»Ich bin es. Sie hatten recht, meine Anwandlung zu Eingeständnissen, meine melancholische Selbstbetrachtung, abzulehnen. Vielleicht hoffte ich, mich von einer Niederlage wiederherzustellen, indem ich ein geringes Bild von mir entwarf, um, wenn Sie davongingen, in dem Bewußtsein zurückbleiben zu können, daß ich doch um einiges mehr sei, als ich Sie zuzugestehen genötigt hatte. Der Ruhm verdirbt, wir sind unehrliche Leute vor uns selbst geworden, um die Ehrlichkeit zu retten, um derer willen uns die anderen, die Welt, Bekenner und Eroberer nennt. Sie hat noch keinen Wahrhaftigen ihren Erlöser genannt ...«
»Also tausend Mark wollen Sie geben?«
Er schwieg, mit schräg gesenktem Blick.
»Sie nehmen mir die Freude daran«, sagte er langsam und in erkennbarem Verdruß über sein erneutes, unfreiwilliges Geständnis. Aber er holte dann zögernd, mit zurückgelegtem Oberkörper seine Schlüssel hervor, öffnete ein Schubfach des Schreibtisches, räumte etwas zur Seite, als seien es seine lästigen Gedanken, und entnahm einer Stahlkassette eine lederne Brieftasche.
»Hier,« sagte er kurz und unsicher, als fürchtete er durch sich selbst bei einem Diebstahl überrascht zu werden, »nehmen Sie und stiften Sie Segen und Gutes.« Er tastete an den Geldscheinen herum, als wollte er ihnen noch einmal, vor dieser Willkür, seine ganze besorgte Neigung zukommen lassen, und doch schien er diese Finger zu verachten, die den Wert des Papiers zu genießen trachteten. »Möge das Geld auf einen Acker fallen, besser bereitet, als es mein Herz noch ist. Und Sie, Sie selbst ... Wer sind Sie denn, so reden Sie doch. Dies alles ist doch höchst eigentümlich. — In die Hosentasche stecken Sie die Scheine?«
Plötzlich befiel mich eine wilde, heiße Fröhlichkeit. Es war mir, als erwachte ich mit dem Bewußtsein dieses Erfolges endlich aus einer Welt von Beziehungen, Kräften und Verstrickungen, die nichts mit jener zu schaffen hatte, in die ich nun gehen wollte, um der Freundin den Weg zu ihrer Gesundheit und zu glücklichen Tagen zu ebnen.
»Ich ——?« fragte ich plötzlich wie verwandelt, »ich komme mir vor wie Einer, der sich beim Satan eine Leiter geliehen hat, um Gott in den Himmel steigen zu lassen.«
»Auch ein Dank«, sagte er verständnislos und sah mich beinahe gierig an, mit einem Ausdruck, den ich so wenig auf seinen Ursprung zu prüfen vermochte, wie er meine Worte.
»Grüßen Sie Ihre Freundin,« sagte mein Gastgeber, als er sah, daß ich meinen Hut nahm, »berichten Sie mir, lassen Sie sich einmal wieder sehen, tun Sie es, vielleicht wird Ihre Teufelsleiter doch noch zu einer Brücke zwischen uns zwei.«
Ich ließ es offen.