Was war das? Durch die weißen Gardinen drang die Sonne in sein Schlafzimmer herein. Von der Gasse herauf hörte er helles Kinderlachen; dazwischen vernahm er den ächzenden Laut einer Säge. Ja, das ist deutliche, prosaische Wirklichkeit. Das ist sein Schlafzimmer, und das liebliche Antlitz, das sich jetzt thränenbetaut über ihn beugt, ist das seiner holden Braut.
Und jetzt hört er auch die schrille Stimme des Professors Holberg: „Na, jetzt kann ich Ihnen mit einiger Sicherheit die Mitteilung machen, daß unser Freund gerettet ist. Der Fieberparoxysmus ist geschwunden. Der Puls schlägt wieder weich und regelmäßig. Das Sensorium ist frei. Und sehen Sie, jetzt drückt er mir schon die Hand. Na, lieber Freund, erkennen Sie uns? — Sie müssen schöne Felsstücke von Ihrer Brust gewälzt haben; denn was Sie in den Wochen Ihrer Fieberthätigkeit für phantastische Reden gehalten haben, das geht in keinen Wald hinein.“
Erwin versuchte, sich von seinem Lager zu erheben. Er vermochte es nicht. Glückstrahlend sah er in das Antlitz seiner Braut, freundlich nickte er ihrem Vater und ihrer Großmutter zu und flüsterte: „So war das Alles, was ich geschaut und erlebt, nur Fieberphantasie! Wie dank’ ich dem Geschick dafür! Öffnet die Fenster! Ich will meine liebe Frühlingssonne wiedersehen!“
Verlag von Adolf Bonz & Comp. in Stuttgart
Sammlung illustr. Erzählungen
Arnold, Hans, Lustige Geschichten. Mit Illustrationen von Wilhelm Schulz. 3. Auflage. 8°. Geheftet M 3.—, hochelegant gebunden M 4.20.
— Einst im Mai! und andere Novellen. Mit Illustrationen von M. Claudius. 3. Aufl. Geh. M 3.—, hocheleg. geb. M 4.20.