stehen, nachdem Rhensköld hinausgeeilt war. Niemand von den anderen im Ring hielt es für gebührlich, das Schweigen zu brechen oder sich zu bewegen.
Erst nach einer ganz langen Weile verbeugte sich der König wieder vor jedem einzelnen und ging hinaus ins Freie.
»Na,« fragte Lewenhaupt und klopfte dem Fähnrich mit wiedergewonnener Natürlichkeit auf die Schulter. »Herr Fähnrich soll mitkommen! Das ist das erstemal, daß der Fähnrich Aug in Aug mit Seiner Majestät gestanden hat.«
»Ich hatte ihn mir anders vorgestellt.«
»Er ist immer so. Er ist zu königlich, um zu befehlen.«
Sie folgten dem König, der über Wagen und gestürzte Tiere kletterte. Seine Bewegungen waren gewandt, aber niemals hastig, sondern maßvoll und ziemlich langsam, so daß er keinen Augenblick seine Würde verlor. Als er sich schließlich durch das Gedränge im Stadttor den Weg gebahnt hatte, stieg er mit seinem Gefolge, das sich jetzt auf sieben Mann belief, in den Sattel.
Die Pferde glitten auf der Eisstraße aus, und einige stürzten, aber Lewenhaupts Einwendungen lockten den König nur, die Sporen noch herzloser zu benutzen. Der Lakai Hultman hatte ihm die ganze Nacht laut vorgelesen oder Märchen erzählt und ihn schließlich mit der Wahrsagung zum Lachen gebracht, daß er, wäre er nicht von Gott zum König erkoren, sein ganzes Leben lang ein menschenscheuer Stubenhocker geworden wäre, der viel wunderlichere Verse als der selige Messenius in Disa auf »Bollhuset« ausgedacht hätte, vor allem aber die gewaltigsten Kampfgesänge. Er versuchte, an Rolf Götriksson zu denken, der immer selbst zuvorderst vor seinen Leuten ritt, aber es wollte ihm heute nicht glücken, seine Gedanken in die Spielstube der Sage einzuschließen. Die Unruhe, die in der letzten Zeit ihre Krallen in sein Gemüt geschlagen hatte, wollte die königliche Beute nicht loslassen. Er hatte jetzt eben auf der Kanzlei die erhitzten Gesichter gesehen. Von den Aufzügen der Kinderjahre her noch immer in seiner eignen früheren Einbildungswelt gefangen, war er für die schrillen Notschreie am Wege taub und wurde mißtrauisch gegen jeden, der ein empfindliches Gehör zeigte. Heute wie auch sonst merkte er kaum, daß man ihm das ausgeruhteste Pferd und das frischste Brot angeboten hatte, daß man am Morgen einen Beutel mit fünfhundert Dukaten in seine Tasche gesteckt hatte und daß die Reiter beim ersten Tumult einen Ring um ihn schlagen und sich dem Tod weihen würden, den er herausforderte. Dagegen merkte er, daß die Soldaten ihn mit einem unheimlichen Schweigen grüßten, und die Mißgeschicke hatten ihn sogar gegen seine Nächsten mißtrauisch gemacht. Der vorsichtigste Widerspruch, die verdeckteste Mißbilligung bemerkte er, ohne sich zu verraten, und jedes Wort lag da und nagte an seiner Seele. Es deuchte ihn, als ob er mit jeder Stunde einen Offizier verliere, auf den er früher vertraut hatte, und sein Herz wurde immer kälter. Sein gekränkter Ehrgeiz krümmte sich und blutete unter der Last des Mißlingens, und er atmete leichter, je weiter er das Hauptquartier hinter sich ließ.
Plötzlich blieb Lewenhaupt stehen und drehte um, in der Hoffnung, auf den König einwirken zu können.
»Mein guter Ajax!« sagte er und streichelte das dampfende Pferd. »Wohl bist du ein alter Krippenbeißer, aber ich kann dich für nichts und wieder nichts nicht voranjagen, und selbst fange ich an zu altern wie du. Aber in Jesu Namen, ihr Kerle! Es folge dem König, wer kann!«