»Was sollte mich denn dazu veranlassen, Sie zu respektieren? Sie können nicht klettern, stechen jeden, der Sie anfaßt und haben nicht einmal einen Schwanz. Sehen Sie den meinen an!«
Li drehte sich ein wenig im Gras und sah sich nach Hassan um, der nicht ohne Erstaunen und Neid auf den prächtigen buschigen Schwanz des Eichhörnchens schaute. Es war in der Tat eine Pracht.
»Jeder hat eben etwas anderes«, sagte er verstimmt.
»Ganz recht, mein Lieber, und ich habe etwas Besseres.«
Mit diesem Tier war nicht auszukommen, Hassan sah es ein. Wenn das die Folge seiner Ansiedlung sein sollte, daß er sich täglich über dies eingebildete Geschöpf zu ärgern hätte, so stand für ihn fest, daß er nicht blieb. Es fiel ihm auch gar nichts mehr ein, was er zu seinem Vorteil hätte sagen können. Als er nachdachte, erklang hinter ihm ein kaum hörbares Rascheln und gleich darauf ein scharfes Zischen. Das Eichhorn flog herum, als ob es sich zu einem wilden Tanz anschickte, versuchte einen Satz zu machen, um davonzukommen, blieb aber zitternd und völlig willenlos an seinem Platz hocken, und ein schmerzliches und unbeschreiblich angstvolles Wimmern brach aus seinem Mund.
»Ala, die Kreuzotter«, stammelte das arme Tier. Seine Augen verdrehten sich, es begann einen sonderbaren schaukelnden Verzweiflungstanz mit dem Oberkörper, kam aber nicht vom Fleck, und jedes Tröpfchen Blut war aus seinem frechen Gesichtchen gewichen.
Es war in der Tat Ala, die Kreuzotter, die sich im Gras aufrichtete. Sie hatte sich etwa um die Hälfte ihrer Länge emporgehoben, ihre hellen Augen funkelten wie zwei Diamanten, und ihre langsamen, beinahe trägen Bewegungen in der Sonne hatten etwas ungemein Grauenerregendes. Das Furchtbarste aber war dies scharfe, eindringliche Zischen, das über die gespaltene feine Zunge her aus dem bösen Rachen des platten Köpfchens kam, und das das Blut aller Geschöpfe erstarren machte, wie die Stimme des Todes. Wer weiß auch nicht, daß Alas Biß tötet, noch ehe ein Hilfsmittel beschafft werden kann, ja, ehe man recht darüber zur Besinnung kommt, was geschehen ist.
Li, das Eichhorn, war in der Tat zu bedauern. Es war herzzerreißend anzuschauen, wie es versuchte, davonzukommen, wie aber die Bewegungen der Giftschlange und ihr Zischen es am Platz bannten und ihm alle Vernunft und jeden Willen raubten. Es ist eine alte Wahrheit, daß die Bewegungen der Schlange alle kleineren Tiere zu verzaubern scheinen.
»O, hab’ Erbarmen«, wimmerte es. Es dachte an die hohen, schaukelnden Zweige seines Baums; wie wollte es seine freie Kunst im Klettern und Springen gebrauchen, wenn es nur davonkönnte.
Aber die Kreuzotter kennt kein Erbarmen. Es sah aus, als ob das merkwürdig süße Maul des bösen Tiers heimlich lächelte, und die schöne Zickzacklinie auf seinem Rücken, in ihrer schaurigen Todespracht, glitzerte im Sonnenlicht und verdunkelte sich wieder im Schatten der kleinen Kräuter und im Moos. Nichts war beängstigender, als daß man nicht in der Lage war, diesen schleichenden, ziehenden Bewegungen im Gras mit den Blicken zu folgen.