»Wie schrecklich!« Halb scherzhaft, halb befangen verfolgte sie die Wirkung ihres kaum gewollten Worts, bereit es zu mildern.
»Ja, Kaja, es ist schrecklich. Was weiß dein Herz davon. Du sollst mich anhören, weil ich nicht schweigen kann und reden muß, aber ich spreche nicht in der Hoffnung, dich zu bestimmen. Ich weiß, wer du bist, aber ich weiß auch, wer ich bin.« Und ich fügte in meinen Gedanken hinzu: Töricht bin ich, töricht.
»Sag es doch gleich, was ich bin,« antwortete Kaja, »füge doch hinzu, daß du glücklich wärst, wenn du mich verachten könntest.«
»Du bist klug wie Feuer.«
»Ist das Feuer klug?«
»Auf seine Art. Wer das Feuer anbetet, weiß nichts von der Liebe.«
»Leuchtet es nicht?«
»Ja, indem es wahllos verzehrt, was es zu seinem unruhigen Dasein braucht. Es >versteht< gleich dir alles, was es braucht, und alles, was es hindert.«
»Was du dir doch für sonderbare Gedanken machst«, sagte sie, einen Augenblick kindlich betroffen. »Du bist ein gefährlicher Mensch, du raubst der Natur ihre Ruhe.«
»Ja, Kaja, ja, auch der meinen, bis ich ihren Sinn begreife. Ich bin ein Mensch, sonst nichts. Glaubst du denn, ich klagte dich an, um mich zu verteidigen, oder um zu meinem Recht zu kommen? Nein, nein, es ist umgekehrt und wird bis zu meinem letzten Atemzug so sein, daß ich mich gering mache, um zu rechtfertigen. Es soll nichts von mir gelten, als daß ich hier keine Ruhe fand, und daß ich mich nie beschied. In solcher Auflehnung gegen die betrügerische Standhaftigkeit des Vergänglichen beginnt das Menschenbewußtsein, erhebt Gott, die Liebe, in uns ihr Wirken. Ich habe einen neidlosen Blick ewigen Abschieds auf die Lebensbereiche derer geworfen, die sich kampflos und begnügsam bescheiden. Wenn ich im Leben einen Todfeind haben werde, so ist es ihr Frieden, wenn ich etwas zerstören werde, so werde ich ihre Ruhe zerstören, wenn meiner ein Kampf wartet, so ist es der Kampf gegen ihren Gott, der ihre Häuser schirmt und ihren Geist tötet. Eine furchtbare Macht wird auf meiner Seite sein, himmlischen Heerscharen vergleichbar, das ist die Jugend ...«