Unverzeihlich find' ich den Leichtsinn, doch liegt er im Menschen. —
Der im Glück wie im Unglück sich eifrig und thätig bestrebet. —
Ungern würd' ich sie sehn, mich schmerzt der Anblick des Jammers. —
Aller Anfang ist schwer, am schwersten der Anfang der Wirtschaft. —
Meinem Vaterland hilfreich zu sein und schrecklich den Feinden. —
Alle mit Fleiße gepflanzt der Gäste Nachtisch zu zieren.

Goethe hielt den trochäischen Gebrauch solcher Wörter für so unverfänglich, daß er selbst da, wo die Aenderung auf der Hand lag, diese Aenderung verschmähte:

Und unten Weinberg und Garten,

wo es so leicht gewesen wäre umzustellen 'Garten und Weinberg', was aber nach Humboldts Bemerkung die natürliche Aufeinanderfolge gestört haben würde, da dem von der Höhe des Hügels Blickenden zuerst der Weinberg und dann erst die Gärten sich boten.

Den so auf die Bedingungen heimatlicher Rede zurückgeführten Vers behandelte Goethe mit der anmutigsten Leichtigkeit. Der Vers drängt sich nirgends vor, er drängt sich nirgends gewaltsam auf. In dem dunkeln, beglückenden Gefühl, sicher und leicht von dem rhythmischen Element getragen zu sein, überlassen wir uns mit ungestörter Empfindung der lebendigen Wirkung des schönen Inhalts. Keine ungehörige Wendung, kein unnützer Zusatz, kein empfindlicher Abzug verrät den Zwang des Metrums; die Worte, überall klar und natürlich, werden in edler Wohlbewegung von selbst zu Hexametern, und haben wir oben den epischen, leichtverschlungenen Periodenbau bewundert, so müssen wir hier bewundern, wie der Gang der Rede mit dem Gang des Verses in Anfang, Mitte und Ende so harmonisch zusammenstimmt. Kunstlos und doch voll Kunst, nachlässig und doch voll Haltung bewegen sich diese Verse im Spiel der Trochäen und Daktylen, gegliedert durch passende Zäsuren, den Perioden entgegen und von ihnen ab, bis sie schließlich mit ihnen zusammentreffen. Auch in der naiven Zwanglosigkeit des Verses kann Goethe mit Homer verglichen werden. Wie ungezwungen bewegt sich der Rhythmus gleich in der Anfangsrede:

Hab' ich den Markt und die Straßen doch nie so einsam gesehen!
Ist doch die Stadt wie gekehrt, wie ausgestorben. Nicht fünfzig,
Deucht mir, blieben zurück von allen unsern Bewohnern u. s. w.

Wie würdig ohne gesuchten Pomp in dem Gleichnis:

Wie der wandernde Mann, der vor dem Sinken der Sonne
Sie noch einmal ins Auge, die schnellverschwindende, faßte,
Dann im dunkeln Gebüsch und an der Seite des Felsens
Schweben siehet ihr Bild; wohin er die Blicke nur wendet,
Eilet es vor und glänzt und schwankt in herrlichen Farben.

Oder in der Naturschilderung:

Also gingen die zwei entgegen der sinkenden Sonne,
Die in Wolken sich tief gewitterdrohend verhüllte,
Aus dem Schleier bald hier bald dort mit glühenden Blicken
Strahlend über das Feld die ahnungsvolle Beleuchtung.