Unbewegt und stolz will keiner dem andern sich nähern,
Keiner zum guten Worte, dem ersten, die Zunge bewegen. —
Denn wer die Städte gesehen, die großen und reinlichen, ruht nicht.

Nicht anders ist die versetzte Wortfolge bei Stellen wie folgende zu erkären:

Als du zu Pferden nur und Lust nur bezeigtest zum Acker. —
Der eine mit schwächeren Tieren
Wünschte langsam zu fahren, der andere emsig zu eilen.

Etwas weiter erhebt sich der Dichter von der Sprache der Prosa in den zusammengesetzten Adjektiven wie folgende: der vielbegehrende Städter, der allverderbliche, der vielbedürfende Krieg, die gartenumgebenen Häuser, die wohlgezimmerten Scheunen, der wohlumzäunte Weinberg, die wohlerneuerte Kirche. So anspruchslos diese Adjektiva auch sind, so wohl sie sich in die deutsche Rede fügen, so erinnern sie doch an die antike Dichtersprache: πάμφθαρτος, πολυφθόρος, εὐκτίμενος, εὐναιετάων und unzähliges andre der Art. Hier ist der Ort auf die vielfachen Anklänge an die Ausdrucksweise der Alten und besondes Homers, die das Gedicht durchziehen, aufmerksam zu machen.

Zwar, so groß die Verwandtschaft ist, die das Goethesche Gedicht in Geist und Ton mit Homer an den Tag legt, so wenig läßt sich sagen, daß der Dichter direkt nachgeahmt hätte. Er ließ sich vielmehr von Homers Anschauungs- und Empfindungsweise ganz durchdringen und schuf dann auf modernem Boden und mit modernen Mitteln ein Gedicht, das in seiner Weise ganz denselben heitern reinmenschlichen stillrührenden Eindruck macht. Dennoch aber hat der Dichter hin und wieder Formeln aus den Alten herübergenommen, mit denen er in heitrer Ueberlegenheit nur spielt, die aber dennoch dazu beitragen den Naturton, die nationale Wahrheit des Denkens und der Rede durch kleine, fremdartig reizende Unterbrechungen noch rührender hervortreten zu lassen oder im Zusammenklang mit den entferntesten Weisen uralter Menschensprache in ihrer ewigen Geltung zu bestätigen. So wird die Wirkung des Gedichts, die wunderbare Harmonie seiner Form durch jene Nachahmungen, die von einer kaum merklichen Ironie angeflogen sind, nur noch erhöht.

Zwei Stellen erinnern uns an Virgil und Cicero. Bei der Szene, wo der ehrwürdige Schultheiß die streitende und drohende Menge durch sein Auftreten schnell besänftigt, scheint der Dichter eine Stelle in Virgils Aeneis vor Augen gehabt zu haben:

Ac veluti magno in populo cum saepe coorta est
seditio saevitque animis ignobile volgus
jamque faces et saxa volant, furor arma ministrat,
tum, pietate gravem ac meritis si forte virum quem
conspexere, silent arrectisque auribus adstant;
ille regit dictis animos et pectora mulcet.

Noch deutlicher ist die Uebereinstimmung einer Reflexion des Richters über den Leichtsinn, mit welchem man Menschen wählt, während man doch Rinder, Pferde und Schafe erst genau bei Tausch und Handel betrachtet, mit einer den gleichen Gedanken enthaltenden Stelle in Ciceros Schrift über die Freundschaft: sed saepe querebatur, quod omnibus in rebus homines diligentiores essent, ut capras et oves quot quisque haberet, dicere posset, amicos quot haberet, non posset dicere; et in illis quidem parandis adhibere curam, in amicis eligendis neglegenter esse nec habere quasi signa quaedam et notas, quibus eos, qui ad amicitiam essent idonei, judicarent. Cicero hat selbst wieder eine ähnliche Stelle in Xenophons Memorabilien vor Augen gehabt, die aber weiter von Goethes Worten abliegt als Ciceros Nachbildung.

Antik ist auch der Anruf der Musen:

Musen, die ihr so gern die herzliche Liebe begünstigt u. s. w.