Was den Consonantismus angeht, so zeigen sich auch da schon Abweichungen vom Mhd. Das mhd. Auslautgesetz ist nicht mehr beobachtet; so finden wir tobend, wutend 3, 11; clag 4, 15; lieb 16, 18; auch Verdoppelung kommt vor; so in gott immer, dann 3, 14; will 5, 8; dritt 5, 17 u. a.
h vor t und s und nach r ist schon durchweg durch ch ersetzt; so in zuversicht 1, 14; boszwicht 2, 8; vechten 2, 15; gewachsen 13, 17; vorcht 2, 9 u. a.
tw ist schon verdrängt durch zw in bezwinge 3, 9; 8, 14; zwenglich 4, 2; und noch einigemal in Wörtern desselben Stammes.
[Verhältniss zum tschechischen Gegenstücke.]
Zu diesem deutschen Werke existiert ein Gegenstück in tschechischer Sprache unter dem Titel ›Tkadleček‹. Es ist ebenfalls ein Prosastück und wurde in zwei Theilen herausgegeben von Wenzel Hanka unter dem Titel: ›Starobylá Skládanie. Památka XIV. wěku. Tkadleček. W Praze 1824‹; d. h. Alte Schriftwerke. Ein Denkmal des XIV. Jahrhunderts. Tkadleček. Prag 1824.
Hanka benutzte bei der Herausgabe dieses Werkes, wie er selbst sagt, zwei Hss.: Eine aus der Bibliothek des Strahover Prämonstratenserklosters und eine zweite, früher im Privatbesitze Dobrovskýs, jetzt in der Bibliothek des böhmischen Museums befindlich unter der Signatur 4. H. 16. Es sind beide Papierhandschriften. Die erstere konnte ich nicht einsehen, da sie sich gerade in den Händen eines hiesigen Gelehrten befand. Die zweite ist auf 134 Blättern in kl. 8o geschrieben und sehr jung, in ganz modernem Einbande mit Lederrücken und Goldpressung; das Papier zeigt noch nicht die Spuren höheren Alters. Die Schrift ist anfangs sorgfältig, später flüchtiger.
Ueber die Ausgabe, die Hanka veranstaltet hat, will ich kein Urtheil fällen; ich mache nur aufmerksam auf die Aeusserung Gebauers über den kleinsten Fehler derselben. In seiner Abhandlung ›Ludvik Tkadleček‹ S. 115 in den ›Listy filologické a paedagogické red. J. Kvíčala, J. Gebauer, J. Niederle. Ročník druhý. V Praze 1875‹; d. h. philolog. und paedag. Blätter redig. v. J. Kvíčala, J. Gebauer, J. Niederle. II. Jahrgang. Prag 1875 sagt er: ›Nicht einmal die nachlässige und mitunter selbst unsinnige Interpunktion Hankas verdarb den Text so, dass die Elasticität des Stiles nicht ersichtlich wäre‹.
In seiner Vorrede sagt Hanka: ›Fünf Theile alter Schriftwerke, abgesehen von der Königinhofer Handschrift, in gebundener Rede sind glücklich veröffentlicht. Allerdings ist das nicht zum Lesen für Jedermann, wol aber für alle die, die ein gewichtiges Wort in der Beurtheilung der alten und neuen böhmischen Poësie zu ihrer Zeit mitreden wollen. Nicht umsonst sage ich auch der neuen, denn offenbar und augenscheinlich ist der Fortschritt der Poësie in dieser kurzen Zeit, seitdem fleissige und hoffnungsvolle Jünglinge an den Nachlässen des Geistes ihrer berühmten Vorfahren sich ergötzend deren Geniessbarkeit und Schönheit mit Vorsicht und Ueberlegung in ihren erfreulichen Werken zum Ausdrucke bringen. Unser ist es! so wollen wir sprechen, und so wollen wir es zu wahren suchen. Unser ist das, was uns Halbgelehrte nur deshalb absprechen, weil sie selbst es in ihrem Vaterlande nicht suchen können oder wollen, indem sie es den Russen, Polen, Kroaten und andern Blutsverwandten zuschreiben, deren Sprache sie nicht einmal kennen. Dieses Vorurtheil aus der Oeffentlichkeit auszurotten, erscheint mir gewiss von Wichtigkeit, und das ist der Sporn und Hauptgrund der Ausgabe dieser wertvollen Werke. Je mehr ihrer an das Licht wird gebracht werden können, um so mehr vergessener, uns jetzt fehlender, gut gebildeter Worte werden, ebenso wie Geschmeidigkeit, Anmuth und Stärke in unsere Sprache zurückkehren und sie mit der ihnen eigenen Kraft erfrischen.
Da ich mit herzlicher Freude sehe, wie die Poësie so gedeihlich sich erholt, so kann ich es nicht länger herausschieben, mit der alten Prosa hervorzutreten. Ich nehme zuerst den Tkadleček, nicht deshalb, als hätten wir keine ältern Handschriften, sondern weil er originell und weltlichen Inhaltes ist, und er eine grosse Belesenheit in griechischen und römischen Philosophen und Dichtern verräth. Lange schon hätte er wegen der Frische und grossen Gewandtheit seiner Sprache verdient gedruckt zu werden, was ihm auch, zwar nicht bei seinen Landsleuten im Originale, wol aber in deutscher Uebersetzung unter den ersten deutschen Drucken zu Theil wurde: Hie nach volgend etliche tzumale kluger und subtiler rede wissen. Wie eyner der was genant der Ackerman von behem, dem ein schöne liebe fraw sein Gemahel gestorben was, beschicket den tode und wie der tode im wider antwurt, vnd seczet also ye ein capitel vmb das ander, der capitel seind XXXII vnd vahet der ackermann an also zu klagen: Grimmer tilger aller leute Schedlicher achter aller Werlte. Es findet sich ein Abdruck davon in der kais. Wiener Hofbibliothek in Quart ohne Custoden und Signatur mit einem Holzschnitte.