„Stechen Sie nicht,“ schrie sie, „das ist das einzige, was Sie können, aber es schadet. Bitte nehmen Sie Ihren Hinterleib weg, soweit als möglich, darin sitzt der Stachel. Und lassen Sie mich los, wenn es Ihnen möglich ist, ich will alles tun, was Sie wollen. Verstehen Sie denn keinen Scherz!? Es weiß doch jeder, daß Ihr Bienen unter den Insekten die angesehensten seid, die mächtigsten und die zahlreichsten. Nur nicht töten, wenn ich bitten darf, es wäre nachher nicht mehr gutzumachen. Herrgott, daß niemand für meinen Humor Verständnis hat.“
„Gut,“ sagte Maja, nicht ohne ein wenig Verachtung im Herzen, „ich werde Sie leben lassen, wenn Sie mir vom Menschen alles sagen, was Sie wissen.“
„Gern,“ rief Puck, „ich hatte es ohnehin vor, aber jetzt lassen Sie los.“
Maja tat es. Es war ihr plötzlich gleichgültig geworden, sie hatte Vertrauen und Achtung vor der Fliege verloren. Was so ein Gesindel in Erfahrung bringt, dachte sie, hat für ernste Leute wenig Wert, ich werde wohl doch selbst sehen müssen, welche Beschaffenheit es mit dem Menschen hat.
Aber die kleine Fliege Puck wurde doch um vieles erträglicher, nachdem sie diese ernste Lehre empfangen hatte. Zu Anfang ordnete sie unter Gebrumm und Schelten ihre Fühler, Flügel und die Härchen ihres schwarzen Körpers. Alles war sehr in Unordnung geraten, denn die kleine Maja hatte fest zugepackt. Zum Schluß ließ Puck seinen Rüssel ein und aus fahren, etwas, das Maja noch niemals gesehn hatte.
„Verstaucht! Total verstaucht ist der Rüssel,“ rief sie schmerzlich, „das kommt von dieser Erregtheit, mit der Sie vorgehen. Sehen Sie selbst, unten die Saugplatte sieht aus wie ein verbogener Blechteller!“
„Haben Sie eine Saugplatte?“ fragte Maja.
„Ach Gott, selbstverständlich! Was wollen Sie also über den Menschen wissen? Das mit dem Rüssel wird sich schon geben. Ich denke, am besten erzähle ich Ihnen aus meinem Leben. Da ich unter Menschen groß geworden bin, werden Sie schon erfahren, was Sie wissen wollen.“
„Sie sind unter Menschen groß geworden?“
„Aber ja doch. In ihre Stubenecke legte meine Mutter das Ei, aus dem ich gekrochen bin, auf ihren Gardinen habe ich die ersten Gehversuche gemacht, und von Schiller bis Goethe probierte ich die Kraft meiner Flügel zum erstenmal.“