»Daran hast du gedacht, Kaja?«

Sie sah mich fragend an.

Ich merkte erst nun, wie hungrig ich war, und unter diesen Augen war ich es ohne Arg. Ich werde niemals zu schildern vermögen, woher die Gefahr und Wohltat dieser Seele kamen, sie strömten auf mich über und verwandelten mich. Diese Welt ohne Pflichten, Dank und Schuld war ungreifbar, von heiliger, uranfänglicher Freiheit. Man vermochte in ihr zu sein, beglückt oder traurig, aber erreichbar war sie nicht.

Sie saß nackt im Sand, die Augen gegen das Meer gerichtet, mitten in der Sonne, und rauchte. Ihr Haar fiel hinter ihr bis auf den Boden nieder, als schiene die Sonne durch ihre Stirn und verlöre sich, selig ermüdet, in mattem goldenen Fluß, im Schatten dieser hellen Schultern. Nun hob sie es langsam, ohne die Zigarette aus dem Mund zu nehmen, mit beiden Händen, und barg es unter einer roten Kappe aus dichtem Stoff, um es beim Bad vor dem Meerwasser zu schützen. Eine feine blaue Rauchsäule erhob sich lebendig über ihr und wanderte, sich leicht zerteilend, lautlos ins Buchengrün empor.

Kaja legte sich nun langsam auf den Sand zurück und öffnete sich ganz den Sonnenstrahlen, wie eine blühende Pflanze. Sie breitete ihre Arme aus, und als sie die leicht erhobenen Knie ein wenig öffnete, wandte sie mir gleichzeitig langsam ihr Gesicht zu, und ihre Blicke suchten und umfaßten mich, zugleich entschuldigend, lauernd und durstig. Aber von einer Offenheit sondergleichen und gebieterisch, ja verächtlich, so daß mir war, als saugte das Lebenslicht ihres Wesens mich in einen blassen Abgrund von ewiger Selbstverlorenheit.

Sie gab mir ihr Päckchen Zigaretten herüber, als würfe sie es fort. Keine Geste schien ihr verächtlicher zu sein, als die der Darbietung. Dankbar ist sie nicht, dachte ich, als dächte ein anderer für mich. Eines guten Mannes gute Frau wird sie niemals, denn wie vermöchte heute eine brave Männerseele sich leicht das Zelt seiner Ehe anders zu denken, als im Talgrund der Dankbarkeit eines durch ihn begnadeten Weibes. Ich mußte lachen, und Kaja sah sich nach mir um.

»Was ist geschehen?«

»Ich mußte lachen, weil ich mir dich als Ehegattin eines braven Mannes vorstellte.«

»Ja,« sagte sie, »ich weiß schon von heute nacht her, wie ausschweifend du in deinen Gedanken bist.«

»Erzähle mir von dir, Kaja.«