[4] 4, 6. von vogelwait ist mein pflug. pflug hatte im mhd. auch die Bedeutung ›Geschäft, Erwerb, Beruf‹, wofür die Wörterbücher hinreichend Belege bieten. vogelwaide war nicht blos der Ort, wo Vögel gefangen, sondern auch der, wo sie gepflegt wurden. Nach einer Vermuthung Prof. Martins wäre sonach die ganze Stelle in symbolischer Bedeutung aufzufassen: ›Mein Erwerb (d. h. das, was mir den Lebensunterhalt verschafft,) kommt von der Vogelweide‹, d. h. von der Feder. Dafür spricht auch die entsprechende Stelle im tschechischen Gegenstücke Cap. III: ›Ich bin ein Weber aus gelehrtem Stande, kann ohne Holz, ohne Rahmen und ohne Eisen weben. Mein Schiffchen, mit dem ich anzettele, ist aus Vogelwolle, mein Garn ist gemacht aus der Kleidung verschiedener Thiere; der Thau, der meinen Acker befeuchtet, ist nicht gewöhnliches Wasser, noch ungemischt, und beim Gebrauche sprenge ich ihn herauf, herab, hin und her‹. Wenn diese Vermuthung angenommen werden darf, so ist es um so wahrscheinlicher, dass einer der unten nachgewiesenen Schulrectoren und Notare von Saaz der Verfasser des Werkes sei.

[5] 4, 13. turkeltaube, auch türkel- und durkeltûbe findet sich: s. Lexer II, 1588. Dialektisch im westlichen Böhmen jetzt fast ausschliesslich im Gebrauche.

[6] 5, 4 ff. Vgl. Wolframs Parzival 57, 10 ff.:

›ir freude vant den dürren zwîc,
als noch diu turteltûbe tuot.
diu het ie den selben muot:
swenne ir an trûtscheft gebrast,
ir triwe kôs den dürren ast.‹

[7] 7, 2. flutend vielleicht zusammenhängend mit vlœje, vlât; also ›sauber, schön, glänzend‹?

[8] 8, 11 f. Evang. Matth. V, 45.

[9] 8, 15. bilbis s. J. Grimm Mythologie2 S. 441 ff. zauberin ebend. 990 ff.

[10] 9, 10. Papenfels vielleicht ebenso gebraucht wie unser Tripstrill, d. h. von einem unbekannten Orte gemeint. Man vergleiche dazu ›Gouchesberc‹ Freidank 82, 9, Boner 65, 55 und ›Affenberc‹ Docen Misc. II, 187. Die gleich folgenden Worte sind offenbar sprichwörtlich. Aehnliche Redensarten bei Wander (deutsches Sprüchwörter-Lexicon Leipzig 1876) Bd. IV S. 644: Nr. 4 ›Doar fall’t kên Spöön, se ward denn hau’t‹ (Süderdithmarschen); Nr. 7 ›Es fallen kein spän, man haw sie denn‹. Desselben Inhaltes sind Nr. 8, 9. Vgl. auch Zingerle die deutschen Sprichwörter im Mittelalter S. 64 unter ›Haupt‹.

[11] [10, 2, mein erenreicher valke, mein tugenthaftige fraw: diese Vergleichung scheint schon MSF. 10, 17 angedeutet. Weit häufiger ist der Falk das Bild für den geliebten Mann: s. Vollmöller, Kürenberg 17 ffg. Martin.]

[12] 11, 14. Matth. VIII, 22.