»Stirb nicht, mein Kind! Gott, Gott im Himmel, hilf meinem Kind ...«
Anne-Dore lag bleich und gerade auf den Steinfliesen der kleinen Kammer, in der unsicher eine schaukelnde Gasflamme, durch leisen Zugwind bewegt, lautlose Schatten warf. Das Mädchen sah aus, als ruhte sie im Tode. Um ihren leicht geöffneten Mund war ein Lächeln von einer grauenhaften Seligkeit, süß und traurig, wie aus einem Bereich des Glücks und der Pein, das die Erde nicht kennt.
Unter ihren Kopf hatten sie ein Bündel silbergestickter Altarbezüge geschoben, über deren matten Glanz ihr schwarzes Haar halb gelöst dahinfloß, ein dunkler, ruhender Strom.
Als Pastor Jacoby zurückkam, richtete er den zitternden alten Mann fest und liebevoll auf, schob ihm einen Stuhl unter die bebenden Knie und tröstete ihn. Es sei nichts Ungewöhnliches, nur eine Ohnmacht, von der sie bald genesen würde.
»Aber man schreit doch nicht, wenn man in eine Ohnmacht sinkt«, sagte Missionar Wendel stotternd und rauh, häßlich im Gesicht vor Angst. »Helfen Sie doch, beten Sie ... ich bitte Sie so sehr ich kann, Sie haben doch gewiß Einfluß droben beim Herrn ...«
Er wußte nicht mehr, was er sagte. Er rutschte wieder von seinem Stuhl, kroch auf den Knien bis zu Anne-Dore heran und stöhnte in seine Hände:
»Ich trage alle Schuld, ich, allein ich.«
Friedbergs derbe Schritte klangen. Als er Anne-Dore sah, prallte er zurück.
»Tot?« keuchte er schaukelnd.
Pastor Jacoby beruhigte ihn. Die Kirchendiener brachten Tücher und einen Mantel, aus zwei langen Fußbänken hatten sie eine Tragbahre hergestellt. Draußen wartete der Wagen.