Da sagte der Wächter ganz ruhig:
„Komm nur näher, Kleine.“
„Was?“ rief Maja, „wie? Sie haben mich gesehen?“
„Doch, Kind, schon lange. Du hast ein Loch in die Wand gebissen, und hast dich dann, immer hübsch im Schatten, bis hierher bewegt. Dann hast du mich gesehen und mit deinem Mut war es zu Ende. Ist es so?“
„Ja,“ sagte Maja, „Sie haben ganz recht.“ Sie zitterte vor Grauen am ganzen Körper. Also die ganze Zeit über hatte der Wächter sie beobachtet. Sie erinnerte sich nun, davon gehört zu haben, wie scharf die Sinne dieser klugen Räuber sind.
„Was willst du denn hier?“ fragte der Wächter gutmütig. Maja fand immer noch, daß er traurig aussah, er schien an ganz andere Dinge zu denken, ihm war dies alles gar nicht so wichtig wie ihr selbst.
„Hinaus möchte ich“, antwortete sie. „Ich habe auch nicht den Mut verloren, sondern ich war nur erschrocken über Ihre Kraft und Schönheit und über den goldenen Glanz Ihrer Rüstung. Jetzt werde ich mit Ihnen kämpfen.“
Der Wächter beugte sich erstaunt ein wenig vor und sah Maja an und lächelte. Es war gar nicht böse, dies Lächeln, die kleine Biene hatte dabei ein Empfinden, das sie noch niemals im Leben gekannt hatte. Ihr war zumute, als ob dieses Lächeln des jungen Kriegers eine heimliche Gewalt über ihr Herz ausübte.
„Kleine,“ sagte er beinahe herzlich, „nein, kämpfen werden wir nicht. Ihr seid ein mächtiges Volk, aber wir sind stärker. Am wenigsten aber wird je eine einzelne Hornisse mit einer einzelnen Biene kämpfen. — Wenn du magst, kannst du gern ein wenig hierbleiben und mit mir plaudern. Aber nur noch kurz, bald werde ich die Soldaten wecken und dann mußt du in deine Zelle zurück.“
Seltsam, diese überlegene Freundlichkeit der Hornisse entwaffnete Maja mehr, als Zorn oder Haß es gekonnt hätten. Es war beinahe etwas wie Bewunderung, das sie empfand. Sie sah mit großen traurigen Augen zu ihrem Feind auf, und da sie immer dem Zug ihres Herzens folgen mußte, sagte sie: